Anne Will Show: Türkischer Minister spricht plötzlich auf Deutsch – Türkei rührt Wahltrommeln im ARD-Programm

Von 14. März 2017 Aktualisiert: 14. März 2017 12:14
Die ARD-Talk-Show „Anne Will“ von Sonntag geriet bei Zuschauern in die Kritik. Die Sendung im Öffentlich-Rechtlichen sei eine Wahl-Plattform für Erdogans Präsidialherrschaft.

Nach abgesagten Auftritten türkischer Minister in Deutschland und den Niederlanden, war der türkische AKP-Jugend- und Sportminister Akif Çağatay Kılıç am Sonntag in der ARD-Talkshow „Anne Will“ zu Gast. Kılıç nutzte dort die Möglichkeit die Werbetrommel für die Präsidialherrschaft des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan zu rühren.

Zuschauer verwunderte es, dass ausgerechnet ein öffentlich-rechtlicher Sender einem türkischen Minister die Möglichkeit bot, für das viel kritisierte Verfassungsreferendum der Türkei am 16. April zu werben. Dies berichtete „Focus-Online“.

Kılıç schockierte im ARD anfangs, als er plötzlich in die deutsche Sprache wechselte. Etwas das nicht abgesprochen gewesen sein soll, so der Sender gegenüber „Focus-Online“. Kılıç gelang es zudem innerhalb der Sendung immer wieder das Ruder an sich zu reißen und sich bei wichtigen Aussagen auf Türkisch direkt an türkische Zuschauer zu wenden.

Eigentlich war es geplant gemeinsam zu erörtern, wie Deutschland und die Türkei einen Weg aus der aktuellen Krise finden können. Doch endete das Gespräch in einer Verteidigung der Verfassungsreform Erdoğans.

Kılıç rechtfertigte Erdoğans Politik

So konnte Kılıç auch die Vorwürfe gegen die Bundesregierung wiederholen, die der türkische Präsident nach dem Auftrittsverbot seiner Minister in einigen deutschen Kommunen ausgesprochen hatte. Kılıç nutzte außerdem viele Gelegenheiten, um die europaweit heftig kritisierte Politik von Erdoğan zu rechtfertigen. Zudem sagte der AKP-Politiker mehrmals, dass die Presse in Westeuropa nicht frei sei. Am Ende der Talk-Show gelang es ihm sogar, das Schlusswort zu ergreifen.

ARD zur Gastrolle von Kılıç: Kein „Wahlkampfauftritt“

Ein Sprecher des ARD erklärte gegenüber „Focus“: Herr Kılıç habe sich während der Sendung spontan dazu entschieden das Gespräch teilweise in deutscher Sprache zu führen. Vor der Sendung sei mit der türkischen Regierung abgesprochen gewesen, Herr Kılıç spreche auf türkisch.

Minister Kılıç und der Chef des Bundeskanzleramts Peter Altmaier – der zweite Gast der Sendung – hätten in der Sache ein kontroverses, aber respektvolles Gespräch geführt, so der Sender gegenüber „Focus“. Damit unterscheide sich die Sendung allein der Form nach „grundsätzlich von einem Wahlkampfauftritt“.

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