Jürgen Fritz: Die ideologisch Verblendeten und wie man sie erkennen kann

Von 1. April 2019 Aktualisiert: 1. April 2019 9:13
Gibt es ein Kennzeichen, woran man insbesondere ideologisch Verblendete erkennen kann und ist diesen irgendwie beizukommen oder sind sie letztlich unwiederbringlich verloren?

Manches könne uns nur dann blenden, wenn wir schon verblendet sind, meinte der deutsche Dichter und Aphoristiker Peter Sirius. Was aber, wenn just jene Verblendete sich selbst für Erleuchtete, alle anderen aber für das halten, was sie selbst sind? Gibt es ein Kennzeichen, woran man insbesondere ideologisch Verblendete erkennen kann und ist diesen irgendwie beizukommen oder sind sie letztlich unwiederbringlich verloren?

Der naive, dümmliche und der raffinierte ideologisch Verblendete

Was kennzeichnet den ideologisch Verblendeten? Woran kann man also erkennen, ob es sich wirklich um einen solchen handelt? Den ideologisch Verblendeten interessiert nicht wirklich, ob etwas stimmt oder nicht, ihn interessiert primär, wenn nicht ausschließlich, ob dasjenige ihm und seiner Ideologie, seiner Weltanschauung schadet oder nutzt. Schadet es ihm und ist er ein naiver ideologisch Verblendeter, dann sagt er, wenn er etwas derartiges liest, beispielsweise „Fake-News“, „Das stimmt nicht“, „Schreiben kann man viel“, „Alles Lügenpresse“, „Glaube nur der Statistik, die du selbst gefälscht hast“ oder „das ist ein rechter Blog“, was dann abwertend und diskreditierend gemeint ist. Manchmal lacht er auch einfach nur sehr laut auf eine etwas, nein auf eine sehr dümmliche Weise. Wer dieses Lachen hört, weiß sofort, was mit demjenigen, der so ein unangenehmes Lachen hervorzustoßen imstande ist, los ist und das gleich in zweifacher Weise.

Der raffinierte ideologisch Verblendete dagegen versucht, Informationen, die ihm schaden und dem Gegner nutzen, kleinzureden, zu relativieren oder gar nicht zu beachten oder sie so zu platzieren, dass sie möglichst wenig Wirkung zeitigen, er aber sagen kann, er habe es ja nicht verschwiegen. Hier auf Seite 73 rechts unten stehe es doch. Dann versucht er sofort mit anderen Informationen – auf Seite 1 bis 73 rechts oben – abzulenken, ein Gegengewicht zu schaffen und dieses so schnell wie möglich übermächtig werden zu lassen, so dass das kleine Gewicht auf der anderen Seite der Waagschale kaum noch von Bedeutung ist.

Wie der ideologisch Verblendete mit Informationen und Quellen umgeht

Wenn etwas ihrer Ideologie nutzt, dann fragen die ideologisch Verblendeten nicht, ob diese Information stimmt und wo sie herkommt. Stellt die Information aber ihre Ideologie in Frage, dann stellen sie ihrerseits sofort die Quelle der Information in Frage, das aber nicht dergestalt, dass sie diese kritisch, aber unbefangen überprüfen, sondern so, dass sie sie pauschal verunglimpfen oder gezielt nach etwas suchen, um diese Quelle zu diskreditieren, um so sich selbst zu entlasten. Denn eine seriöse Überprüfung vorzunehmen ist immer mit einer gewissen Anstrengung und mit Zeitaufwand verbunden. Die „Logik“ dahinter lautet: Wenn A etwas behauptet, A aber in irgendeine negative Schublade rubriziert werden kann, dann kann auch die Aussage von A nicht viel taugen, was natürlich Unsinn ist. Auch ein unseriöser Mensch kann etwas Richtiges sagen und auch ein seriöser etwas Falsches.

Eine Überprüfung der Aussage dagegen ist wie gesagt anstrengend. Und wenn dann am Ende herauskommt, dass die Information stimmt, dann ist man zwar klüger als zuvor, aber genau darum geht es ja dem ideologisch Verblendeten gar nicht. Er will nicht klüger werden, er will seine Ideologie a) in sich selbst festigen und sie dann b) weitertragen und ihr so c) zum Durchbruch verhelfen, so dass seine Ideologie die Gesellschaft dominiert und nicht eine andere. Dies geht viel effektiver durch Diskreditierung der Quelle, die unangenehmen Informationen verbreitet. Außerdem kann man so sicherstellen, dass mit der Zeit nur noch solche Quellen akzeptiert werden, die der eigenen Ideologie gewogen, die also parteiisch sind und zwar parteiisch zum eigenen Vorteil. Ideologisch verblendeten geht es also nicht um Erkenntnisgewinn und -verbreitung, sondern um Macht, um Durchsetzung ihrer Weltanschauung mit allen Mitteln.

Warum der nicht Verblendete von allen Seiten beschossen wird

Ideologisch Verblendete haben nichts gegen Parteilichkeit an sich, sie haben nur etwas gegen Parteilichkeit, welche gegen sie gerichtet ist, und sie haben etwas gegen Unparteilichkeit. Solche können sie meist gar nicht verstehen. Das ist für sie etwas völlig Fremdes, auch kaum Nachzuvollziehendes. Weshalb ist dem so? Weil sie von sich ausgehen und meinen, dass alle im Grunde so wie sie sein müssten, denn alle Menschen sind ja schließlich von Grund auf gleich, so ihre Vorstellung. Der ideologisch Verblendete kann sich zwar vorstellen, dass ein anderer anders korrumpiert ist als er selbst, dass aber jemand gar nicht korrumpiert ist und einfach nur wissen will, was ist, respektive vermitteln will, was ist, erscheint ihm unwahrscheinlich bis unmöglich, sofern das überhaupt in seinem geistigen Horizont auch nur als Möglichkeit auftaucht.

Insofern geraten die Unparteiischen, im Sinne von unparteiisch urteilend, also die Unverblendeten auch schnell von beiden Seiten ins Kreuzfeuer. Kritisiert ein solcher die eine Seite, „denkt“, genauer: meint die andere Seite, die Gegenideologie, zunächst „Der schießt wie wir auf die da drüben, also ist er einer von uns“. Und die Gegenseite „denkt“, genauer: meint, „der schießt wie die anderen auf uns, also ist er einer von denen“. Sobald der Gleiche aber auch die andere Seite kritisiert, „denkt“ diese „der kritisiert uns, gehört also doch nicht zu uns, ergo gehört er zum Feind, womöglich ein U-Boot“. Und was macht man mit dem Feind? Man schießt auf ihn. Was sollte man denn sonst mit ihm machen, wenn man ideologisch verblendet ist? Also schießen beide Seiten auf den Unparteiischen, der versucht objektiv zu informieren und objektiv zu urteilen.

Die drei Arten der ideologisch Verblendeten und was sich dahinter verbirgt

Betrachten wir die ideologischen Verblendungen etwas genauer und differenzieren ein wenig, so können wir feststellen: Es gibt

  1. religiöse und
  2. politische ideologisch Verblendete.Außerdem gibt es noch eine Gruppe, die
  3. religiös-politisch-totalitär ideologisch verblendet ist.

Sie, die dritte Gruppe, ist wahrscheinlich die gefährlichste von allen. Daher sollte ihr die größte Aufmerksamkeit gewidmet werden, ohne die beiden anderen aus dem Auge zu verlieren, zumal diese sich mit der dritten Gruppe zu einer unheilvollen Allianz verbunden haben. Alle drei gilt es zu entlarven und zu bekämpfen, wenngleich dieser Kampf schier aussichtslos scheint. Weshalb aussichtslos? Weil die übergroße Mehrheit der Menschen Verblendungen liebt, wie kaum etwas anderes. Natürlich immer nur die eigene.

Weshalb aber lieben Menschen so sehr Verblendungen? Weil diese ihnen Orientierung, Halt und Hoffnung geben. Und nach nichts sehnen sich Menschen mehr als nach Orientierung, Halt und Hoffnung sowie Gemeinschaft. Und nichts schafft besser ein Gemeinschaftsgefühl als eine gemeinsame Ideologie. Die Menschen wollen mehrheitlich nicht wissen, was ist, sondern sie wollen bekommen, was ihnen gut tut, insbesondere das, welches sie in dem, was sie ohnehin schon glauben, weil man es ihnen entsprechend eingepflanzt hat, bestärkt und die oben genannten Punkte – Orientierung, Halt, Hoffnung und Gemeinschaftsgefühl – noch verstärkt.

Kritisches Denken, insbesondere selbstkritisches und reflektiertes, Wahrheitsliebe und Wahrheitsorientierung war seit jeher immer nur etwas der wenigen, nie der vielen. Das ist der Befund, der seit zweieinhalb Jahrtausenden zu beobachten, der eindeutig ist und mit dem wir leben und arbeiten, aus dem wir das Beste machen müssen, denn andere Menschen haben wir nun mal nicht – die Adenauer’sche Weisheit.

Zuerst erschienen auf JFB

Jürgen Fritz studierte in Heidelberg Philosophie, Erziehungswissenschaft, Mathematik, Physik und Geschichte (Lehramt). Nach dem zweiten Staatsexamen absolvierte er eine zusätzliche Ausbildung zum Financial Consultant unter anderem an der heutigen MLP Corporate University. Er ist seit Jahren als freier Autor tätig. Sein Blog: JFB

 

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.
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