Hyperions Schicksalslied – Friedrich Hölderlin

Von 3. Oktober 2018 Aktualisiert: 3. Oktober 2018 22:21
Aus der Reihe Epoch Times Poesie - Gedichte und Poesie für Liebhaber

Hyperions Schicksalslied

Ihr wandelt droben im Licht

Auf weichem Boden, seelige Genien!

Glänzende Götterlüfte

Rühren euch leicht,

Wie die Finger der Künstlerin

Heilige Saiten.

Schicksallos, wie der schlafende

Säugling, atmen die Himmlischen;

Keusch bewahrt

In bescheidener Knospe,

Blühet ewig

Ihnen der Geist,

Und die seeligen Augen

Blicken in stiller

Ewiger Klarheit.

Doch uns ist gegeben,

Auf keiner Stätte zu ruhn,

Es schwinden, es fallen

Die leidenden Menschen

Blindlings von einer

Stunde zur andern,

Wie Wasser von Klippe

Zu Klippe geworfen,

Jahr lang ins Ungewisse hinab.

Friedrich Hölderlin  (1770 – 1843)

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