Internet-Störung bei Vodafone wirft Fragen auf: Wie anfällig sind Huawei-Partner für Sabotage? 

Von 28. April 2020 Aktualisiert: 28. April 2020 15:01
Bereits zum zweiten Mal im Jahr 2020 waren zehntausende Vodafone-Kunden von mehrstündigen Störungen betroffen. Die Deutsche Telekom traf es vor 14 Tagen. Beide Unternehmen kooperieren mit Huawei. Die Debatte über Gefahren durch Sabotage gewinnt nun an Aktualität. 

Am Montagabend (27.4.) stand für eine Vielzahl an deutschen Kunden von Vodafone und dessen erst im Sommer des Vorjahres erworbenem Label Unitymedia nicht mehr nur das soziale Leben infolge der Corona-Maßnahmen still. Vor allem Großstädte wie Berlin, Hamburg, Stuttgart, München und die Ballungsräume an Rhein und Ruhr waren von einem Ausfall von Telefon und Internet betroffen. Das Mobilfunknetz blieb weitgehend von dem Ausfall verschont.

Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, sollen sich ab 18 Uhr Störungsmeldungen gehäuft haben, bis 20:20 Uhr soll es bereits eine fünfstellige Anzahl gewesen sein. Gegen 22 Uhr soll die Störung wieder behoben gewesen sein. Das Unternehmen sprach von einem Softwareproblem auf einem Server, der den Internetverkehr steuere, als Ursache für die Ausfälle. Durch das Installieren einer neuen Software sei das Problem wieder behoben gewesen. Eine genaue Zahl betroffener Kunden wollte man seitens Vodafone nicht nennen.

Vodafone gesteht erst spät Störungen ein

Dem „Kölner Express“ zufolge habe es jedoch auch am Dienstagmorgen noch Kunden gegeben, die über Probleme mit ihrer Internetverbindung geklagt hätten. Auch im Laufe des Dienstagvormittags trudelten weiterhin Meldungen ein. Es soll auch lange gedauert haben, bis das Unternehmen reagiert hätte. Noch um 21:49 Uhr hieß es von Vodafone auf Twitter: „Eine Einschränkung ist uns aktuell nicht bekannt.“

Man habe jedoch über WhatsApp einen neuen Service eingerichtet, der Kunden über regionale Störungen auf dem Laufenden halten soll. Später gestand das Unternehmen das Vorliegen der Störungen ein und veranlasste das Software-Update. Auch die Kundenhotline sei infolge der Vielzahl an Anrufen für die meisten nicht erreichbar gewesen.

Kunden von Vodafone und Unitymedia machten in der Kommentarspalte von allestörungen.de ihrem Ärger Luft, der dadurch noch verstärkt wurde, dass Corona-bedingt das Internet von besonderer Bedeutung für die Aufrechterhaltung sozialer Kontakte ist und eine Vielzahl an Nutzern immer noch im Home Office arbeitet.

Telekom bereits vor 14 Tagen von ähnlichem Problem betroffen

Erst vor etwa 14 Tagen hatte es im Netz der Deutschen Telekom landesweit Störungen in den Bereichen Telefon und Internet gegeben. Bei Vodafone waren bereits im Januar des Jahres mehrfach Probleme aufgetreten.   

Neben Softwareproblemen sind häufig defekte und beschädigte Kabel der Grund für Störungen, die zum Teil gravierende Auswirkungen haben und ganze Regionen von der Versorgung mit Internet und Telefon abschneiden können. Neben Verschleißerscheinungen, Bauarbeiten oder Naturkatastrophen ist bisweilen auch Sabotage ein Grund für länger andauernde Störungen.

In einigen Fällen waren es auch heimische Extremisten, die aus politischen Gründen gezielt Kabel zur DSL-Versorgung oder Mobilfunk-Antennen beschädigt hatten – so etwa mehrfach im Jahr 2013, als es zum Beispiel im Ruhrgebiet zu Vorfällen dieser Art kam und sich zum Teil Linksextremisten dazu bekannten. Erst in jüngster Zeit hatten vor allem in Großbritannien Fake-News über einen vermeintlichen Zusammenhang zwischen 5G und der Corona-Pandemie Personen zu Anschlägen auf Mobilfunkmasten motiviert. In zahlreichen Fällen waren teilweise mehrere zehntausend Kunden von dadurch bewirkten Störungen betroffen, die mehrere Stunden andauern konnten.

Hacker mit Armee im Rücken

Die jüngsten Ausfälle bei Telekom und Vodafone, die stets mit der Behauptung werben, verlässlicher zu sein und die selteneren Störungen schneller zu beheben als die günstigere Konkurrenz, wecken in mehrerlei Hinsicht Argwohn.

Zum einen illustrieren Vorfälle dieser Art, wie anfällig die komplexe Wirtschaft und das soziale Leben in Deutschland sind, sobald das Internet als Lebensader ausfällt – erst recht in Zeiten nach wie vor aufrechterhaltener sozialer Distanzierungsmaßnahmen im Zeichen der Corona-Krise.

Und sie werfen auch noch eine andere Frage auf, vor dem Hintergrund, dass mit Huawei bereits jetzt ein Konzern Komponenten im deutschen Mobilfunk-Kernnetz installiert hat, der von einer feindseligen totalitären Großmacht kontrolliert wird. Diese lautet: Liefert dieser Umstand Deutschland am Ende parallel zur fortschreitenden Digitalisierung auch potenzieller Sabotage oder Hackerangriffen auf die Infrastruktur aus?

Seit Jahr und Tag sammeln westliche Sicherheitsdienste Daten und Fakten bezüglich Attacken von Hackerkollektiven auf missliebige Vereinigungen vom „Auslandskorrespondentenclub in China“ (FCCC), der 2010 massiven Angriffen ausgesetzt war, über Ziele der Demokratiebewegung in Hongkong bis hin zu Attacken auf Einrichtungen der Infrastruktur in westlichen Staaten. In den wenigsten Fällen lässt sich ein zweifelsfreier Beweis dafür erbringen, dass Chinas KP-Regime eine Hackerattacke befohlen oder bewusst ermöglicht hat. Die technischen Möglichkeiten und der oft hohe Aufwand, den die Hacker nutzen, weisen jedoch definitiv auf eine staatliche oder militärische Rückendeckung hin.

Abwiegeln in Deutschland

Bedeutet eine Mitwirkung Huaweis an Schlüsselprojekten der Digitalisierung in Deutschland, dass man im Ernstfall das Regime in Peking gleichsam dazu einlädt, kritische digitale Infrastruktur im gesamten Bundesgebiet lahmzulegen?

In den USA befürchten Sicherheitsdienste genau das und verweisen auf mögliche Backdoors, die Huawei zugunsten des Regimes einbauen könnte – und darauf, dass der Konzern, der seine weltweite Expansion der Unterstützung durch die KPCh verdankt, nach geltender chinesischer Gesetzeslage sogar verpflichtet ist, mit der Führung in Peking, den chinesischen Geheimdiensten und dem Militär zusammenzuarbeiten.

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In Deutschland wiegelt man trotz ähnlich lautender Warnungen von Sicherheitsdiensten vor allem vonseiten der Konzerne ab, die bereits mit Huawei-Komponenten arbeiten. Es wird unter anderem argumentiert, der Ausbau bestehender Komponenten würde das Land eher lahmlegen als das chinesische Regime dies mittels seiner Zugriffsmöglichkeiten auf Huawei selbst könnte.

Jürgen Grützner vom Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) warnt, ein Ausschluss von Huawei-Technologien vom 5G-Ausbau würde „das Ausrollen des neuen Mobilfunkstandards deutlich erschweren, verteuern und verzögern“.

Reicht höhere systemische Sicherheit von 5G aus?

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) verweist auf eine Überarbeitung seiner Sicherheitsanforderungen. Dort geht man davon aus, dass ein verbessertes Risikomanagement und „Produkt-, Prozess- und Systemzertifizierungen, ein Monitoring der 5G-Infrastruktur sowie zusätzliche Anforderungen wie beispielsweise die Sicherheit von Lieferketten“ ausreichen würden, um die Gefahr bösartigen Agierens des chinesischen Regimes zu minimieren.

Die „Deutsche Welle“ meint, der 5G-Standard würde die Welt auch vor Hackerangriffen sicherer machen, weil Maschinen in Fabriken damit direkt miteinander kommunizieren könnten, ohne dass Daten das Gelände verließen. Bislang müssten für eine einzelne Interaktion die Daten teils um die ganze Welt reisen.

„Unmöglich, das geheim zu halten“

Außerdem erlaube die neue Technologie eine mobile Form des sogenannten dezentralisierten Edge Computings: Daten würden am Rande eines Netzwerks verarbeitet, an dem Punkt, wo sie entstünden, und seien deshalb – theoretisch – weniger angreifbar. Auch durch „Slicing“-Techniken könnten Unternehmen sensible Teile ihres Netzwerks von der öffentlichen 5G-Infrastruktur abtrennen und so das Risiko für Spionage oder Datenklau zusätzlich verringern.

Treuherzig versichert auch Walter Haas, Technik-Chef von Huawei Deutschland, gegenüber DW, zum Ausspionieren des 5G-Datenverkehrs bedürfte es riesiger Rechenzentren, um die Daten zu verarbeiten – „schätzungsweise ein Terabyte pro Sekunde“. Es wäre „unmöglich, das geheim zu halten“.

Das Britische Cybersicherheitszentrum hingegen listete bereits im Vorjahr eine Reihe von Sicherheitslücken auf und beklagte Huaweis mangelndes Engagement, diese auszuräumen. Im Bericht heißt es:

„Wenn ein Angreifer von diesen Schwachstellen weiß und genügend Zugang hat, um sie zu nutzen, können sie so den Netzwerkbetrieb beeinträchtigen.“

Wettbewerbe küren besten Saboteur

Auch US-Senator Mark Warner mahnt gegenüber „The Verge“ zur Vorsicht. Selbst wenn derzeitige Huawei-Produkte, was mögliche Hintertüren betrifft, unbedenklich wären, würde dies keine Garantien für die Zukunft beinhalten:

„Software-Prüfungen existierender Huawei-Produkte reichen nicht aus, um die Möglichkeit auszuschließen, dass ein Anbieter ein bösartiges Update kreiert, das Überwachung in der Zukunft ermöglicht. Jedes vermeintlich sichere chinesische Produkt ist nur ein Firmware-Update davon entfernt, zu einem unsicheren chinesischen Produkt zu werden.“

Nicholas Weaver vom International Computer Science Institute der Universität Berkeley in Kalifornien gibt zudem zu bedenken, dass Sabotage „sehr, sehr subtil“ erfolgen könne. Es gäbe regelrechte Wettbewerbe wie den „Underhanded C Contest“, bei dem es nur darum ginge, Sabotage fast unentdeckbar zu machen:

„Umso mehr gilt das im Bereich der Hardware: So könnte man beispielsweise den Generator für kryptografische Zufallsnummern sabotieren, sodass derjenige, der das Geheimnis kennt, diese voraussagen kann, wer sie nicht kennt, jedoch nicht.“

Besondere Anfälligkeit von Telekommunikationssystemen

Telekommunikationssysteme seien noch gefährdeter, weil diese schon spezifisch darauf angelegt sind, für Abhörmaßnahmen zugänglich zu sein. Ein kleiner Kniff innerhalb spezifischer Routineeinrichtungen, die das Abhören ermöglichen, könnte bereits sehr schwer zu entdecken sein. Außerdem sei es nicht entscheidend, was wofür zertifiziert sei, sondern wer was zusammenbaue:

„Dass man das ‚Design‘ zertifiziert hat, bedeutet noch lange nicht, dass man auch das einkauft, was man zertifiziert hat. Ein einziger mikroskopischer Unterschied, die Beifügung eines ganz kleinen Sabotage-Chips, und alle Zusicherungen, die man erhalten hat, sind wertlos.“

William Snyder von der Syracuse University weist zudem darauf hin, dass das Problem möglicher Sabotage im Bereich der Infrastruktur und der Komponenten für Telekommunikation kein exklusives von Huawei sei. Man müsse alle Unternehmen beobachten, die Teil der globalen Lieferkette seien und Verbindungen zur chinesischen „Volksbefreiungsarmee“ hätten – und auch westliche Unternehmen, die mit diesen zusammenarbeiteten.

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.