„Der kleine Prinz“ – Weltbestseller in neuen Übersetzungen

Von 28. Dezember 2015 Aktualisiert: 7. Juli 2016 21:49
„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar...“ der wohl berühmteste und beherzigenswerte Text von Antoine de Saint-Exupéry steht in „Der kleine Prinz“.

Das Buch „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry, das erstmals am 6. April 1943 in New York im Verlag Reynal & Hitchcock erschien, ist seither fast 100 Millionen Mal in über 180 Sprachen und Dialekten erschienen, im Jahr 2010 sogar auf Lateinisch.

Saint-Exupéry hatte sein Buch hauptsächlich in den Monaten des Spätsommers 1942 in Bevin House auf Long Island geschrieben und gezeichnet, einem unverhofften kurzen Lichtblick in den für ihn schmerzlichen Jahren des Exils und der schwierigen Ehe mit seiner Frau Consuelo. Heiterkeit und die damals beim Autor schon allgegenwärtige Neigung zur Grübelei müssen in jedem Satz des Textes hörbar sein.

Der am 29. Juni 1900 in Lyon geborene Antoine war das dritte  von fünf  Kindern. Er wurde ein mutiger Pilot und war ein begabter Schriftsteller. 1935 versuchte er den Rekord auf der Strecke Paris-Saigon einzustellen und stürzte in der ägyptischen Wüste ab, wo er erst nach einem fünftägigen Marsch auf eine Karawane stieß. 1938 machte er den Versuch eines Rekordflugs von New York nach Feuerland (Süd-Argentinien) und stürzte über Guatemala ab. Ein langer Genesungsaufenthalt in New York folgte – in dieser Zeit hat er damals viel geschrieben.

1931 hatte er in Nizza die Bildhauerin Consuelo Suncin Sandoval (Tochter einer sehr reichen Familie aus El Salvador) geheiratet; es war ihre dritte Ehe. In seinem Buch „Der kleine Prinz“ (1943) machte er seine Frau, symbolisiert durch eine Rose, zur Zentralfigur seines poetischen Meisterwerks. Als Antoine de Saint-Exupéry im Alter von nur 44 Jahren am 31. Juli 1944 über der Île de Riou bei Marseille abstürzte, blieb sein Tod bis zum heutigen Tag zu einem Rätsel.

„Ich bin von euch gegangen, nur für einen Augenblick, und gar nicht weit. Wenn ihr dahin kommt, wohin ich gegangen bin, werdet ihr euch fragen, warum ihr geweint habt …

Wenn wir nur für das Geld und den Gewinn arbeiten,  bauen wir uns ein Gefängnis und schließen uns wie Klausner ein. Geld ist nur Schlacke und kann nichts schaffen, was das Leben lebenswert macht …

Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar …

Immer nur geht es darum, die Gegenwart zu ordnen. Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen. Lass also die Zukunft wie einen Baum gedeihen, der nach und nach seine Zweige entfaltet. Von Gegenwart zu Gegenwart wird der Baum wachsen, bis er vollständig in seinen Tod eintritt.“ (Antoine de Saint-Exupéry).

Das leidenschaftliche Plädoyer für Freundschaft und Mitmenschlichkeit wurde in der Nachkriegszeit bis heute zu einem der weltweit größten Bucherfolge. 1950 erschien die erste deutsche Übersetzung, die viele Leser in- und auswendig kennen. Der 1897 in Bischofshofen bei Salzburg geborene österreichische Schriftsteller und promovierte Jurist Josef Leitgreb (gest. 1952 in Innsbruck) hatte zusammen mit seiner Ehefrau Grete Ritter (1903 – 2002) die märchenhafte Geschichte, in der u.a. die Konsumgesellschaft kritisiert wird,  in die deutsche Sprache übertragen. Seit Kriegsende lagen die Rechte für Saint-Exupéry beim Düsseldorfer Karl-Rauch-Verlag. Im Jahr 2009 erschien dort eine Neuübersetzung der österreichischen Literaturwissenschaftlerin Elisabeth Edl.

Die Urheberrechte sind inzwischen in vielen Ländern verfallen. Nur in Frankreich, wo für Autoren, die im Kriegseinsatz umkamen, zur Entschädigung der Hinterbliebenen noch etliche Jahre dazugeschlagen werden, bleiben die Rechte für Saint-Exupéry vorerst beim Verlag Gallimard.

Das worauf es ankommt?

Im Jahr 2015 sind diverse neue deutsche Übersetzungen erschienen, aus der Feder von Hans Magnus Enzensberger, Ulrich Brossier und zuletzt von Peter Sloterdijk (Insel-Verlag). Der Karlsruher Philosoph und Kulturwissenschaftler versucht, dem Prinzen ein neues zeitgemäßes Sprachgewand zu verpassen. Ob das wirklich nötig war, sollte kritisch hinterfragt werden. Übersetzung darf niemals zu einer indirekten Interpretation werden. 

Komplettiert wird der edel aber eher trübsinnig anmutende Inselband durch moderne und sehr reduzierte Farbillustrationen von Nicolas Mahler. Der 1969 geborene 1969 Comiczeichner und Illustrator lebt und arbeitet in Wien. Seine Comics und Cartoons erscheinen in Zeitungen und Magazinen wie DIE ZEIT, NZZ am Sonntag, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung und in der Titanic.

Foto: Cover Insel-Verlag

Das Beste an diesem Buch ist das Nachwort von Peter Sloterdijk. „Saint-Exupéry hat mit seiner Erzählung von dem weltall-verlorenen Kind keine Kindergeschichte geschrieben. Was uns in Form dieses seltsamen Reiseberichts vorliegt, ist die Abbreviatur eines Bildungsromans. Adressiert ist er an die unsterblichen Jugendlichen, die sich in den Erwachsenen verbergen, indes sie auf die seltenen Momente warten, in denen sie ohne Beschämung ins Freie kommen dürfen… Bildungsroman und Initiationsprotokoll wuchsen auf wenigen märchenhaften Seiten zu einer neuen Gattung zusammen. Mag sein, es bezeichnet große Literatur, wenn ihre Leser auf wenigen Seiten lernen, wie die Liebe die Einsamkeit widerlegt. Zu den heiteren Botschaften des kleinen Prinzen gehört, dass man Liebe lernen kann, auch und gerade, wenn sie mit einer Enttäuschung begann. Unter den Resten der Bildungsidee mag diese die fruchtbarste sein: Nicht alle Liebesmühe ist vergeblich. Es gibt eine Rose, bei welcher der weiteste Umweg zum Ziel führt.“

Man hätte sich auch in dieser Neuübersetzung die Originalillustrationen des Autors gewünscht, der so treffend formulierte: „Das worauf es ankommt, können wir nicht vorausberechnen“.

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