Die therapeutische Wirkung von Zimmerpflanzen

Studien zufolge verbringen wir mehr als 90 Prozent unserer Zeit in geschlossenen Räumen. Das hat negative Auswirkungen auf unsere körperliche und geistige Gesundheit. Eine einfache Methode kann dem entgegenwirken: Zimmerpflanzen ziehen.
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Zimmerpflanzen verringern Stress für Körper und Geist und können sogar noch viel mehr.Foto: CentralITAlliance/iStock
Von 28. Juni 2022

Kurz nachdem sie ein Baby bekommen hatte, bekam Jennifer Lauck eine Orchidee geschenkt. Sie war insgeheim sehr überrascht und wollte die Pflanze am Liebsten wieder zurückgeben.

Wie Lauck, eine Bestsellerautorin aus den USA, in ihren Memoiren über Elternsein „Show Me the Way“ beschreibt, wollte sie einräumen: „Ich kann dieses Stück blumiger Perfektion nicht am Leben erhalten. Ich kann kaum meine Kinder und mich selbst am Leben erhalten. Was um alles in der Welt willst du mir hier antun? Willst du, dass ich unter der Last einer weiteren Aufgabe zusammenbreche? Für wie viele weitere Sachen soll ich denn noch Verantwortung tragen?“

Zimmerpflanzen verschönern jeden Raum. Sie filtern die Luft. Sie geben uns ein Gefühl der Gelassenheit. Doch wer selten oder nie eine Pflanze im Haus hatte, kann sich eher unsicher oder sogar ein wenig überfordert fühlen, bei dem Gedanken, eine Pflanze anzuschaffen.

Man könnte wie Lauck denken, eine Zimmerpflanze sei das Letzte, was man braucht. Oder man könnte sich einreden, man habe „keinen grünen Daumen“. Vielleicht sind einem in der Vergangenheit schon einige Pflanzen eingegangen und man glaubt, man könnte keine Zimmerpflanze am Leben erhalten.

Doch was, wenn man sich irrt? Wenn man sein Zuhause, Büro oder einen anderen Raum mit blühenden, gesunden Zimmerpflanzen beleben und ihnen damit Ruhe verleihen kann? Wenn man sich einige frische Zimmerpflanzen zulegt, wird man nicht nur seine Innenräume verschönern, sondern sich auch auf eine Reise begeben, die die eigene geistige und körperliche Gesundheit verbessern wird.

Zimmerpflanzen verringern Stress für Körper und Geist

Die Arbeit mit Pflanzen wirkt dem „Technostress“ entgegen. Foto: AnnaNahabed/iStock

Im Jahr 2015 verglich ein Team koreanischer und japanischer Wissenschaftler, wie das Nervensystem junger Menschen auf mit Computern verbundene Tätigkeiten im Vergleich zu Tätigkeiten reagiert, die sich um Pflanzen drehen. 

Die Forscher teilten zwei Gruppen junger Männer nach dem Zufallsprinzip verschiedenen Aufgaben zu. Zwölf sollten eine Zimmerpflanze verpflanzen. Zwölf wurden gebeten, am Computer zu arbeiten. Dann wechselten die Teilnehmer die Aufgaben. Während und nach jeder Tätigkeit bewerteten die Wissenschaftler die psychische und physische Gesundheit der Probanden.

Bei der Arbeit mit den Pflanzen berichteten die Teilnehmer, dass sie sich wohler und ruhiger fühlten. Ihre physiologischen Stressmarker wurden gesenkt. Die Arbeit mit den Pflanzen senkte sogar ihren Blutdruck.

Das Forscherteam kam zu dem Schluss, dass die Interaktion mit Zimmerpflanzen dazu beitragen kann, dem wachsenden Problem des „Technostresses“ entgegenzuwirken. Damit ist das immer häufiger auftretende Gefühl gemeint, überfordert zu sein und nie fertig zu werden, das durch die Arbeit am Computer ausgelöst wird. 

„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die aktive Interaktion mit Zimmerpflanzen den physiologischen und psychologischen Stress verglichen mit geistiger Arbeit reduzieren kann“, schrieben die Forscher. Sie fügten hinzu, dass die Arbeit mit Pflanzen „angenehme, beruhigende und natürliche Gefühle“ fördert.

Mentale und emotionale Vorteile von Zimmerpflanzen

Andere Untersuchungen und meine persönliche Erfahrung deuten darauf hin, dass Zimmerpflanzen auch andere Vorteile haben:

Sie bauen Ängste ab

Das Verpflanzen von Zimmerpflanzen ist eine beruhigende Aufgabe. Doch selbst der Anblick des Grüns in der eigenen Wohnung oder dem eigenen Büro hilft, sich weniger ängstlich zu fühlen.

Sie heben die Stimmung

Die grünen Lieblinge heben die Stimmung. „Ich liebe das Grün und das Gefühl von Leben und Energie in meinen Innenräumen“, sagt Debra Owensby, eine Immobilienmaklerin aus Greenville, South Carolina. „Ich hasse es, in einen toten Raum zu gehen. Pflanzen bauen mich wirklich auf.“

Sie fördern die Kreativität

Laut einer Studie des Markt- und Meinungsforschungsinstituts YouGov verbringen die meisten Menschen mehr als 90 Prozent ihrer Zeit in geschlossenen Räumen. Die Studie wurde im Auftrag des Dachfensterherstellers Velux durchgeführt und im Mai 2018 veröffentlicht.

Wenn man sich dank der Zimmerpflanzen die Natur ins Haus holt, kann man nicht nur ein natürliches Outdoor-Gefühl in Innenräumen erzeugen. Viele Studien legen nahe, dass Pflanzen in der Wohnung oder am Arbeitsplatz die Kreativität, die Problemlösungskompetenz, die Produktivität, die Konzentration und sogar das Gedächtnis verbessern können. Dazu gehört eine Studie der Universität von Exeter in Großbritannien aus dem Jahr 2013 und eine 2015 veröffentlichte Studie der Universität für Agrarwissenschaften und Veterinärmedizin in Rumänien.

Sie reinigen die Luft

Pflanzen atmen Kohlendioxid ein und Sauerstoff aus; dieser Prozess trägt zur Reinigung der Luft bei. Laut Dr. Vadoud Niri, einem außerordentlichen Professor für analytische Chemie an der State University of New York in Oswego, können Zimmerpflanzen auch die Luft von gängigen Chemikalien reinigen, die gesundheitsschädliche Auswirkungen wie Kopfschmerzen und laufende Nasen verursachen. 

In einem Experiment, das Dr. Niri in seinem Labor durchführte, konnte ein Drachenbaum (Dracaena) mehr als 90 Prozent des Acetons (eine flüchtige Chemikalie, die in Nagellack und anderen Produkten enthalten ist) aus der Luft aufsaugen.

„Man sollte eine Vielzahl von Pflanzen verwenden, um sicherzustellen, dass man alle Arten von flüchtigen organischen Verbindungen aus seiner Raumluft entfernt“, empfiehlt Dr. Niri in einem von „Scientific American“ produzierten Lehrvideo. 

Ein oft zitiertes Experiment von NASA-Wissenschaftlern aus dem Jahr 1989 ergab ebenfalls, dass viele verschiedene Zimmerpflanzen die schädlichen flüchtigen Verbindungen in der Luft wirksam reduzieren.

Sie heilen den Körper

Ein weithin bekanntes Experiment an Mäusen, das 2007 in der Fachzeitschrift „Neuroscience“ veröffentlicht wurde, ergab, dass ein Schlamm-Bakterium, Mycobacterium vaccae, wirksam die Stimmung hebt. Seine Wirkung ist mit der von Antidepressiva vergleichbar. 

Zwei Jahre später fanden Wissenschaftler der Kansas State University heraus, dass Patienten, die während sie sich von einer Operation erholten Pflanzen in ihrem Zimmer hatten, weniger Schmerzen, Angst und Müdigkeit verspürten als Patienten ohne Pflanzen im Zimmer. 

2019 entdeckte ein Forscherteam aus Taiwan und Hongkong, dass ältere Menschen in Häusern ohne Zimmerpflanzen einer viel höheren Luftverschmutzung ausgesetzt waren als ältere Menschen, die Pflanzen in ihren Häusern hatten. Sie hatten außerdem einen höheren Blutdruck und litten viel häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das deutet darauf hin, dass Zimmerpflanzen sogar gut für das Herz sind.

Wie fängt man an?

Wer Freunde hat, die bereits einen üppigen Dschungel im Haus haben, kann sie um einen oder zwei Stecklinge von leicht zu ziehenden Zimmerpflanzen bitten. Viele Menschen kaufen und verkaufen Zimmerpflanzen online, außerdem gibt es auf Facebook und anderen sozialen Medien zahlreiche Gruppen von Pflanzenliebehabern – und fast jeder Pflanzenliebhaber ist bereit, einem bei den ersten Schritten zu helfen. 

Man kann die Stecklinge in ein Glas mit Wasser tun und in indirektes Sonnenlicht stellen. Sobald die Wurzeln zu wachsen beginnen, sollte man sich einen Ton- oder Keramiktopf mit einem Abflussloch suchen, den Boden des Topfes mit Kieselsteinen auslegen, etwas Blumenerde hineingeben und den Steckling einpflanzen. Presto und herzlichen Glückwunsch: Sie ziehen jetzt Ihre erste Zimmerpflanze.

Man sollte nicht zu viel Geld für exotische Zimmerpflanzen ausgeben. Es ist in Wirklichkeit besser, mit ein paar einfach zu ziehenden Stecklingen in Wasser zu beginnen als mit teuren, bereits ausgewachsenen Topfpflanzen. Auf diese Weise verschwendet man nicht sein Geld für viel zu anspruchsvolle Pflanzen, die man als Anfänger vielleicht nicht am Leben erhalten kann.

Man sollte die Pflegeanweisungen für jede Pflanze aufschreiben und sie entweder in den Topf stecken, sie an die Seite des Topfes kleben oder sie irgendwo in der Nähe hinlegen. Jede Zimmerpflanze benötigt eine etwas andere Pflege, die unter anderem von der Sonneneinstrahlung, der Luftfeuchtigkeit und Temperatur, der Jahreszeit und der Pflanzenart abhängt.

Man sollte nicht denken, dass man sich an jede spezifische Pflegeanweisungen erinnern wird. Wenn man kein erfahrener Gärtner ist, braucht man für jede Pflanze einen Spickzettel.

Die perfekte Anfängerpflanze ist die Efeutute, denn sie ist pflegeleicht, gedeiht auch dann noch, wenn man vergisst, sie zu gießen oder wenn man sie zu viel gießt. Sie gedeiht am besten im mäßigen indirekten Sonnenlicht, verträgt aber auch sowohl Sonne als auch Schatten. Sie lässt sich auch leicht vermehren, das heißt, wenn man sie also von einem Pflanzenliebhaber oder einer Gärtnerei bekommt, kann man gleich loslegen.

Efeututen, wie die hier gezeigte, sind unkomplizierte Anfängerpflanzen, die sich auch leicht vermehren lassen. Foto: Grumpy Cow Studios/iStock

Nur weil man denkt, dass die eigene Wohnung zu dunkel ist, sollte man nicht glauben, dass keine Zimmerpflanzen gedeihen können. Viele einfach zu ziehende Zimmerpflanzen fühlen sich an schattigen Orten sehr wohl. Dazu gehören das violett- und grünblättrige Zebra-Ampelkraut, viele Begonien- und Philodendronarten und fast alle Efeututen.

Auch wenn die erste, zweite oder dritte Pflanze eigeht, sollte man nicht aufgeben. So wird man herausfinden, welche grünen Schnuckelchen bei einem gut gedeihen. Auch wenn ein oder zwei Pflanzen sterben, wird man sein Können verbessern und vielleicht entdecken, dass man doch einen grüneren Daumen hat als gedacht. Man muss nur die richtigen Sorten für sich finden.

Man sollte nicht denken, man könne keine Pflanze aufziehen. Als ich einer Freundin einen Aloe-Abschnitt schenkte, wurde die Aloe in weniger als einem Monat doppelt so groß – die Fensterbank und die Art der Bewässerung meiner Freundin sind perfekt für sie. In der Zwischenzeit ist meine Mutter-Aloe gestorben.

Umgekehrt konnte meine Freundin ihre Schlangenlilie, auch Glücksbambus genannt (Dracaena sanderiana, eine tropische Wasserpflanze), nicht am Leben erhalten, während meine Pflanze gut gedieh. Die Aloe mag es, wenn sie sehr wenig Wasser bekommt, in einem kleinen Topf zusammengepfercht ist und zwischen den Wassergaben vollständig austrocknet. 

Die Schlangenlilie, die als eine schwierige Zimmerpflanze gilt, gedeiht in einem flachen, mit Kieselsteinen gefüllten Topf, aber nur, wenn er fast täglich gegossen und besprüht wird. 

Meine Freundin und ich haben beide ein Haus voller Pflanzen; bei mir wachsen mehr als 70 auf jeder verfügbaren Fläche. Trotzdem wachsen die Pflanzen, die bei meiner Freundin gut gedeihen, nicht unbedingt auch bei mir.

Was ist mit Jennifers Laucks Orchidee, die in der Mitte jeder ihrer papierweißen Blüten einen lila Farbtupfer hat? Lauck berührte eines der Blütenblätter und stellte überrascht fest, dass die elegante Blume viel stabiler war, als sie aussah. In diesem Moment wurde ihr klar, dass die Orchidee nicht nur ein Geschenk war, sondern auch ein Lehrer, eine Erinnerung an eine gestresste junge Mutter, dass sie irgendwann ihr Gleichgewicht wiederfinden würde.

Zimmerpflanzen sind schön, sie sind gut für die Gesundheit und heben die Stimmung. Sie mögen sich nicht fortbewegen können, aber sie helfen uns Menschen, unsere Ziele zu erreichen.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Zeitschrift Radiant Life.

Jennifer Margulis, ist eine preisgekrönte Wissenschaftsjournalistin und Autorin von „Your Baby, Your Way: Taking Charge of Your Pregnancy, Childbirth, and Parenting Decisions for a Happier, Healthier Family“. Die Fulbright-Stipendiatin und Mutter von vier Kindern beteiligte sich an einer Kampagne zur Bekämpfung der Kindersterblichkeit in Westafrika. Außerdem setzte sie sich im französischen Fernsehen für ein Ende der Kindersklaverei in Pakistan ein. Für mehr Informationen besuchen Sie JenniferMargulis.net

Dieser Artikel erschien im Original auf The Epoch Times USA unter dem Titel: The Therapeutic Effects of Houseplants (deutsche Bearbeitung von as)



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