Egon W. Kreutzer: Mick „Crocodile“ Johnson – The London Brexit Jungle

Von 5. September 2019 Aktualisiert: 5. September 2019 14:12
Sind wir nicht alle schlichte Gemüter, mit schlichtem Verständnis, denen die meisten Zeiterscheinungen nur schwer, wenn nicht gänzlich unzugänglich sind?

Boris Johnson wird ja von den Medien gerne als der verrückte Hinterwäldler mit der Brechstange dargestellt, der durch die Weltgeschichte stolpert wie Mick Dundee im cineastischen Welterfolg „Crododile Dundee“. Ein Streifen, der im Lexikon des internationalen Films so gewürdigt wird:

„Die geradlinig erzählte, amüsante Geschichte konfrontiert geschickt die Versatzstücke des Abenteuergenres mit Zeiterscheinungen, die schlichtem Verständnis schwer zugänglich sind, was der Geschichte eine heitere, ansprechende Note verleiht.“

„Versatzstücke des Abenteuergenres“ und „Zeiterscheinungen, die schlichtem Verständnis schwer zugänglich sind“ – Junge, Junge! Das hat doch was!

Sind wir nicht alle schlichte Gemüter, mit schlichtem Verständnis, denen die meisten Zeiterscheinungen nur schwer, wenn nicht gänzlich unzugänglich sind? Stehen wir nicht alle im Dschungel der linken und grünen Großstadthipster und ihrer links und grün angehauchten Nachahmer, deren Wahrnehmung und Denken, Sinnen und Trachten schon längst nicht mehr von jener Welt ist, die draußen, vor den kunstvollen Betonanhäufungen mit ihren Millionenheeren verwirrter Bewohner immer noch ganz real existiert?

  • Es ist ein Unterschied, in einer Welt zu leben, in der du noch erleben kannst, dass Getreide gesät, geerntet, gedroschen und zu Mehl gemahlen wird, um mit Wasser und Hefe und Salz einen Teig zu formen, eine Welt in der Tomaten und Oliven und Pepperoni wachsen, in der Kühe Milch geben, aus welcher Käse gemacht wird, eine Welt in der Schweine gezüchtet, gemästet, geschlachtet werden, um Fleisch und Wurst und Schinken zu erzeugen, eine Welt in der Tomaten und Käse und Schinken und Oliven und Pepperoni auf dem Teig verteilt in den heißen Ofen geschoben werden, um nach zehn Minuten eine duftende Pizza essen zu können,
  • zu dem Leben in jener Welt, in der die U-Bahn dich in dunklen, lebensfeindlichen Röhren zu den Supermärkten transportiert, deren unerschöpfliche Tiefkühltruhen maschinell produzierte, chemisch aufgepeppte, seelenlose Pizza in Pappkartons beherbergen, die man nur noch achtlos in die Mikrowelle und ebenso achtlos in den Rachen schiebt.
  • Es ist ebenso ein Unterschied, in einer Welt zu leben, in welcher ein Filz aus Kapitalinteressen jene Sachzwänge erzeugt, denen man sich lieber intelligent anpasst, statt sich rückständig zu empören, oder in einer Welt zu leben, in welcher die gegenseitige Wertschätzung noch groß genug ist, um demokratische Mehrheitsentscheidungen akzeptieren zu können und Quertreiber und Nachtarocker über alle Unterschiede hinweg zu ächten.

Wir haben doch in jüngster Zeit ausreichend viele Crocodile Dundees gesehen, die voll guten Willens und im Vertrauen auf den guten Willen ihrer Partner einen Anlauf genommen haben, etwas, was aus den Fugen geraten war, wieder geradezurichten. Tsipras und Varoufakis wollten Griechenland retten und sind in die im Brüsseler Dschungel ausgelegten Fallen getappt. Puigdemont wollte den Katalanen mit demokratischen Mitteln zur Unabhängigkeit von Spanien verhelfen – und wurde geschasst und verhaftet. In Frankreich tauchte, als die Sozialisten mit Hollande und die Republikaner mit Sarkozy abgewirtschaftet hatten und ein Machtwechsel möglich gewesen wäre, aus dem Nichts die Bewegung En marche auf und ermöglichte so die Fortsetzung jener Politik, in welcher ein Filz aus Kapitalinteressen jene Sachzwänge erzeugt, denen man sich lieber intelligent anpasst, statt sich den Gelbwesten anzuschließen und sich krankenhausreif prügeln zu lassen.

Doch zurück nach London.

Seit drei Jahren erleben wir ein im Grunde zum Fremdschämen peinliches Ringen um den Austritt oder den Verbleib Großbritanniens in der EU. Obwohl bei dem Versuch, für den Fall des Brexits den Weltuntergang herbeizuschreiben, tonnenweise Druckerschwärze in die Umwelt entlassen wurde, ist nach wie vor kein realer Grund dafür zu sehen, warum es den Briten nach dem Brexit schlechter gehen sollte als vor ihrem Beitritt zur EU oder während der gesamten Zeit ihrer Mitgliedschaft. Es sei denn, man bezieht die grundlose, also nicht aus der Sache, sondern in den agierenden Personen begründete Bosheit und Rachsucht ins Kalkül ein. Dann erkennt man, dass einige Figuren der EU durchaus Schaden anrichten wollen und könnten, übrigens immer in mindestem gleichem Maße auch zu eigenen Lasten, dass es auf der anderen Seite aber auch schon deutlich erkennbar ausgestreckte hilfreiche Hände gibt, die den BREXIT durchaus zu einer Erfolgsgeschichte werden lassen könnten.

In der am Wochenende erschienenen, zweiunddreißigsten Ausgabe von „EKW – Zur Lage“ habe ich Johnson und den BREXIT „nur“ als einen Schauplatz jenes erbitterten Krieges zwischen zwei Herrschaftsansprüchen erwähnt, der seit mindestens zwanzig Jahren offen tobt, nachdem er über lange Zeit im Stillen vorbereitet wurde. Die Globalisten sind angetreten, Nationalstaaten und monoethnische Gesellschaften zu zerstören, um auf den Trümmern ihre Weltherrschaft zu errichten. Was dabei kaum ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gedrungen ist: Die Globalisten sind „der Aggressor“. Die Vertreter nationalstaatlicher Interessen treten, nachdem sie von der ersten Angriffswelle überrannt und weitgehend entwaffnet wurden, ausschließlich als Verteidiger in Erscheinung.

Dass ein Wertekanon, der noch vor dreißig Jahren als „wertkonservativ“ in der Rangreihe politischer Strömungen im höchsten Ansehen auf Platz eins stand, heute verpönt ist und mit Vokabeln belegt wird, die von jenen „rückständigen, abgehängten Dunkeldeutschen“ bis zu den „hasserfüllten Fremdenfeinden“ reichen, die „mutmaßlich Scheiße im Kopf“ haben, ist das Ergebnis einer langjährigen, kollektiven Gehirnwäsche, die nach wie vor unvermindert anhält. Bewerten Sie einfach die Adjektive, mit denen Boris Johnson und Donald Trump von den Medien in äußerster Respektlosigkeit in ewiger Wiederholung charakterisiert werden, und es wird deutlich, dass es sich um eine Form von Gehirnwäsche handelt.

Ich bin, in der „Lage“ zu dem wenig erfreulichen Schluss gelangt, dass Boris Johnson, wie wenige Tage zuvor schon Italiens Salvini, von den „Häschern der Globalisten“ zu Fall gebracht werden wird.

Michael Klein hat auf seinem Blog „Science Files“ eine interessante und ermutigende, abweichende Einschätzung veröffentlicht, die von einer fast schon intimen Kenntnis britischer „Gepflogenheiten“ zeugt. Klein meint, Johnson habe sämtliche Winkelzüge seiner Gegner vorhergesehen und berücksichtigt und werde am Ende als Sieger dastehen.

Ich würde es begrüßen, wenn alles so kommt, wie Michael Klein es hier aus seiner Sicht skizziert:
https://sciencefiles.org/2019/09/04/brexit-bill-ard-feiert-in-unkenntnis-eine-niederlage-als-sieg/

Glauben, dass es so kommen wird, kann ich allerdings noch nicht.
GB ist zu wichtig, um diese Schlacht wegen läppischer Formalien geschlagen zu geben.

Zuerst erschienen auf  EGON-W-KREUTZER.de

Egon W. Kreutzer ist Unternehmensberater, Buchautor und Blogger auf EGON-W-KREUTZER.de

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.
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