Eltern überfordert – Kinder aggressiv: Es fehlt an „Erziehungswissen und Erziehungstradition“ + Video

Epoch Times16. May 2018 Aktualisiert: 16. Mai 2018 9:30
Das Phänomen gewaltbereiter Kinder und Kinder, die keinen Respekt mehr vor Erwachsenen haben, breitet sich aus - nicht nur in Schulen. Eltern, die eigentlich die Kernerziehungskompetenz haben sollten, versagen immer häufiger. Woran liegt das? Experten diskutieren.

Verhaltensauffällige Kinder, die auch später zu Gewalttaten neigen, sind heutzutage keine Seltenheit mehr. Die Anzahl dieser Kinder in deutschen Schulklassen steigt weiter an. Eltern sind oft ratlos. Die Schulen brauchen aber die Unterstützung der Eltern.

Der Vorsitzende des Lehrerverbands Bildung und Erziehung, Udo Beckmann, sagte der „Welt“: „Ein Teil des Problems ist, dass immer mehr Kindern das Wort Nein aus dem Elternhaus nicht mehr bekannt ist und ihnen auch Toleranz und Respekt vor anderen nicht beigebracht werden.“

Die Anzahl der Kinder, die einen besonderen Förderbedarf im Bereich emotional-soziale Entwicklung haben, steige seit Jahren an. Während es im Jahr 2007 noch 0,6 Prozent der Schüler betraf, sind es 2016 bereits 1,2 Prozent.

Beckmann sagte weiter: Bei 87.000 Schüler seien offiziell Verhaltensauffälligkeiten bestätigt worden – die Dunkelziffer sei größer. Dabei sei auffällig, dass der gesellschaftliche Hintergrund der Kinder diesbezüglich unwesentlich sei. „Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten kommen in allen sozialen Schichten vor“, so der Experte.

„Kernerziehungskompetenz“ liegt bei den Eltern

Doch dabei liege die „Kernerziehungskompetenz“ bei den Eltern. „Wir können nicht allein richten, was zu Hause nicht vorgelebt wird“, so Beckmann weiter. Doch offenbar seien die Eltern oft überfordert und energielos. Aber um ihren Anteil am Erziehungsauftrag in den Schulen zu erfüllen, seien die Lehrer auf die Kooperation der Eltern angewiesen, so Beckmann.

Nicole Böddeker ist Sozialpädagogin in einer Grundschule in Nordrhein-Westfalen und spricht aus ihrer Erfahrung, die sie mit ihrer Beratungspraxis machen konnte: „Ich merke immer wieder, dass auf Eltern häufig ein enormer Druck lastet.“

Oft nimmt sie deshalb eine Mittlerrolle zwischen Schule und Elternhaus ein. Denn die Eltern „müssen teilweise beide arbeiten, um die Familie zu versorgen und die Miete zu zahlen.“

Verlust von „Erziehungswissen und Erziehungstradition“

Der Grund, warum Eltern bei der Erziehung immer häufiger scheitern, hängt nach Meinung von Henrike Paede vom Bayerischen Elternverband, mit den Verlust von „Erziehungswissen und Erziehungstradition“ in den Familien zusammen.

„Meist wohnen die eigenen Eltern nicht mehr im Haus, wen sollen Mütter und Väter denn fragen, wenn es um ihren Nachwuchs geht?“, sagt Paede zur „Welt“.

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(vm)

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