Berlin: Polizeirazzia im Asyllager wirft Einblick in Sicherheitsdienstbranche

Razzia bei den Sicherheitsleuten im Tegel-Asyllager. Wurde beim Personal gespart? Dabei boomt die Branche schon seit Jahren.
Titelbild
Das Asylzentrum am ehemaligen Flughafen Tegel.Foto: Maja Hitij/Getty Images
Von 7. Dezember 2023

Die Meldung der Berliner Polizei war zurückhaltend und kurz, dafür war der Aufwand vor Ort umso größer. Rund 100 Einsatzkräfte der Polizei Berlin, 14 Beamte des Hauptzollamtes und sieben Mitarbeiter von Ordnungsämtern nahmen an einer Großrazzia unter Leitung des Landeskriminalamtes Berlin im Ukraine-Ankunftszentrum auf dem ehemaligen Flughafen in Berlin-Tegel teil.

Untaugliche Sicherheitsleute?

Wie die Polizei berichtet, fanden die Ermittlungen in der Nacht zum Montag statt. Ziel des Einsatzes waren aber nicht die Migranten im Lager, sondern die 183 Sicherheitsmitarbeiter der Einrichtung. Infolgedessen leiteten die Behörden insgesamt 87 Ordnungswidrigkeitsverfahren ein – wegen Verstößen gegen die Bewachungsverordnung. „Bei 55 kontrollierten Personen fehlten zudem die erforderlichen Qualifikationen beziehungsweise lagen keine Zuverlässigkeitsüberprüfungen vor, um die entsprechenden Tätigkeiten auszuüben“, erklärte ein Polizeisprecher. Die Betroffenen mussten daher ihren Dienst unverzüglich beenden.

Der über mehrere Stunden verlaufende Einsatz begann am Sonntagabend um 20:15 Uhr und endete um 02:00 Uhr in der Früh. Weitere Ermittlungen wurden angekündigt.

Teures Asyl in Berlin

Die „Bild“ berichtet über die „XXL-Unterkunft Tegel“, dass die dort zur Verfügung stehenden 7.100 Plätze allein 1.172.204,53 Euro pro Tag kosten würden. Gegenwärtig sei das ehemalige Flughafen-Areal mit 3.408 Ukrainern und 1.333 Asylbewerbern aus anderen Ländern belegt. Die Unterbringung erfolge im ehemals von Air Berlin genutzten Terminal C und in acht weiteren Hallenkomplexen.

In der Asyleinrichtung Tempelhof ist es etwas günstiger. Nur 228.000 Euro pro Tag fielen dort an für 1.359 Plätze. Weitere Unterbringungen erfolgten etwa in zehn Hotels in Berlin für 101.046 Euro pro Tag für 1.617 belegte Plätze.

Weiter wird berichtet, dass der Berliner AfD-Abgeordnete Gunnar Lindemann in einer parlamentarischen Anfrage zur Kostenreduzierung eine Rückführungsinitiative fordere – dies angesichts von rund 17.000 ausreisepflichtigen Asylbewerbern.

Ein gewichtiger Kostenpunkt ist dabei auch die Sicherheit.

„Goldgräberstimmung“ nach 2015

In einem Beitrag des „Rundfunk Berlin-Brandenburg“ (rbb) schauten sich die Reporter das lukrative Gewerbe etwas näher an. Es werde immer mehr nach Sicherheitsdienstleistungen in Deutschland gefragt. Nicht nur in Asylzentren sei dies der Fall, auch auf Weihnachtsmärkten oder in Schwimmbädern. Wenig verwunderlich: Der größte Auftraggeber sei die öffentliche Hand. Den Jahresumsatz für Sicherheitsdienstleistungen im Jahr 2023 schätzte man bundesweit auf elf Milliarden Euro.

Insbesondere die Bundeshauptstadt scheint einen großen Bedarf an Sicherheit zu haben. Den Angaben zufolge arbeiteten laut dem Bundesverband der Sicherheitswirtschaft bereits 2019 rund 360 Sicherheitsunternehmen mit 24.000 Mitarbeitern in Berlin.

Mit der großen Flüchtlingswelle von 2015 schossen nicht nur die Asylheime wie Pilze nach einem Herbstregen aus dem Boden, sondern auch die Sicherheitsfirmen. Nach Angaben von Verdi-Gewerkschafter Christian Schadow gegenüber dem rbb herrsche seither „Goldgräberstimmung“ in der Branche – auch wenn sich diese mittlerweile schon wieder etwas entspannt habe. Dennoch würden Sicherheitsfirmen unter Umständen schnell viele Mitarbeiter für relativ einfache Arbeiten rekrutieren wollen, wie etwa im Ankunftszentrum in Tegel. Da könne es schon sein, dass man bei der Qualifizierung und Registrierung nicht sorgfältig arbeite.



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