Leider nicht der Richtige: Prinzessin Teofane (Ines Lex) erleidet Annäherungsversuche eines gewissen Adalberto (Alon Harari), hinter denen seine fiese Mutter (Romelia Lichtenstein) steckt.Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle/Gert Kiermeyer, Röpziger Straße 18, 06110 Halle

Georg Friedrich Händels „Ottone“ an den Städtischen Bühnen Halle

Von 2. Januar 2012 Aktualisiert: 2. Januar 2012 20:05
„Ottone, Re di Germania“ war mit 31 Aufführungen in Serie die erfolgreichste Oper Georg Friedrich Händels. In Halle kann man sie derzeit wiedersehen.

Bei den triumphalen ersten Vorstellungen des „Ottone“ im Januar 1723 platzte laut zeitgenössischer Aussage, „das Haus fast aus den Nähten“ und Eintrittskarten, die damals eine halbe Guinee kosteten, erreichten auf dem Schwarzmarkt den sechsfachen Preis. Die Hauptrollen sangen Francesca Cuzzoni und der ebenso legendäre Kastrat Senesino.

Ein Glücksfall für Ohren und Augen

Beim neuen „Ottone“ der Städtischen Bühnen Halle ist es zum Glück leichter, einen Platz zu bekommen. Oder sollte man lieber „leider“ sagen? Die Gemeinschaftsproduktion der Oper Halle mit den Händel-Festspielen Halle ist ein echter Genießer-Tipp, nicht nur für Freunde des Barock.

Unter der musikalischen Leitung von Marcus Creed singt ein erlesenes Ensemble aus jungen  Stimmen, die sich in ihren anspruchsvollen Parts förmlich zu aalen scheinen. Das Händelfestspielorchester  Halle spielt auf seinen historischen Instrumenten so leicht und elegant, dass die Stimmen davor zu strahlen beginnen.

„Ottone“ wird im italienischen Original gegeben und dass jeder Figur eine Arie gestrichen wurde, merken wirklich nur Fachleute. Regisseurin Franziska Severin gewinnt dem Pathos von damals hohen Unterhaltungswert ab. Von wenigen ganz albernen Ausreißern abgesehen, holt sie Händels Oper auf farbenfroh spielerische und sehr seriöse Weise ins Heute. Und das ist Dienst am Werk im besten Sinne.

Flotte Soap mit antiken Details

Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle/Gert Kiermeyer, Röpziger Straße 18, 06110 Halle

Mittelalter und Barock mischen sich mit modernen Soap-Zutaten, wenn Ottone (der tapfere blonde Krieger in Ritterrüstung) mal einen Aktenkoffer dabei hat, seine Braut mit Weinflasche und Blumenstrauß erobern will oder in einem wolkenförmigen Sessel umherschwebt. Im liebevoll gestalteten Bühnenbild von Helmut Brade geht’s dazu fix per Drehbühne vom Strand in den Thronsaal und wieder zurück. Denn bei dieser Perlenkette von Arien, die zum Schönsten und Subtilsten gehören, was Händel komponiert hat, ist die Logik der Handlung Nebensache. Diese behandelt sehr frei historische Tatsachen um Otto II. und dessen Machtkämpfe in Italien.

Gismonda, die Witwe des römischen Tyrannen Berengar, möchte ihren Sohn Adalberto durch ein Täuschungsmanöver mit der griechischen Prinzessin Teofane verheiraten, die nach Italien gereist ist, um Otto aus dynastischen Gründen zu heiraten. Fast sieht es so aus, als ob der Plan aufgeht, doch Ottos Cousine Matilda, die in Adalberto verliebt ist, und ein mysteriöser Pirat (eigentlich Teofanes Bruder) pfuschen ihr erfolgreich dazwischen. „Ottone“ hat dann auf der Suche nach seiner Braut nichts als Scherereien – aber auch viele gute Anlässe für Arien.

Ein Held wie von einst …

Altus Matthias Rexrodt sorgt als vokal dominierende Persönlichkeit dafür, dass davon  keine einzige langweilig wird. Sein Ottone ist ein temperamentvoller Krieger mit romantischer Ader und einer Stimme die stets „al dente“ kling,  heldisch und  etwas trompetenhaft. Mit griffigen Koloraturen, aber ebenso sensiblen leisen Tönen, lässt er den Glanz der einstigen Kastratenstars erahnen.

Ein schmieriges Weichei, das je nach Gelegenheit bei Teofane oder Matilda Liebeserklärungen anbringt, ist Alon Harari als Adalberto. Und das mit Sonnenbrille, gegeltem Haar und einem geschmeidig fülligem Timbre, das der weiblichen Altstimme sehr nahe kommt. Perfekt.

Dass er morgens nicht mal alleine seine Socken findet, zeigt seine Mutter Gismonda, alias Romelia Lichtenstein. Eine Dame, die man wirklich niemand zur Schwiegermutter wünscht, auch wenn sie noch so schön Verzweiflung und Gift spritzt.

… mit passender Prinzessin

Als Teofane, die edle Prinzessin im Wechselbad der Gefühle, brillierte die junge Ines Lex. Ein leichter und reicher Sopran – füllte sie ihre Figur gleichermaßen mit Süße, ehrlichem Schmerz und Witz. Sie durfte die tollsten Kleider tragen, ihre Mitgift im goldenen Bollerwagen transportieren und einen Plüschlöwen als Seelentröster mitführen.

Als Seeräuber Emireno zeigt Bassist Ki-Hyun Park den hohen Herren auf seine Weise, wo der Hammer hängt. Drollig gelang seine Rückverwandlung in den verschollen geglaubten Prinzen.

Foto: Theater, Oper und Orchester GmbH Halle/Gert Kiermeyer, Röpziger Straße 18, 06110 Halle

Mezzosopran Sandra Maxheimer schließlich sang die „germanische Amazone“ Matilda sympathisch zartbeseitet. Ihr militärisch-femines Kostüm mit passendem Rucksack war außerordentlich kreativ (Sabine von Oettingen).

Kommt Händels Happy End etwas plötzlich daher, da ganz im Geist der Aufklärung, so wird dieses dramaturgische Problem in Halle elegant gelöst: Jeder bekommt von Prinzessin Teofane (die sich zur Hochzeit lieber Frieden statt Blutvergießen wünscht) einen Zettel mit seinem Text. Die Beteiligten müssen Reue, ewige Treue, Verzeihen und Ähnliches bekunden. Aus Feinden werden auf einmal Freunde, denn der großmütige Ottone vergibt natürlich allen. Fragt sich nur, wie lange das gut geht …

 

Weiter Aufführungen von „Ottone, Re di Germania“ an den Städtischen Bühnen Halle:

Freitag, 24. Februar 2012 um 19:00 Uhr

und Mittwoch, 6. Juni 2012 um 19.00 Uhr.

www.buehnen-halle.de

 



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