Shiatsu – Berührung bewegt

Von 5. April 2010 Aktualisiert: 5. April 2010 6:41
Shiatsu hat sich - ursprünglich in Japan beheimatet - seit über 40 Jahren im Westen verbreitet und etabliert. Es ist eine Körper, Geist und Emotion gleichermaßen ansprechende Behandlungsmethode mit Wurzeln in der Traditionellen Chinesischen Medizin.

Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff „Fingerdruck“. Damit wird allerdings nur ein Aspekt erfasst, denn Shiatsu-PraktikerInnen arbeiten zusätzlich mit Handballen und -flächen, Ellbogen, Unterarmen und Knien. Darüber hinaus setzen sie bei Bedarf und wohldosiert auch ihre Füße ein.

Sie tun all dies entlang der Meridiane, jenen zwölf Leitbahnen, die nach fernöstlichem medizinischen Verständnis unseren Körper durchziehen und in denen das „Qi“ (auch Chi oder Ki) fließt, die Lebensenergie. Diese gerät leicht aus dem Gleichgewicht: Entweder fließt sie zu schnell, oder, was häufiger vorkommt, sie staut sich.

Obwohl Shiatsu eigentlich mit der Ausrichtung offener Absichtslosigkeit ausgeübt wird, ist ein Ziel von Shiatsu das Aufspüren und Sich-lösen-lassen von Verspannungen, Verstimmungen oder Schmerzen. Durch Berührungen und sanften Druck sucht Shiatsu den Energiefluss anzuregen und auszugleichen.

Die besondere Kunst des Shiatsu besteht darin, sich ganz auf jeden Menschen und seinen energetischen Zustand einzustellen.

Gefühle von Unglück oder Krankheit haben ihren Ursprung in Blockaden im Energiefluss. Durch Shiatsu kann das Gefühl von Wohlsein und Ganzheit sowohl auf der körperlichen als auch auf der emotionalen Eben erfahrbar werden. So wirkt die regelmäßige Anwendung nicht allein entspannend sondern auch gesundheitsfördernd: Shiatsu stärkt das Immunsystem und fördert die Wahrnehmungsfähigkeit sowie das Selbst-bewusstsein.

Jeder Behandlung gehen Gespräche über Anliegen und Befinden voraus. In der energetischen Befundung wird der Shiatsu-Praktiker sich der körperlichen und geistig-emotionalen Bedürfnisse des Partners gewahr. Die shiatsu-spezifische Berührung ist ein tiefer, achtsamer Austausch, meist ohne Worte, zwischen Gebendem und Nehmendem.

Um herauszufinden, wie stark oder schwach die Energie durch den Körper strömt, legt der Shiatsu-Praktiker zu Beginn jeder Sitzung seine Hände auf Bauch oder Rücken des Klienten und spürt, wo eher belebende oder beruhigende Berührung gebraucht wird.

Das Besondere am Shiatsu ist das entspannte Lehnen aus der Körpermitte des Praktikers, dem Hara. Viel Muskelkraft wird bei den verschiedenen Griffen nicht eingesetzt. Es wird genau so viel Gewicht abgegeben, wie die jeweilige Stelle benötigt. Setzt man dabei zum Beispiel die Fingerkuppen ein, entsteht ein punktueller, sanfter Druck, mit dem Ellbogen gerät er intensiver, und kommt das Knie zum Einsatz, führt das zu einer großflächigen Berührung. Diese Art sich zu bewegen, kombiniert mit unterschiedlichen Berührungen, einschließlich Rotationen der Gelenke, gibt dem Liegenden das Gefühl, entspannt und gedehnt zu werden. So lassen sich Blockaden an- oder auflösen. Zudem wirkt die Behandlung auf Körper und Psyche ausgleichend. Sie regt unter anderem die Durchblutung und den Lymphfluss an und beeinflusst harmonisierend die Emotionen.

„Entspannt kann ich zulassen, dass die Bewegung nicht nur die Haut berührt, sondern viel tiefer geht. Sie wird in den Muskeln, Sehnen, in den Gelenken und Knochen spürbar“, sagt beispielsweise eine Klientin nach der Behandlung.

Hilft die klassische Schulmedizin allein nicht mehr weiter, kann Shiatsu – eventuell sinnvoll mit anderen Heilmethoden kombiniert – unter anderem auch bei chronisch Kranken gute Erfolge vorweisen. Diese Art der Behandlung unterscheidet sich deutlich von der westlichen Medizin, weil dabei nicht die Symptome einer Krankheit im Vordergrund stehen.

Je nach körperlichem und seelischem Zustand sollten andere Meridiane behandelt werden. Wenn drei Patienten mit dem scheinbar gleichen Problem kommen, etwa chronische Rückenschmerzen, können bei jedem von ihnen unterschiedliche Leitbahnen betroffen sein. Welche das sind, findet ein erfahrener Shiatsu-Praktiker heraus. So mancher Mensch merkt nach der ersten Stunde vielleicht erstmals in seinem Leben, wie angespannt er war, körperlich und seelisch.

Bei vielen Menschen, die Shiatsubehandlungen in Anspruch nehmen, bilden sich sehr unterschiedliche, als negativ beurteilte Befindlichkeiten deutlich zurück. Zudem verändern nicht wenige von ihnen ihren Lebensstil. Durch ein gewandeltes Körperbewusstsein stellen sie unter anderem ihre Ernährung um, nehmen sich mehr Zeit für Muße und machen Übungen, die ihnen der Shiatsu-Praktiker für die Eigenbehandlung gezeigt hat, um bestimmte Meridiane gezielt zu dehnen.

Auch die Einnahme herkömmlicher Medikamente und die Häufigkeit von Arztbesuchen können sich, bei regelmäßig ausgeübter Eigenverantwortung für die persönliche Gesundheit, reduzieren.

Die Kunst der heilsamen Berührung wird seit jeher für Behandlung und Vorbeugung genutzt und ist auch für interessierte Laien als „Handwerk“ erlernbar. Ob als Bereicherung für sich selbst und die Nächsten in Familie und Freundeskreis oder als fundierte Ausbildung nach den Kriterien der GSD: Shiatsu tut gut – Gebenden und Nehmenden.

 

Stefan Butteweg leitet in Hamburg das GSD-anerkannte Ausbildungsinstitut „Shiatsu zum Leben“ und ist Heilpraktiker und Körpertherapeut mit 25-jähriger Erfahrung. Aus- und Weiterbildungen u.a. in Shiatsu, CranioSacral Therapie (Upledger Institut), Joint Release, Esalen Massage. Er legt Wert auf den humorvollen, direkten und einfachen Kontakt mit seinem Gegenüber.

www.butteweg.de

www.shiatsu-zum-leben.de

Foto: Stefan Butteweg, Gesellschaft für Shiatsu in Deutschland e.V. (GSD)

 

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