Das Bild der „typischen Hausfrau“ entstand im 19. Jahrhundert. Zu dieser Zeit begann die Hausarbeit auch nicht mehr als richtige Arbeit zu gelten. Das hallt bis heute nach.Foto: Choreograph/iStock

Griff in die Geschichte: Die Herrin des Hauses

Von 9. April 2022
Einfach nur Hausfrau sein und sich um den Haushalt und die Kinder kümmern. Für Feministinnen und Politiker gehört dieses Bild des „Heimchens am Herd“ in die Geschichtsbücher. Dabei war das Konzept der Hausfrau in der Geschichte ständig einem Wandel unterworfen. Seine moderne Ausprägung ist die Hausfrau des 21. Jahrhunderts.

Bis 1958 standen Frauen in der Bundesrepublik Deutschland unter der Vormundschaft der Männer. Sie durften ohne die Zustimmung ihrer Ehemänner oder männlicher Verwandten nicht arbeiten, waren nicht geschäftsfähig und gesetzlich dazu verpflichtet, den Haushalt zu führen. Diese Rolle der Frau wird heute oft abwertend mit den drei Ks – „Kinder, Küche, Kirche“ (1) – bezeichnet und gilt als antiquiert.

Ein Blick auf die Geschichte zeigt jedoch, dass das Bild der „typischen Hausfrau“, deren Wirkungsbereich nur auf die private Sphäre beschränkt ist, erst nach der Aufklärung und insbesondere im 19. Jahrhundert aufkam. Zusätzlich wurde mit der Industriellen Revolution und später mit der feministischen Bewegung die Hausarbeit in der Gesellschaft entwertet. Das hallt bis heute nach. Unter modernen Hausfrauen regt sich jedoch Widerstand. Doch dazu später mehr.

Gehen wir der Reihe nach vor und schauen uns an, wie sich das Bild der Hausfrau im Laufe der Jahrhunderte in Deutschland verändert hat.

„Power-Paar“ im Mittelalter

Die Hausfrau, wie wir sie heute allgemein verstehen, existierte im Mittelalter nicht. Das Wort „Hausfrau“ bezog sich auch nicht auf eine Frau, die sich persönlich um den Haushalt und die Kinder kümmerte, sondern auf eine adlige Dame, die die Schlüsselgewalt besaß.

Sie verfügte somit als Hausherrin über das Hausgesinde, kümmerte sich um die Lagerhaltung, die Haushaltsführung und die Ersparnisse. Dabei war sie eher als Managerin zu verstehen, die über die Dienerschaft befehligte und selten selber Hand anlegte. Diese Schlüsselgewalt zog sich durch alle Stände, wobei Frauen der niederen Stände weniger bis gar keine Diener hatten und selbst tätig werden mussten. Sie hatte außerdem die Verfügungsgewalt über ihre Mitgift und all ihr erwirtschaftetes Geld. Das konnte regional jedoch abweichen.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist auch, dass sich das Individuum in der mittelalterlichen Gesellschaft der Gemeinschaft unterordnete. Das war sowohl auf dem Land als auch in der Stadt die Regel. Die kleinste Einheit dabei war die Familie. Unter einer Familie wurden nicht nur Blutsverwandte verstanden, sondern auch sämtliche Angestellten, die im Haushalt lebten.

Familienverbände im Mittelalter können also als kleine Unternehmen verstanden werden, bei denen jeder mit anpackte. In einigen Städten wie zum Beispiel Köln war es sogar üblich, dass Frauen eigene Handwerksbetriebe führten. Nach der Heirat stiegen ihre Männer, falls sie nicht selbst Werkstätten führten, in die Betriebe ihrer Frauen ein.

In Händlerfamilien verwalteten die Ehefrauen das Vermögen, führten Buch und befehligten die Angestellten. Sie durften auch Siegel führen, Verträge unterschreiben und sich selbst und die Mitglieder ihres Haushalts vor Gericht vertreten. Das war notwendig, damit bei längeren Handelsreisen des Mannes das Geschäft der Familie nicht zum Erliegen kam.

Diese gesellschaftliche Ordnung änderte sich jedoch am Ende des Mittelalters, als die Pest und eine kleine Eiszeit die Wirtschaft zum Erliegen brachten. Mit der Reformation und dem darauffolgenden Dreißigjährigen Krieg änderten sich die gesellschaftlichen Verhältnisse umso mehr.

Geschlecht vor Stand während der Renaissance und Aufklärung

Mit dem Beginn der Neuzeit begann der Niedergang der zuvor mächtigen Städte. Sie waren im Mittelalter durch den Fernhandel reich geworden. Wegen des Dreißigjährigen Krieges wurde der Handel jedoch unterbrochen, was die Städte sehr schwächte. Zentral regierte Fürstenstaaten, die zuvor ihre Macht an die Städte und Landesherren verloren hatten, erstarkten wieder und brachten die Städte unter ihre Herrschaft.

Um ihre Reiche zu verwalten, weiteten die absolutistischen Herrscher die Beamtenschicht aus. Das hatte zur Folge, dass die Frauen keinen Anteil mehr am Beruf ihres Mannes hatten und ihn auch nicht mehr im Falle seiner Abwesenheit vertreten konnten.

Die Ehefrauen führten aber weiterhin Buch und waren für die Repräsentation zuständig. Außerdem hatten Frauen aus dem Adel oder gehobenen Bürgertum weiterhin ein Gefolge von Dienern, die die konkreten Arbeiten für sie erledigten, was sich nicht groß von der Hausfrau im Mittelalter unterschied.

Die Hausfrau auf dem Land machte ebenfalls im Sinne des Mittelalters weiter. Hier gab es weiterhin keine Trennung zwischen Haushalt und Landwirtschaft. Ein Ehepaar leitete die Höfe und verteilte die Aufgaben an alle anderen Mitglieder der Familie und an Angestellte (das gilt auch bis heute noch). Je ärmer die Höfe, desto mehr musste jeder überall mit anpacken. Je größer die Höfe wurden, desto mehr wurde zwischen Frauen- und Männerarbeit unterschieden. Obwohl die Aufgaben unterschiedlich waren, wurden sie jedoch als gleichwertig angesehen, weil sie sich ergänzten.

Doch mit der Aufklärung war die ständische Gesellschaft immer mehr im Auflösen begriffen. Diese gesellschaftlichen Umwälzungen, gepaart mit der Industriellen Revolution und der Wiedereinführung des römischen Rechts (2), sorgten dafür, dass die soziale Herkunft immer weniger eine Rolle spielte. Es bildete sich eine standesübergreifende Trennung zwischen eher männlichen und eher weiblichen Sphären heraus.

Die Hausfrau während der Industrialisierung

Durch die Auflösung der Ständegesellschaft und die Industrialisierung wuchs die bürgerliche Mittelschicht im 19. Jahrhundert stark an. Das aufstrebende Bürgertum aus Beamten, Ärzten und Bankiers wollte seinen Wohlstand präsentieren. Dazu gehörte auch, dass der Mann die ganze Familie versorgen konnte, ohne dass seine Ehefrau außerhalb des Hauses zu arbeiten brauchte.

Diese Aufgabenteilung wurde in der Kaiserzeit im Jahr 1900 im „Bürgerlichen Gesetzbuch“ unter der sogenannten „Hausfrauenehe“ verankert. Das bedeutete aber nicht, dass der Mann genug Geld verdiente, um sich Diener leisten zu können.

Aus diesem Grund musste am Haushaltsbudget gespart werden. Bürgerliche Ehefrauen wurden immer mehr selbst im Haushalt tätig und übernahmen Arbeiten, die vorher von Dienstboten gegen Bezahlung ausgeführt wurden, wie etwa Stillen, Putzen, Wäsche waschen, die Versorgung der Kinder und so weiter.

Doch auch in der aufstrebenden Mittelschicht war die Frau weiterhin die Herrin des Hauses. Wie auch in hohen und unteren Schichten der Gesellschaft musste sie als Managerin den Haushalt schmeißen, Versorgungen erledigen und dafür sorgen, dass alles im Haus reibungslos funktionierte. Mit Näh-, Strickarbeiten und Ähnlichem trugen sie außerdem zur Familienkasse bei. Denn die Familie galt weiterhin als eine Gemeinschaft, in der jeder – ob Mann, Frau oder Kind – entsprechend beizutragen hatte.

Durch die Industrialisierung veränderte sich die Gesellschaft aber so weit, dass Ende des 19. Jahrhunderts schließlich nur entlohnende Erwerbsarbeit als Arbeit verstanden wurde. Auf diese Weise nahm niemand außer der Hausfrau mehr Hausarbeit als wahre Arbeit wahr.

Moderne Hausfrauen und ihr Wunsch nach mehr Anerkennung

Die feministische Bewegung des 20. Jahrhunderts trieb diesen Gedanken weiter voran. So war das sozialistische Ziel in der DDR, die Frauen vom „Joch der Hausarbeit“ (3) zu befreien, denn Frauen gehörten in die Betriebe und nicht in die eigenen vier Wände.

Auch unter der feministischen Bewegung der 1960er- und 70er-Jahre in der BRD sollten Frauen nur eine finanzielle Unabhängigkeit vom Mann und die eigene Erwerbstätigkeit anstreben. Dem feministischen Verständnis nach standen Kinder und das Hausfrauendasein dem im Weg und galten deshalb als etwas Minderwertiges. Dieses Bild besteht bis heute.

Genau dagegen wehren sich die Hausfrauen von heute, die im Mainstream und von den modernen Feministinnen als „Heimchen am Herd“ bezeichnet werden. Immer wieder schreiben sie in verschiedenen Blogs, dass sie die heutige Freiheit und Gleichberechtigung nutzen, um sich im Einvernehmen mit ihren Partnern gegen eine Berufstätigkeit zu entscheiden. Dafür wünschen sie sich mehr gesellschaftliche Anerkennung.

Denn wenn Hausarbeit in der gesellschaftlichen Wahrnehmung wieder an Wert gewinnt, passiert das, was vor der Neuzeit galt: Ob im Haushalt oder außer Haus – jede Arbeit ist von gleichem Wert.

Quellen:

  1. Paletschek, Sylvia: Kinder, Küche, Kirche. In: Étienne François, Hagen Schulze (Hrsg.): Deutsche Erinnerungsorte. Bd. 2. Beck, München 2001, S. 419–433
  2. Prenoud, Régine: Those Terrible Middle Ages! Debunking the Myths. Ignatius Press, San Francisco 2000
  3. Kaminsky, Anna: Frauen in der DDR. Ch. Links Verlag, Berlin 2016


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