Die Reise des Kopfschmucks endete im Schloss Mannheim. (Fotos: Staatsanzeiger Baden-Württemberg)

Neuer Kunstschatz im Mannheimer Schloss

Von 24. Oktober 2007 Aktualisiert: 24. Oktober 2007 15:23
Das Diadem der Großherzogin von Baden zurück in Mannheim

Weitgehend in originalem Zustand befindet sich das Schmuckstück, das nach nun fast 200 Jahren in das Mannheimer Schloss zurückgekehrt ist. Der vermutlich vor 1829 in Paris hergestellte vergoldete Reif mit kronenartigen Spitzen ist mit Perlen und Diamanten besetzten. Es gehörte der ersten badischen Großherzogin Stephanie von Baden.

Stephanies Geschichte klingt wie ein Märchen

Sie war die Tochter eines Grafen und wurde als Adoptivtochter des Kaisers der Franzosen zu Stephanie Napoleon. Als Stephanie Louise Adrienne de Beauharnais wurde sie im Jahre 1789 in Versailles geboren. Als sie drei Jahre war, starb ihre Mutter. Das mutterlose Kind kam nach Südfrankreich in ein Kloster. Von einer Freundin der Mutter, einer Engländerin, wurde Stephanie finanziell unterhalten. Josephine de Beauharnais, die Ehefrau des ersten Konsuls von Frankreich, Napoleon Bonaparte, hatte erfahren, dass das Kind eines entfernten Cousins ihres ersten Mannes auf Kosten einer Engländerin in Südfrankreich erzogen wurde. Diese Tatsache, dass eine Angehörige der Familie von einer Engländerin unterhalten wurde, ertrug Napoleon nicht und rief die 14jährige Stephanie zu sich an den kaiserlichen Hof in Paris.

Großherzogin Stephanie mit Diadem.Großherzogin Stephanie mit Diadem.

In Paris begegnete sie ihrem leiblichen Vater, der sich bisher nicht um sie gekümmert hatte. Es gelang ihr nicht, sich als Tochter dieses Mannes zu fühlen. Als sie zu ihrer Tante Josephine in den Louvre, der Königsresidenz, gebracht wurde, entwickelte sich zwischen Napoleon, der sich inzwischen selbst als Kaiser ernannt hatte, und der zukünftigen kaiserlichen Prinzessin große Sympathie.

Das französische Kaiserpaar nahm sie wie eine Tochter auf, noch bevor Napoleon sie adoptierte. Nichts war für sie zu teuer. Stephanie sollte eine vorzügliche Bildung erhalten. So musste sie von Hofe gehen und sich in ein vornehmes Mädchenpensionat der Madame Campan einfügen, was ihr am Anfang sehr schwer fiel.

Kaiser Napoleon verheiratete die Mitglieder seiner großen Familie mit den Adelsfamilien in ganz Europa, um auf diese Weise seine Machtposition auf dem Kontinent auszubauen. So auch Stephanie. Sie war gerade 16 Jahre, als sie von ihrer Tante Josephine erfuhr, dass „sie bald einen Prinzen aus großem Hause heiraten“ würde. An Stephanies Seite sollte Karl, der Enkel des Kurfürsten von Baden, stehen. Das junge, zwangsvermählte Paar konnte erst sehr spät ein harmonisches Verhältnis zueinander entwickeln. Napoleon schrieb der unglücklichen Josephine ermahnende Briefe: „Bleiben sie bei Ihrem Gatten […] Eine Frau darf niemals ihren Mann verlassen.“

Stephanie versuchte ihr Schicksal zu ertragen, und begegnete ihrem Unglück mit Tapferkeit. Die Versuche, einen männlichen Nachfolger zu bekommen scheiterten. Es kam nie zu überlebenden männlichen Nachfahren für Großherzog Karl.

Mit 29 Jahren wurde Stephanie Witwe. Der Großherzog erkrankte an Wassersucht und starb 1818. Wie es der Heiratsvertrag vorsah, wurde das Mannheimer Schloss zu ihrem Witwensitz. Sie ließ den Schlossgarten als Englischen Garten neu anlegen, kümmerte sich um die Armen der Stadt und gründete einen Frauenverein. Bei den Mannheimer Bürgern hatte sie einen guten Ruf. Ihre Erinnerungen an ihre Kindheit im südlichen Frankreich zogen sie immer wieder dort hin. Sie reiste im Jahre 1859 nach Nizza und blieb, bis sie am 29. Januar 1860 starb. Ihre Grabstätte befindet sich in der Fürstengruft des badischen Fürstenhauses im nordbadischen Pforzheim.

Durch verschiedene Erbfälle gelangte das Diadem von Belgien über Italien schließlich in die Londoner Kunstauktion dieses Jahres, wo es zum Kauf angeboten wurde. Das Schmuckstück Stephanies, das nun wieder da ist, wo sich die Großherzogin zu Lebzeiten lange aufhielt „war… eine Verpflichtung gegenüber der Geschichte der Region und damit auch gegenüber der Geschichte des Landes“, so Finanzstaatssekretär Gundolf Fleischer. Dort, wo einst eine beeindruckende Persönlichkeit das Diadem als Kopfschmuck trug, wird es nun in der Dauerausstellung „Kunst und Kultur am Mannheimer Hof“ als Kunstschatz präsentiert.



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