Kaum zu glauben, dass Giora Feidman dieses Jahr seinen 70. Geburtstag feierte und seit 50 Jahren auf der Bühne steht. (Foto - Simone Schlegel-DNE)

Die Musik der Stille

Von 30. November 2006 Aktualisiert: 30. November 2006 14:22

Der große Saal im KKL (Kultur- und Kongresszentrum Luzern) in Luzern verdunkelt sich, das Konzert beginnt. Das Publikum wartet gespannt, bis Giora Feidman neben seinen beiden Freunden, dem Kontrabassisten Guido Jäger und dem Gitarristen Jens-Uwe Popp auftritt. Doch er kommt nicht. Einige Momente später realisiert das Publikum, dass er längst begonnen hat.

Langsam, fast bedächtig geht Feidman, begleitet von den sanften Tönen seiner Klarinette, durch das Publikum. Es dauert eine Weile, bis ihn alle bemerkt haben und sich bemühen so ruhig wie möglich zu sein, um der kaum hörbaren Melodie zu lauschen.

Giora Feidman bleibt stehen. Nun ist es im Saal ganz still geworden. Die leisen Töne klingen weiter, ganz fein und zart. Giora Feidman ist vor der Bühne angekommen, hält auf einem Ton inne, setzt die Klarinette ab und fordert mit einer Geste das Publikum auf, den Ton zu singen. Nichts geschieht. Lächelnd meint er: „Es ist doch nur eine Note.“ Leises Lachen geht durch den Saal. Er summt vor – das Publikum stimmt ein und hält den Ton. Feidman spielt dazu – ein Austausch zwischen Klarinettist und Publikum entsteht – das Publikum wird Teil seiner Ruhe und Musik. Die Akustik im Saal ist hervorragend, das KKL berühmt dafür – ein Tempel, meint Giora Feidman.

Die Musik der Stille

Die Musik der Stille erfüllt die Herzen. Sie ist sanft, bewegend, fast traurig. Dann wieder voller Humor und Lebensfreude. Sie spielt auf zum Tanz, um danach in eine weiche Stille zu münden. Plötzlich fühlt man sich dem Himmel ganz nah. Die Musik wird zur Seelensprache, sie spricht von Frieden, Ruhe und Glückseligkeit. Voller Leben und Kraft spielt sie zum Tanz auf. Dann wieder eine vollendete Harmonie – ein Ton – eine Welt voller Leben, dann wieder ein Zwiegespräch zwischen Klarinette und Gitarre, begleitet von dem Kontrabass.

Zugabe und Religion

Giora Feidman setzt die Klarinette ab und sagt „Wenn ihr nun im Programm nachlest, nun es ist dazu zu dunkel, aber wenn ihr es lesen könntet, würdet ihr sehen, dass nun Pause ist.  Doch wie ich die Religion kenne, steht weder in der Bibel, im Alten Testament noch im Koran geschrieben, dass eine Zugabe am Ende eines Konzertes sein muss. Und da viele denken, dass die Zugabe das Beste an einem Konzert sei, geben wir jetzt eine.“

Die Musik lehrt uns

Auf die Frage, was die Mitteilung seiner Musik sei, antwortet Giora Feidman: „Ich habe keine Mitteilung. Es ist einfach Musik. Es existiert nicht meine oder deine Musik, es ist einfach Musik … Wenn du eine Grenze ziehst, ist das deine Sache … Die Musik lehrt uns, sie lehrt uns.“

Giora Feidman zieht oft keine klaren Grenzen zwischen den einzelnen Stücken. Erst ertönt die leise Musik des Ave Maria von Franz Schubert, dann, in einem Augenblick, ertönt Mahlers Nigun – aus G. Mahlers 1. Symphonie, dazwischen zwei, drei Takte aus dem Volkslied Bruder Jakob. Ohne Unterbrechung schließt sich ein Solo vom Gitarristen Jens-Uwe Popp an. Das Trio bildet eine Einheit. Mal ist dieses Instrument führender, mal jenes, plötzlich schert eines aus, spielt unbeirrt was anderes. Über die plötzliche Wende zeigt sich Feidman erstaunt, nach vergeblichen Versuchen auf sich aufmerksam zu machen, zuckt er mit den Schultern und setzt sich etwas weiter hinten auf einen Stuhl und lauscht dem Duett.

Kaum zu glauben, dass Giora Feidman dieses Jahr seinen 70 Geburtstag feierte und seit 50 Jahren auf der Bühne steht. Voller Humor und Intensität vergehen die zwei Stunden, das Publikum ist begeistert, verlangt nach einer Zugabe.

Die Musik wird alles sagen

Feidman erzählt von Krieg, Leid, vom Elend zwischen Israel und Palästina und sagt Friede ist natürlich, Krieg nicht. „Ich habe von zwei Liedern, einem aus Palästina und einem aus Israel, hier und da etwas genommen und es zu einem neuen Lied zusammengefügt. Ich möchte diese beiden Lieder mit euch teilen. Die Musik wird alles sagen.“ Das folgende Stück war beeindruckend – keine Grenzen, nur Musik, wunderschön, fein und doch voller Leben mit dem Wunsch nach Friede, Toleranz, Barmherzigkeit zwischen den Menschen. Genau so, wie er es uns vorher beschrieb.



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