Denn jeder hofft doch, daß das Glück ihm lache, ... FFoto: iStock

Wer wußte je das Leben recht zu fassen … – Von August Graf von Platen

Von 20. Oktober 2020 Aktualisiert: 20. Oktober 2020 22:24
Aus der Reihe Epoch Times Poesie - Gedichte und Poesie für Liebhaber

Wer wußte je das Leben recht zu fassen …

Wer wußte je das Leben recht zu fassen,
Wer hat die Hälfte nicht davon verloren
Im Traum, im Fieber, im Gespräch mit Toren,
In Liebesqual, im leeren Zeitverprassen?

Ja, der sogar, der ruhig und gelassen,
Mit dem Bewußtsein, was er soll, geboren,
Frühzeitig einen Lebensgang erkoren,
Muß vor des Lebens Widerspruch erblassen.

Denn jeder hofft doch, daß das Glück ihm lache,
Allein das Glück, wenn’s wirklich kommt, ertragen,
Ist keines Menschen, wäre Gottes Sache.

Auch kommt es nie, wir wünschen bloß und wagen:
Dem Schläfer fällt es nimmermehr vom Dache,
Und auch der Läufer wird es nicht erjagen.

August Graf von Platen  (1796 – 1835)

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