Kraftakt für die Bundeswehr: Vorkommando bereitet Dauer-Präsenz in Litauen vor

Die Bundeswehr will erstmals eine komplette schwere Kampfbrigade auf Dauer im Ausland stationieren – nicht weit entfernt von der russischen Grenze. Kritiker befürchten, das Dauer-Engagement könnte die Bundeswehr überfordern. Wichtige Fragen und Antworten.
Die für eine dauerhafte Stationierung in Litauen geplante Brigade der Bundeswehr soll im Jahr 2025 mit einem formellen Appell in Dienst gestellt werden.
Die für eine dauerhafte Stationierung in Litauen geplante Brigade der Bundeswehr soll im Jahr 2025 mit einem formellen Appell in Dienst gestellt werden.Foto: Kay Nietfeld/dpa
Epoch Times7. April 2024

Am Montag macht sich ein kleines Vorkommando auf den Weg nach Litauen, um ein NATO-Projekt voranzutreiben. Nach Angaben der Bundesregierung ist die dauerhafte Stationierung ein „Leuchtturmprojekt der von Bundeskanzler Olaf Scholz ausgerufenen sicherheitspolitischen Zeitenwende“. Kritiker zweifeln indes an der Umsetzbarkeit.

Was ist das Besondere an der Bundeswehr-Brigade in Litauen?

Die dauerhafte Stationierung einer Brigade in Litauen ist ein Präzedenzfall in der Geschichte der Bundeswehr. Nie zuvor hatte sie so viele Soldaten auf Dauer im Ausland stationiert. Die Kampfbrigade soll rund 5.000 Bundeswehr-Angehörige umfassen. Wenn sie wollen, können sie dabei ihre Familien nach Litauen mitnehmen.

Für Ehepartner und -partnerinnen sowie Kinder sollen in den Großstädten Vilnius und Kaunas Wohnsiedlungen, Arbeitsmöglichkeiten, Kitas, Schulen und Freizeitangebote geschaffen werden.

Welches politische Signal soll von der Stationierung ausgehen?

Mit der Brigade in Litauen will die Bundesregierung nach eigenen Angaben ein klares Bekenntnis zur NATO und zu den Bündnisverpflichtungen abgeben.

„Durch die dauerhafte Stationierung einer kriegstüchtig aufgestellten Brigade im Baltikum soll Russland von weiteren Angriffen auf seine Nachbarländer abgehalten werden“, heißt es aus dem Bundesverteidigungsministerium.

Litauen – und die beiden anderen Baltenstaaten Lettland und Estland – fürchten, sie könnten von Russland ins Visier genommen werden, da Präsident Wladimir Putin sie als Teil der russischen „Einflusssphäre“ betrachtet.

Wie sieht der Zeitplan aus?

Zunächst 20 Bundeswehrangehörige sollen sich am Montag als Vorkommando auf den Weg nach Litauen machen. Das Vorkommando soll bis zum vierten Quartal auf rund 150 Köpfe anwachsen.

Im kommenden Jahr soll die Brigade für Litauen offiziell in Dienst gestellt werden. Dann will die Bundeswehr mit der schrittweisen Verlegung der Soldaten aus Deutschland beginnen. Voll einsatzfähig soll die Brigade im Jahr 2027 sein.

Beteiligt werden sollen Kampftruppenbataillone aus Oberviechtach in Bayern und Augustdorf in Nordrhein-Westfalen. Die Bundeswehr setzt auf freiwillige Beteiligung – kann Soldaten aber auch zum Einsatz in Litauen verpflichten.

Wie ist die aktuelle Lage in Litauen?

Die kleine Republik liegt zwischen der russischen Exklave Kaliningrad und Russlands Verbündetem Belarus. Damit ist Litauen nach Einschätzung der Bundeswehr „der exponierteste Staat an der Nato-Ostflanke“.

Als Reaktion auf die russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim verlegte die NATO bereits 2017 sogenannte Battlegroups, also Kampfverbände, an die Ostflanke. Eine von ihnen ist in der litauischen Kaserne Rukla stationiert. Die Bundeswehr führt diese multinationale Einheit mit mehr als 800 Soldaten an.

Gibt es Zweifel an den Plänen?

Für die Bundeswehr bedeutet die Stationierung in Litauen einen Kraftakt. In der Truppe fehlt es vielerorts an Material und Personal. Das Dauer-Engagement im Baltikum, so die Befürchtung, könnte die Bundeswehr überfordern.

Der „Spiegel“ zitierte im Dezember aus einem internen Schreiben von Heeresinspekteur Alfons Mais: Mais fordere milliardenschwere Investitionen, da die Bundeswehr sonst bei ihren Aufgaben in Deutschland massiv geschwächt würde. Völlig unklar ist zudem, inwieweit Familienangehörige von Soldaten überhaupt bereit sind, dauerhaft nach Litauen umzusiedeln.  (afp)



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