Boostedt: Einwohnerversammlung mit dem Innenminister – 4.500 Bürger, 1.230 Migranten und erhöhte Polizeipräsenz im Ort

Von 19. September 2018 Aktualisiert: 27. November 2018 11:36
Am heutigen Mittwoch findet in Boostedt eine Einwohnerversammlung zusammen mit dem Innenminister von Schleswig-Holstein, Hans-Joachim Grote, statt. Auch die Landespolizei schickt ihren stellvertretenden Präsidenten. Das Thema: die Landeserstaufnahme im Ort.

„Die Gemeinde rechnet mit einem Ansturm“, schreibt der „Holsteinische Courier“ mit Hinweis auf die Einwohnerversammlung am Mittwochabend in der Sporthalle der Gemeinde, in der Platz für 500 Besucher ist. Doch was ist den Bürgern so immens wichtig? Und was macht die Behörden so empfindlich, dass sie sogar Ausweiskontrollen am Eingang der Sporthalle durchführen wollen?

Wegen der zu erwartenden Anzahl an Teilnehmerinnen und Teilnehmern weise ich im Vorwege der Veranstaltung darauf hin, dass einen Anspruch auf Teilnahme und Rederecht nur die Einwohnerinnen und Einwohner der Gemeinde Boostedt haben.“

(Bürgermeister Hartmut König, CDU)

Boostedt, eine kleine Gemeinde mitten in Schleswig-Holstein: Am heutigen Mittwochabend, ab 19 Uhr, wird mächtig was los sein in der „Sigfried-Steffensen-Sporthalle“ an der Ecke Schlesienstraße /Twiete.

Die Spitze des Innenministeriums kommt

Hoher Besuch wird zu einer sensiblen Podiumsdiskussion der Einwohner von Boostedt erwartet. Wie der „HC“ schreibt, kommen aus der Landeshauptstadt Kiel der Innenminister Hans-Joachim Grote nebst seinem Innenstaatssekretär Torsten Geerdts (beide CDU) und dem Zuständigen für Integration und Zuwanderung im Innenministerium, Norbert Scharbach.

Außerdem werden der stellvertretende Landespolizeidirektor Joachim Gutt und der Leiter des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten, Ulf Döhring, anwesend sein – und natürlich der Bürgermeister von Boostedt, Hartmut König (CDU).

Die Landesunterkunft für Flüchtlinge

Bereits Anfang April 2015 zogen in Boostedt die ersten Migranten der Flüchtlingskrise in die lokale Erstaufnahme in der ehemaligen Rantzau-Kaserne ein.

Auf einmal waren 2.000 fremde Menschen in dem kleinen Ort mit aktuell 4.500 Einwohnern. Doch damit war für die Boostedter noch nicht Schluss. Anfang 2017 wurde auch die Landesunterkunft für Ausreisepflichtige hier untergebracht.

Aktuell leben mit Stichtag 18. September 1.230 Migranten in der Einrichtung in Boostedt. Von diesen sind 859 ausreisepflichtig.

Bürgermeister: Das Klima hat sich verändert

Doch während die Menschen in der Erstaufnahme noch Gründe haben, sich entsprechend gefällig zu verhalten, stehen die abgelehnten Asylbewerber mit Ausreisepflicht schon mit dem Rücken zur Wand.

Wie die Zeitung berichtet, würden sich die Bürger beschweren, über die schiere Zahl der Migranten und das „robuste Auftreten“ der jungen Männer, besonders gegenüber Frauen. Auch das Trinken von Alkohol ist ein sensibles Thema. Es liegt vermehrt Müll im Ort herum. Bürgermeister König spricht von einem veränderten Klima in Boostedt, vermutet ein „Ankerzentrum durch die Hintertür“. Es gibt nichts zu beschönigen: „Die Stimmung droht in Boostedt zu kippen. Ich habe das Wohl der Boostedter und der Flüchtlinge im Auge“, so der Ortschef.

Doch auch im „Lager“ selbst ist die Stimmung nicht so gut. „Im Camp fühle ich mich nicht so wohl. Es gibt oft Ärger unter den Kindern, die aus verschiedenen Ländern kommen“, sagte eine 32-jährige Mutter aus Afghanistan dem „Courier“.

Das Land reagierte auf den Hilferuf des Bürgermeisters und erhöhte die Polizeipräsenz in und rund um die Einrichtung.

Erhöhte Polizeipräsenz in Boostedt

Im Jahr 2017 wurden im Dorf Boostedt 207 Straftaten begangen, ohne ausländerrechtliche Verstöße. 68 davon waren Diebstahlsdelikte. In der Migrations-Einrichtung kamen noch 126 Straftaten hinzu, zumeist sogenannte „Rohheitsdelikte“ (41). Auch untereinander wurde geklaut, 14 Mal einfacher, zwölf Mal schwerer Diebstahl.

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Eigentlich ist die Polizeistation in Boostedt mit drei Polizisten besetzt. Doch seit Februar 2015 wurde auch eine Polizeistation in der Erstaufnahme eingerichtet. Das Arbeitsgebiet der dortigen Beamten erstreckt sich aber auch auf das Dorf Boostedt selbst. Zum 1. August 2018 waren hier 15 Beamte im Schichtdienst im Einsatz. Am 13. August wurde auf 23 Polizisten in der Landesunterkunft aufgestockt, schreibt der „Holsteinische Courier“.

Darüber hinaus befinden sich grundsätzlich zehn Polizeivollzugsbeamte der Bürogemeinschaft mit dem Landesamt auf dem Gelände der Landesunterkunft und stehen ebenso wie die drei Polizeibeamten der örtlichen Polizeistation für besondere polizeiliche Einsatzlagen zur Verfügung.“

(Lars Brockmann, Polizeidirektion Bad Segeberg)

„Letter of Intent“ vom Ministerium

Doch wie soll es weitergehen in Boostedt? Die Landesregierung propagiert seine Durchhalteparole bis Ende 2024. Dann soll die Erstaufnahme in Boostedt geschlossen werden. Bis dahin will man wohl reduzieren: Ab 1. Dezember 2019 sollen hier nur noch maximal 500 Migranten untergebracht werden, im Notfall bis 700.

Der „Letter of Intent“ des Innenministeriums wurde jedoch bisher noch nicht von Boostedt unterschrieben. Nun sollen die Bürger offenbar höchstministeriell überzeugt werden.