Lauterbach bei Maybrit Illner: Wenn alle Masken tragen würden, könnte die soziale Isolation gelockert werden

Von 27. März 2020 Aktualisiert: 2. April 2020 23:24
"Wenn wir jetzt alle Masken tragen würden, dann könnten wir die Maßnahmen der sozialen Isolation etwas stärker lockern", betonte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach in der Talkrunde bei Maybrit Illner am Donnerstagabend.

„Die gute Nachricht ist: Es infizieren sich sehr wenige. Die schlechte Nachricht: Es baut sich keine Immunität auf.“ Das sagte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach in der Talkshow von Maybrit Illner zum Thema „Kampf gegen Corona“ am Donnerstagabend. Der Politiker wies darauf hin, wie wichtig und sinnvoll es wäre, Atemschutzmasken zu tragen – wenn sie vorhanden wären.

Probleme würden derzeit nicht gelöst, so Lauterbach. Derzeit gewinne man mit den getroffenen Maßnahmen lediglich Zeit. Gleichzeitig wies der Professor für Epidemiologie darauf hin, dass eine zu früh eingeleitete Lockerung der Maßnahmen Gefahren nach sich ziehen könnten. Denn die Corona-Fälle würden rapide ansteigen. „Das Ganze hat nur Zweck, wenn man das relativ konsequent durchhält und dann die Maßnahmen nur ganz wenig zurücknimmt“, sagte Lauterbach. Ansonsten könnte man mehr Schaden anrichten als nutzen.

In diesem Punkt stimmte der ebenfalls als Talkshow-Gast geladene Dr. Andrew Ullmann (FDP), Infektiologe und Arzt für innere Medizin, seinem Kollegen zu. Mit harten Maßnahmen müsse nun die Krise unter Kontrolle gebracht werden. Bei zu früher Lockerung drohe ein „Rückschlageffekt“. Später müsse man langsam die Maßnahmen wieder abbauen.

Strategie der Regierung

Können Quarantänen für einzelne Risikogruppen etwas bringen, während für andere Bevölkerungsgruppen Ausgangsbeschränkungen aufgehoben werden? Darauf antwortete Lauterbach: „Ich bin der Meinung, dass man nicht über die Strategie reden sollte, wenn man kein Ziel hat.“ Von dem Ziel hänge die Strategie ab. Das müsse politisch entschieden werden. „Das ist keine Entscheidung, die Wissenschaftler dazu treffen können.“ Letztere könnten nur beraten.

Ein Ziel könnte sein, dass sich Gruppen mit geringen Risikofaktoren infizieren, damit eine Herdenimmunisierung erfolge. In diesem Fall würden die Alten und Risikogefährdeten geschützt werden müssen. Aber diese Strategie sei „extrem gefährlich“. Denn sobald die Maßnahmen aufgehoben würden, bestünde die Gefahr, dass sich alle Menschen aus der Risikogruppe gleichzeitig infizieren. „Das schlägt kein Wissenschaftler vor“, so Lauterbach.

Ein weiteres Ziel könne eine verlangsamte Ausbreitung des Virus innerhalb der Bevölkerung sein. Gleichzeitig müsse darauf geachtet werden, dass das System nicht überlastet werde. In diesem Fall würden die Maßnahmen immer weiter gelockert, und zwar in dem Maß, dass Intensivstationen nicht überlastet werden.

Lauterbach warnte davor zu vergessen, wie „extrem gefährlich“ das Virus sei – auch für Menschen, die nicht daran sterben. Niemand wisse, ob die Menschen, die die Infektion überleben, wieder gesund werden. Vielmehr gäbe es sogar Hinweise darauf, dass die Patienten bleibende Schäden davon tragen.

Das dritte Ziel könne sein, dass sich so wenig Menschen wie möglich infizieren, bis es eine Impfung gibt. Das wäre die „strengste Strategie“, so Lauterbach. In diesem Fall würden etwa 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung infiziert werden. Dies sei aus Sicht des SPD-Politikers die einzig richtige Strategie, auch wenn sie wenig diskutiert würde.

Keine Lockerung der Maßnahmen absehbar

Die Diskussionen, Maßnahmen zu lockern, hält Lauterbach zum jetzigen Zeitpunkt „völlig fehl am Platz“. In der derzeitigen Debatte würde die Frage fehlen, ob die Menschen das Risiko einer Erkrankung überhaupt bereit sind zu tragen. Das gelte auch für die Jüngeren.

Sandra Ciesek, Professorin für Medizinische Virologie, die zu der Sendung zugeschaltet war, betonte, dass es bislang keine Immunität in der Bevölkerung gäbe. „Erst ab 70 Prozent spricht man von Herdenimmunität“, sagte sie. Es wäre „unethisch“, wenn man alle Maßnahmen einstellen würde, um eine Herdenimmunität zu erreichen. Auch im Hinblick auf die Gefahr der Erkrankung von jungen Menschen, die durchaus schwer erkranken könnten.

Fehlende Schutzausrüstung – Abhängigkeit von Asien lösen

Im Landkreis Heinsberg, der am stärksten von der Corona-Krise betroffen ist, wird dringend Schutzausrüstung gebraucht. Der dortige Landrat Stephan Pusch hat aus Verzweiflung Peking direkt um Hilfe gebeten. „Das ist peinlich für uns“, sagte Lauterbach. Gleichzeitig gab er zu verstehen, dass Deutschland in verschiedenen Bereichen der Medizin auf Hilfe aus China und Indien angewiesen sei. Das reiche von der Schutzausrüstung bis zu Medikamenten. Das könne nach der Krise auf keinen Fall so weitergehen.

Zunächst jedoch gelte: Bevor die USA in wenigen Wochen mit ihrer „massiven Geld- und Aktienpower“ den Markt an Schutzausrüstung leer kaufen, müsse Deutschland vorbereitet sein. Insoweit müsse ein klares Signal an die deutschen Unternehmen gegeben werden, damit diese in die Produktion für notwendige Maßnahmen, wie beispielsweise Schutzbekleidung und Desinfektionsmittel, einsteigen.

Spahn wurde gewarnt

Achim Theiler ist Geschäftsführer der „Franz Mensch GmbH“, die Hygiene- und Schutzartikel importiert. Er war ebenfalls Gast bei Maybrit Illner. Der Unternehmer war sich schon im Februar bewusst darüber, dass der Bedarf von Schutzbekleidung rapide anwachsen würde. Zu dieser Zeit hatte die chinesische Regierung über 50 Millionen Menschen unter Quarantäne gesetzt und den Exportstopp für Schutzbekleidung angeordnet.

„Über 90 Prozent der Produkte werden normalerweise im Epizentrum Wuhan hergestellt“, sagte Theiler. Der Bedarf war zum damaligen Zeitpunkt groß. Innerhalb von zwei Tagen waren die Bestände des Unternehmens von zwei Monaten verkauft. Aufgrund der immensen Nachfrage habe Theiler am 5. Februar ein Schreiben an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geschickt und um Überprüfung der Lage gebeten. Damals hatte Spahn noch geäußert, dass Deutschland vorbereitet sei.

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Eine Antwort auf sein Schreiben erhielt der Unternehmer nicht – weder vom Ministerium, noch von den Abgeordneten. Für Theiler war es nicht nachvollziehbar, dass Deutschland so schlecht vorbereitet ist.

60 Millionen Atemschutzmasken aus China

Die Franz Mensch GmbH importiert derzeit 60 Millionen einfachen Mundschutz aus China für den Bund sowie drei Millionen FFP-Masken, die auf Intensivstationen benötigt werden. Darüber hinaus 500.000 Overalls, Schutzkittel und Handschuhe. Allein für den Mundschutz sind die Kosten inzwischen aufgrund der Corona-Krise um das 20-fache gestiegen.

Wegen der fehlenden Schutzausrüstung gäbe es dramatische Situationen in Krankenhäusern. So berichtete Theiler von seiner Bekannten, die im Intensivbereich arbeitet. Sie habe eine Anordnung erhalten, dass sie die FFP-Maske 48 Stunden tragen solle. Dabei lautet die Empfehlung normalerweise, dass man die Maske mindestens dreimal täglich wechselt.

Falsche Lageeinschätzung durch Politiker und RKI trotz Risikoanalyse aus 2012

„Wir sind unglaublich schlecht vorbereitet. Wir hatten sechs Wochen Zeit“, sagte Theiler und fügte hinzu, dass in dieser Zeit nichts passiert sei. Am 24. Januar habe es in China 1.400 Erkrankte [Anm.d.Red.: nach offiziellen Meldungen] gegeben, als die Regierung dort Maßnahmen eingeleitet hat. In Deutschland seien die Maßnahmen eingeleitet wurden, als es bereits 14.000 Infizierte gab.

„Hinterher ist man immer klüger“, sagte FDP-Politiker Ullmann. Anfänglich hätte auch er – ebenso wie die Experten des Robert-Koch-Instituts – gedacht, man könne die Situation unter Kontrolle bekommen. Aber dann sei die Lage in Heinsberg eskaliert.

Bereits vor sieben Jahren habe man in der Risikoanalyse des Bundestages festgestellt, dass Deutschland bei einer Epidemie, wie sie derzeit besteht, nicht vorbereitet sei. Aber: „Niemand hat damals die Zuständigkeit geregelt“, sagte Lauterbach. Es sei nicht geregelt worden, wer für die Beschaffung der Maßnahmen, die Lagerung und die Bezahlung zuständig sei. „Wir haben ein System, das zersplittert ist,“ so der SPD-Politiker. Nach der Krise müsse darüber gesprochen werden. Denn der Plan für die Epidemie wäre bereits da gewesen und wurde sogar diskutiert, „aber niemand fühlte sich zuständig für die Umsetzung“. Das sei das Problem.

Schutzmasken sind „sinnvoll“

Angesprochen auf die Empfehlung der Ärztekammer zum Tragen von einfachen Schutzmasken, sagte Lauterbach: Dies wäre „sinnvoll“, wenn die Schutzmasken vorhanden wären. Studien würden beschreiben, dass Schutzmasken eine Ansteckung von Infizierten verhindern. 40 Prozent von denjenigen, die andere infizieren würden, hätte zum Zeitpunkt der Ansteckung noch gar keine Symptome. Weitere 40 Prozent hätten nur leichte Symptome.

„Wenn wir jetzt alle Masken tragen würden, dann könnten wir die Maßnahmen der sozialen Isolation etwas stärker lockern“, betonte Lauterbach. Dann könnte das Virus zumindest nicht von Infizierten übertragen werden. Dazu müsste man aber erst einmal die Atemschutzmasken haben. Aus diesem Grunde solle man nun „aggressiv“ mit der Industrie zusammenarbeiten: Jeder, der das produzieren kann, solle es tun.

Lauterbach brachte es bei Maybrit Illner auf den Punkt: „Hätten wir die Masken, wäre es sinnvoll, wenn ein großer Teil der Bevölkerung Masken tragen würde, zumindest wenn auch nur das mindeste Risiko einer Infektion bestehen würde.“

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