Demonstranten halten Plakate für die NSU-Opfer hoch. 11. Juli 2018, München.Foto: Andreas Gebert/Getty Images

Fünf der acht Städte mit Mahnmalen für NSU-Opfer melden Attacken – Täter wurden nicht ermittelt

Epoch Times13. Oktober 2019 Aktualisiert: 13. Oktober 2019 7:35
Die Gedenkorte für die Opfer der rechtsextremen Terrorzelle „Nationalsozialistischer Untergrund“ werden immer wieder beschädigt. In den vergangenen Jahren wurden in fünf der acht Städte mit solchen Mahnmalen Angriffe registriert - zum Teil mehrfach.

Die Gedenkorte für Mordopfer des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) werden immer wieder attackiert. Laut eines Berichtes der „Welt am Sonntag“ kam es in fünf der acht Städte mit Mahnmalen für NSU-Opfer zu Schändungen.

Erst Anfang Oktober war im sächsischen Zwickau eine Eiche abgesägt worden, die an Enver Simsek erinnern sollte. Die Rechtsterroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt hatten den türkischen Blumenhändler im Jahr 2000 in Nürnberg erschossen. Der Mord an dem Familienvater war der Auftakt der Mordserie des Nationalsozialistischem Untergrunds mit zehn Toten.

Hackenkreuze und ausgegrabene Gedenkstelen

In Kassel wurde 2014 der Gedenkstein für ein NSU-Opfer mit einer Bitumenmasse übergossen. In Rostock ist der Gedenkort für ein NSU-Opfer seit 2014 dreimal beschädigt worden. In Nürnberg wurde 2015 eine Gedenktafel von Unbekannten entfernt. Ferner war dort eine Stele im November 2017 mit einem Hakenkreuz beschmiert worden.

In Heilbronn, wo die NSU-Terroristen eine Polizistin ermordet hatten, wurde 2008 eine Gedenkstele ausgegraben und in den Neckar geworfen. Außerdem besprühten 2014 Unbekannte dort eine Gedenktafel. Den Städten Dortmund, Hamburg und München sind keine Attacken bekannt, so die Zeitung weiter. In Köln, wo der NSU zwei Bomben zündete, gibt es kein Mahnmal.

Sieben Fälle dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet, ein Fall dem linksextremen

Das Bundeskriminalamt führt eine Statistik mit abweichender Zählweise. Das BKA registrierte bundesweit acht Straftaten gegen Gedenkorte für NSU-Opfer. Die Länderpolizeien bewerteten sie von 2010 bis 2018 als politisch motiviert. Sieben Fälle wurden dem rechtsextremen Spektrum zugeordnet, ein Fall dem linksextremen.

Zu den Delikten gehören die Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener, Sachbeschädigung, Störung der Totenruhe und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

„Zu den aufgeführten Delikten konnten bislang keine Tatverdächtigen ermittelt werden“, teilte das BKA der Zeitung mit. Für 2019 liegen der Behörde noch keine Zahlen vor.

Seehofer: Schändungen sind „ein Schlag ins Gesicht der Hinterbliebenen“

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) sagte dem Blatt, die Schändungen der NSU-Mahnmale seien „ein Schlag ins Gesicht der Hinterbliebenen, den unsere Gesellschaft nicht hinnehmen darf“. Der Staat müsse entschieden gegen jede Form von Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit vorgehen. (dts/dpa/afp)

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