Von Nieten, Narren und Nöten – Der etwas andere Jahresrückblick

Von 1. Januar 2019 Aktualisiert: 2. Januar 2019 4:52
Das Jahr 2018 hat dem ohnehin schon etwas wunderlichen Planeten Erde arg zugesetzt. Nahezu nichts als Irrungen und Wirrungen. Doch die Auguren sehen schlicht keine Besserung im „anno nuovo“.

Vom blutgetränkten Mittelmehr bis in die eiserstarrte Taiga, vom lichtirritierten Nordkap bis in die verdorrende Hölle am Amazonas wabert Angst in den Köpfen und Herzen – wenn auch von höchst divergenter Provenienz.

Das alles tut jedoch dem schier lautlosen Lauf der Gestirne keinen Abbruch. Mit den selbsternannten, beliebig verorteten Jahreswechseln auf einem kleinen, total überlaufenen, und auch noch chaotisch verwalteten Himmelskörper ist es wie mit Wahlen von Parteivorsitzenden im verschnarchten Merkelland: sie sind – notabene intergalaktisch – vollkommen unbedeutend.

Es wäre nun zu einfach zu sagen, die Nieten, die jenes Deutschland zum Beispiel in den letzten 13 Jahren bereits gezogen hat, habe dieses Land nun mal verdient. Es scheitert doch schon daran, dass eben dieselben es gar nicht wahrhaben, was sie angerichtet haben und welch Geistes Kinder sie – natürlich nur für die staunende, wache Bevölkerung offensichtlich – sind. Es bleibt nämlich immer ein fauler Nachgeschmack, wenn man kurzerhand sich und seinesgleichen dem Achselzucken des sinistren Mittelmaßes aussetzt.

Eine bedenklich unbedarfte „Dirty-Dancing- bis hin zur aufkeimenden KiTa-Spielecken-Generation, verweichlicht und verzogen bis zur mentalen Selbstaufgabe vor den Smartphone-Oligarchen, macht sich nämlich mehr Kopfzerbrechen über das vor Larmoyanz triefende Trennungsgeschäft des Schlagermädchens Helene und ihres gurrenden Volkstümlers Florian, als über die haarsträubenden Zwangsehen und Verstümmelungen von jungen Frauen in muslimischen Sippen. Mitten unter uns!

Die Nöte der Menschen sind also viel tiefliegender, als das im spaßversumpften Konsumproletariat sichtbar werden könnte. Doch selbst die Schließung der letzten Steinkohlezeche im Ruhrgebiet wurde da vorzugsweise sentimental vermarktet – der Bundespräsident durfte den letzten Kohleklumpen tränenbegleitet ins Museum verabschieden – und schließlich „live“ im Fernsehen zelebrieren.

Das lenkte auch sonst noch ein bisschen ab vom peinlichen Digitaldesaster, von der schon leicht schwindsüchtigen Leyen-Bundeswehr mit Pannengarantie und gleich noch von der lähmenden Windkraftflaute – und schien zugleich ein geeigneter Grund zu sein, dem Gelsenkirchener Fußballtempel mitleidige Aufmerksamkeitsadressen zu verschaffen. Gasprom, der russische „Hauptsponsor“ von Schalke hatte sich solange diskret zurückgehalten.

Es ist also wieder einmal sehr verführerisch, vermeintliche Helden, nicht nur die selbsternannten, tragikomischen Protagonisten und womöglich in Ehren hinauskomplimentierte Quälgeister schlicht als Narren zu apostrophieren, als Nasentäuscher und Glaubensgaukler. Das Lachen vertreibt ja angeblich die Angst aus der Seele.

Doch es gibt –frei nach André Heller – eine Angst, die „macht klug“, gütiger, freier „von Selbstbetrug“. – Die müssen wir im kommenden Jahr zu schätzen wissen.

Der Autor: Joseph-Emich Rasch – Jahrgang 1953 – ist Linguist, Dramaturg und Kolumnist, schrieb und inszenierte diverse Theaterstücke sowie zahlreiche Satire-Programm.

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