Offizielle Feier in Potsdam mit Kanzlerin Merkel – Berlin: Linksextreme schleudern Steine auf Polizisten bei „Der III. Weg“-Demo
In Potsdam fanden die offiziellen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit statt. In Berlin hingegen kam es am Samstag bei einer Demonstration in Berlin-Lichtenberg zu Ausschreitungen von Linksextremisten. Mehrere hundert Demonstranten, darunter der Antifa hatten sich am Vormittag versammelt, um gegen einen Aufmarsch - der vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Partei "Der III. Weg" - zu protestieren.
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Linksextremisten versuchten mit einer Sitzblockade die Demonstration der rechtsextremen Demo der Kleinpartei "Der III. Weg" zu verhindern.
Während Berlin im Zeichen vieler Demonstrationen stand von Rechts, Links und Mitte, haben in Potsdam die Feierlichkeiten zum 30. Jahrestag der Deutschen Einheit bereits begonnen.
Für einen ökumenischen Gottesdienst versammelten sich am Samstagvormittag rund 130 geladene Gäste in der katholischen Propsteikirche St. Peter und Paul in der brandenburgischen Landeshauptstadt.
Berlins Erzbischof Heiner Koch warnte in seiner Rede zum Einheitsjubiläum vor einer weiteren gesellschaftlichen Polarisierung in Deutschland: „Schnell können die Menschen ihre Demokratie verkommen lassen und die Lebensformen der Demokratie verschleudern.“
Um 12.00 Uhr fand dann der zentrale Festakt in der Potsdamer Metropolis-Halle statt; Hauptredner war Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Hochrangige Regierungsvertreter anwesend
Unter den Teilnehmern der Feierlichkeiten sind die Spitzen der Verfassungsorgane: Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU), Bundesratspräsident Dietmar Woidke (SPD), Verfassungsgerichts-Präsident Stephan Harbarth und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Zudem nehmen mehrere Ministerpräsidenten und Landtagspräsidenten aus den Bundesländern teil.
Erzbischof Koch rief in seiner Rede vor den Gottesdienstbesuchern zum gegenseitigen Verständnis und zur Verteidigung der Demokratie auf. „Auch wenn die freiheitlich-demokratische Grundordnung ohne jeden Zweifel die beste ist, die Deutschland in seiner Geschichte je hatte, so ist doch diese Demokratie kein Selbstläufer“, sagte er laut vorab verbreitetem Redetext.
Der Erzbischof mahnte: „Unsere Gesellschaft muss wieder stärker für ihre Demokratie eintreten und Anfeindungen konsequent entgegentreten.“ Er warnte, dass sich gerade „in einer pluralen Gesellschaft viele Menschen schnell in ihre getrennten Lebensbereiche zurückziehen, in den Kreis der Gleichgesinnten“. Dies sei ein Leben in der „vielzitierten ‚Blase'“.
Diese Entwicklung bereite ihm Sorge, sagte Koch. „Wenn das ‚Wir miteinander‘ zum ‚Wir gegen die‘ kippt, wenn Menschen einer anderen Gesinnung oder Gruppe nur noch skeptisch wahrgenommen, womöglich sogar angefeindet werden – dann wird es gefährlich. Das ist ein Einfallstor für Extremismus.“
Der Charakter der Einheitsfeiern musste wegen der Corona-Pandemie stark verändert worden, viele geplante Veranstaltungen wurden abgesagt oder umgeplant. Statt großer Massen-Events gab es über vier Wochen in der Potsdamer Innenstadt eine Einheits-Expo, deren Finale an diesem Wochenende erfolgt.
Linksextremisten in Berlin
An der Demo „Der III. Weg“ nahmen nach Angaben von „Rbb.de“, die unter dem Motto „Ein Volk will Zukunft“ veranstaltet wurde, rund 200 Personen teil.
Mit einer Sitzblockade wollte das „Berliner Bündnis gegen Rechts“ verhindern, dass die Teilnehmer des rechtsextremen Demonstrationszugs starten konnten.
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Am Mittag löste die Polizei eine Sitzblockade linksextremer Gegendemonstranten auf, wo Steine und Flaschen in Richtung der Einsatzkräfte geworfen wurden. Es kam zu mehreren Verhaftungen.
Ein linksextremer Aktivist wird von der Polizei fixiert.
Foto: Omer Messinger/Getty Images
Demonstrationen in Berlin-Mitte
Weitere Demonstrationen fanden am Nachmittag vor dem Reichstagsgebäude in Berlin-Mitte sowie gleichzeitig auf dem Pariser Platz statt, bei denen einige Demonstranten Reichsflaggen zeigten.
Vor dem Brandenburger Tor versammelten sich rund 100 Menschen, darunter auch Angehörige der Querdenken-Initiative, um gegen die Pandemie-Maßnahmen der Bundesregierung zu protestieren.
Ebenso viele Menschen zogen mit Musik und Transparenten am Nachmittag bei der Demonstration unter dem Motto „Raven gegen Rechts“ über die Straße Unter den Linden in Berlin-Mitte.
Die Polizei ist am Samstag im gesamten Stadtgebiet mit rund 2.700 Beamten im Einsatz. Vor allem in Mitte, Friedrichshain und Lichtenberg ist während des gesamten Tages mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen.
(nh/afp)
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