Gartenarbeit hilft gegen Depressionen

Von 13. Januar 2016 Aktualisiert: 7. Juli 2016 20:25
Neben den steigenden Lebensmittelpreisen und dem Einsatz von Chemikalien in der Landwirtschaft gibt es noch einen ganz anderen Grund, sein eigenes Gemüse anzubauen. Ab und zu schmutzig zu werden, kann dem Gemüt gut tun: Erde kann Depressionen vorbeugen.

Die Krebswissenschaftlerin Dr. Mary O’Brian ist bei ihren Untersuchungen an Lungenkrebspatienten auf ein überraschende Entdeckung gestoßen. Sie wollte einen Weg finden, wie sie die Leiden der Patienten lindern könnte. Aus diesem Grund verabreichte sie jedem Patienten eine Impfung mit dem Bakterium M. Vaccae. Dabei entdeckte sie, dass sich bei den Patienten mit Hilfe dieses Bakteriums in jeder Hinsicht eine Besserung einstellte: Nicht nur die Lungenentzündung und ihre Gesundheit besserte sich, sondern die Patienten berichteten vor allem auch über eine bessere Stimmungslage sowie eine verbesserte Wahrnehmungsfähigkeit.

Serotonin schaufeln sorgt für gute Stimmung

Das Bakterium M. Vaccae ist ein Mykobakterium, das überall in der Erde vorkommt, jedoch beim Menschen keine Krankheiten verursachen kann. Bei ihren Experimenten verwendete Dr. O’Brian abgetötete M. Vaccae-Bakterien. Daher stellte sie die Vermutung auf, dass die Bakterien die Produktion von Serotonin im Körper anregen könnten.

Doch gibt es bei dem Botenstoff eine Hürde zu überwinden. Das Gehirn verfügt über eine sogenannte Blut-Hirn-Schranke, die verhindern soll, dass alle Botenstoffe und Moleküle aus dem Blut eine Wirkung auf das Gehirn haben können. Die meisten Stoffe im Blut können diese Schranke nicht überwinden, sodass diese Moleküle keine Wirkung auf das Gehirn haben.

Bakterien und Sinneszellen in Zusammenarbeit

Inspiriert durch die Resultate untersuchte Dr. Christopher Lowry von der Universität von Bristol, England diesen Sachverhalt näher. Er stellte die Vermutung auf, dass dieses Bakterium seine Wirkung zum einen über Sinneszellen und zum anderen über die weißen Blutkörperchen entfalten würde und belegte sein Vermutungen.

Um die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden, hat das M. Vaccae einen Weg gefunden, um so genannte Dendritische Zellen in den Sinnesorganen direkt zu stimulieren. So kann das Bakterium bewirken, dass diese Nervenzellen an ihrem anderen Ende Botenstoffe aussenden. Da das andere Ende dieser Sinneszellen bereits innerhalb des Gehirns ist, können diese ausgeschütteten Botenstoffe direkt im Gehirn ihre Wirkung entfalten und die Produktion von mehr Serotonin anregen.

Serotonin ist ein Botenstoff, der die Stimmungslage des Menschen maßgeblich beeinflusst und dessen Gleichgewicht bei Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen aus dem Gleichgewicht gerät. Die medizinisch verwendeten Antidepressiva entfalten größtenteils ihre Wirkung genauso über das Serotonin. Dadurch könnte dieses Bakterium auch in der Therapie gegen Depression in Krankenhäusern Einsatz finden – neben den bisher eingesetzten Antidepressiva.

Linderung auch bei Allergien und Krebssymptomen

Unter den weißen Blutkörperchen gibt es im Körper zwei Arten von T-Helferzellen. Erstere greifen Krankheitserreger innerhalb von Zellen an, während der zweite Typ von T-Helferzellen Krankheitserreger außerhalb von Zellen aufspürt und angreift. Insbesondere bei Allergien, Tuberkulose und Krebs gerät die Funktion dieser zweiten Art von T-Helferzellen außer Kontrolle.

Hier ist der erste der nachgewiesenen Ansatzpunkte des Bakteriums M. Vaccae. Das Bakterium kann die T-Helferzellen stimulieren und so das Gleichgewicht zwischen den zwei Arten von T-Helferzellen wiederherstellen und damit die Symptome von Allergien, Tuberkulose und Krebs lindern.

Spiel mit der Erde hat Auswirkungen auf die Psyche

Der Zusammenhang zwischen Schlamm und Depressionen lässt auch eine andere Frage aufkommen. Immer mehr Menschen wachsen in einer städtischen Umgebung auf und haben dadurch viel seltener Kontakt zu Erde und Schlamm. Viele Erkrankungen wie Allergien und Asthma scheinen mit einer überwiegenden Armut an Kontakt zu Bakterien assoziiert zu sein. Möglicherweise riskieren diejenigen Kinder, die nicht im Schlamm und mit der Erde spielen, nicht nur Allergien und eine fragile Gesundheit, sondern sie verspielen möglicherweise auch eine gute Grundstimmung in ihrem Leben.

Es ist bekannt, dass Bakterien mit dem Menschen zusammen arbeiten können. Die gesunde Haut ist beispielsweise auf einen Bakterienfilm von bestimmten Hautbakterien angewiesen, die die Haut bewusst aufrechterhält. Solange dieser Bakterienfilm stabil aufrecht erhalten werden kann, können sich keine fremden Bakterienstämme auf der Haut vermehren. Dadurch schützt sich der Körper effektiv vor Infektionskrankheiten, sodass durch die intakte Haut die Bakterien nicht in den Körper eindringen können und keine Krankheit verursachen können, ohne eine Wunde oder Schwachstelle in der Haut auszunutzen. Dass eine Zusammenarbeit auch in den Nervenzellen des Körpers bestehen soll, ist jedoch eine neue Entdeckung.

„Diese Studien helfen uns, zu verstehen, wie der Körper mit dem Gehirn kommuniziert und warum das Immunsystem so wichtig für unsere geistige Gesundheit ist. Vielleicht sollten wir alle etwas mehr mit Schlamm spielen", so das Plädoyer von Dr. Lowry.

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