Die Verluste durch Lebensmittelverschwendung belaufen sich auf jährlich knapp eine Billion Dollar.Foto: iStock

Lebensmittelverschwendung: Produziert, um entsorgt zu werden

Von 13. August 2019 Aktualisiert: 13. August 2019 17:39
Was die einen zu viel haben, fehlt den anderen: Rund ein Viertel aller produzierten Lebensmittel werden nicht verzehrt und vergammeln.

Die Verschwendung von Lebensmitteln ist bei einer rasant wachsenden Weltbevölkerung ein weitreichendes Thema, vor allem wenn die Bürger zusätzlich immer übergewichtiger werden und daher der Grundbedarf an Lebensmittel immens ansteigt. So hat beispielsweise The Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC, Weltklimarat) in seinem neuen Bericht die negativen Folgen dieser Prasserei aufgezeigt.

Demzufolge sollen 25 bis 30 Prozent aller produzierten Lebensmittel verschwendet oder gar weggeworfen werden. Verglichen mit Erhebungen aus dem Jahre 1970 stellt das einen Anstieg von rund 40 Prozent dar. Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) gab ebenfalls eine Schätzung ab, demnach sollen die Verluste durch Lebensmittelverschwendung auf jährlich knapp eine Billion Dollar (890 Milliarden Euro) einzustufen sein.

Für die Mülltonne – 222 Millionen Tonnen Lebensmittel

Der Report 2019 von IPCC zur Landnutzung und zum Klimawandel befasst sich auch mit den Unterschieden zwischen Entwicklungsländern und den reichen Staaten. Insgesamt würden die Industrieländer 222 Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr wegwerfen. Dies entspricht in etwa der Jahresproduktion an Lebensmitteln in allen Subsahara-Staaten.

Die Lebensmittelverluste in den Industrieländern könnten auch durch zu kurz bemessene Haltbarkeitsfristen gefördert werden. Denn die oftmals einwandfreien Lebensmittel würden wegen dieser angegebenen Fristen vom Händler wie auch vom Konsument in den Müll geworfen werden, beschreibt das World Watch Institute. Die Organisation rät, die Mindesthaltbarkeitsfrist zu erhöhen.

Lebensmittelabfälle und ihre Verteilung

Foodsharing (das Verteilen von überschüssigen Lebensmitteln) ist für die Beteiligten eine Win-Win-Situation. Zum einen werden Lebenmittel aufwendig produziert, transportiert und gelagert. Auch die Entsorgung überschüssiger Lebensmittel führt zur Belastung unseres Wirtschaftssystems. Kosten und Erträge sind maßgebliche Entscheidungskriterien, wenn es um die Behandlung von Abfall und die Auswahl der richtigen Strategie der Entsorgung geht.

Die Müllbelastung durch die Lebensmittelindustrie ist weltweit unterschiedlich. Weniger entwickelte Länder werden eher durch Verluste in der Landwirtschaft und Produktion belastet. Hingegen werden die Lebensmittel in Industrieländern oftmals weggeworfen oder noch nicht einmal geerntet.

Da die Form und das Aussehen den Preis und die Abnahme durch die Lebensmittelindustrie bestimmen, werden meist keine Produkte geerntet oder eingesammelt, die nicht der Norm entsprechen. Der Preisdruck ist oftmals so hart, dass sich nur das ernten und verarbeiten von Kategorie-A-Waren lohnt. Die Bauern würden für Waren minderer Qualität zu wenig verdienen, daher entschließen sie sich dafür, die Lebensmittel am Feld einzuackern.

Es gab bereits zahlreiche Kampagnen, um Konsumenten in ihrem Bewusstsein zu stärken, Lebensmittel als wertvolle Ressource anzusehen. Heute ist die Weitergabe von genussfähigen Lebensmitteln, deren Mindesthaltbarkeitsdatum, Verkaufsdatum oder Verbrauchsdatum überschritten wurde, kein gesellschaftliches Tabuthema mehr.

Was ist mit den belegten Brötchen, die zu viel sind?

Es gibt viele Foodsharing- Unternehmen und doch war es bislang so, dass überproduzierte Waren wie Fertiggerichte, belegte Brötchen und ähnliches nicht weitergegeben werden durften. Diese Lücke wird mittlerweile durch eine Initiative der App „Too Good To Go“ (TGTG) behoben.

Die einwandfrei genießbaren Lebensmittel können auch zu günstigen Konditionen bei den Erzeugern direkt abgeholt werden. TGTG bietet Restaurants, Supermärkte und Bäckereien, welche abends oft Lebensmittel entsorgen müssten, die Möglichkeit diese abzugeben.

Tipps um Lebensmittelmüll zu vermeiden

Der WWF empfiehlt auf seiner Seite folgendes:

Lieber nicht hungrig einkaufen gehen: Vor Ort geht man beim Einkauf eher seinen Gelüsten nach, wenn man hungrig unterwegs ist. Anders gesagt: sind die Augen größer als der Magen? Dagegen hilft es, eine Einkaufsliste zu machen.

Mehr ist nicht immer besser: Mengenrabatte führen dazu, mehr einzukaufen als benötigt wird. Am Ende landen sowohl Essen als auch Ersparnis im Müll.

Liebe das Fehlerhafte: Auch krumme Möhren sind gesund, auch Äpfel, die etwas kleiner sind.

Lagerung ist die halbe Miete: Lebensmittel sollten an den zu ihnen passenden Orten aufbewahrt werden. Gerade bei Obst und Gemüse sollte darauf geachtet werden, da einige Früchte wie Äpfel die Reifung anderer Früchte beschleunigen.

Kreative Verwertung: Omas aus alten Zeiten ließen nichts wegkommen, sie zauberten aus Essensresten oder überreifen Früchten die nächste Mahlzeit.

„Mindestens haltbar bis“ und nicht „tödlich ab“: Das Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) besagt, dass ein Produkt mindestens bis zum angegebenen Zeitpunkt haltbar ist. Das muss nicht bedeuteten, dass es danach sofort schlecht ist. Meist reicht es, einfach mal daran zu riechen. Der Geschmackssinn ist sehr gut ausgebildet und erkennt Unstimmigkeiten sofort.

Fleisch und Fisch gehören nicht in den Abfall: Bei frischen Lebensmitteln wie Fleisch und Fisch sollte das Verbrauchsdatum entscheidend sein („zu verbrauchen bis“). Daher lieber seltener einkaufen und erst dann, wenn man es konkret verwenden will.

Fazit: Die vielen Initiativen, um Lebensmittel vor einer aufwendigen Entsorgung zu bewahren sind kostbar, doch der Beitrag jedes Einzelnen wird am kostbarsten sein.

 



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion