Auf dem "Grünen Hügel": Das Festspielhaus in Bayreuth. (AP Photo/Eckehard Schulz)

Der Mythos von Bayreuth

Von 27. Juli 2007 Aktualisiert: 27. Juli 2007 4:16

Auf dem Grünen Hügel in Bayreuth erfüllte sich Richard Wagner seinen Wunsch: Die Uraufführung des Zyklus „Der Ring der Nibelungen“ in einem eigens für seine Werke erbauten Festspielhaus. Hier finden diesen Sommer wie seit nun über 130 Jahren die Richard-Wagner-Festspiele statt. Im August 1876 wurde unter der Leitung Richard Wagners zum ersten Mal in dem eigens für dessen Werke gebauten Festspielhaus der erste Teil der insgesamt vier Teile von Der Ring der Nibelungen: Rheingold aufgeführt. Auch Kaiser Wilhelm I. war bei den vollständigen Aufführungen des Ring des Nibelungen anwesend.

Familie Wagner Tradition

Richard Wagner legte am 22. Mai 1872 den Grundstein zu seinem Festspielhaus in Bayreuth.
Der Architekt Otto Brückwald verwirklichte das Gebäude nach Wagners Ideen auf dem Grünen Hügel, nördlich der Stadt. Eineinhalb Jahre später war das Gebäude fertig, finanziert zu einem großen Teil durch Geldzuwendungen von König Ludwig II. von Bayern.

Die Leitung der Festspiele liegt seit Beginn in der Hand der Familie Wagner: Auf Richard Wagner folgten seine Witwe Cosima, Sohn Siegfried, dessen Witwe Winifred und schließlich die Enkel Wieland und Wolfgang Wagner. Seit dem Tod von Wieland 1966, ist Wolfgang Wagner der alleinige Leiter.

Mystischer Abgrund und hölzerne Stühle

Eine architektonische und akustische Besonderheit des Festspielhauses in Bayreuth ist der „mystische Abgrund“, welcher einen Schalldeckel über dem Orchestergraben bezeichnet. Somit ist das Orchester für das Publikum versteckt und uneinsehbar, die Bühnenillusion wird verstärkt, da keine Ablenkung durch den „technischen Apparat“ verursacht wird. Der Orchestergraben ist terrassenartig angelegt.

Noch heute erhalten sind die für die Zuschauer wohl eher nicht so bequemen Sitzgelegenheiten. Aber gerade diese einfache Art von Holzklappstühlen im Zuschauerraum dient der unvergleichlichen Akustik. Auch sollen die Zuschauer es nicht all zu bequem haben bei einer Opernaufführung von zwei bis vier Stunden. In dem Zuschauerraum, der in Anlehnung an das antike Amphitheater konstruiert worden ist, finden heute knapp 2.000 Zuschauer Platz.

Wagners Werke

Auch heute noch werden im Bayreuther Festspielhaus nach Richard Wagners Anliegen, mit Ausnahme der 9. Symphonie von Beethoven, nur dessen Hauptwerke aufgeführt: Der fliegende Holländer, Tannhäuser, Lohengrin, der vierteilige Zyklus Der Ring des Nibelungen, Tristan und Isolde, Die Meistersinger von Nürnberg und Parsifal.

Die Oper „Der Fliegende Holländer“ nach der gleichnamigen Sage wurde in Dresden im Januar 1843 uraufgeführt, obwohl dieses Stück schon überall erfolgreich aufgeführt worden war, dachte der Komponist noch kurz vor seinem Tod an eine Verbesserung und Umarbeitung. Auch über eine Neufassung von „Tannhäuser“ dachte der Komponist in seinen letzten Monaten nach. Er wollte der Welt etwas noch Besseres hinterlassen.

Nicht für jedermann

So etwas Besonders wie die Wagner-Festspiele persönlich zu erleben ist nicht jedem gegönnt. Die Wartezeiten sind lange, wenn man nicht gerade zur Prominenz gehört oder ein Stipendium bekommen hat. Eine Nachfrage von bis zu 500.000 Kartenbestellungen steht den mit 30 Aufführungen pro Jahr und damit ca. 58.000 Zuschauern, die die Oper sehen können gegenüber. Somit ergeben sich für die geduldigen Zuschauer Wartezeiten von sieben Jahren und mehr.



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