Umfrage: Nur 16 Prozent möchten jetzt einen Corona-Impfpass nach Vorbild Israels

Epoch Times27. Februar 2021 Aktualisiert: 27. Februar 2021 19:58
Wäre ein "Grüner Pass" wie in Israel auch für Geimpfte in Deutschland ein Weg zu mehr Freiheiten in der Corona-Krise? Wirtschaftsverbände machen Druck. Politiker dämpfen Erwartungen. Auch vor dem nächsten Bund-Länder-Treffen regiert in der Politik die Vorsicht.

Von einer befragten Gruppe in Deutschland befürwortet die Mehrheit die Einführung eines Corona-Impfpasses, der den Besuch von Theatern, Fitnessstudios, Sportereignissen oder auch Reiseerleichterungen ermöglicht. Allerdings möchte der Großteil, dass man mit der Ausgabe noch warte.

Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur sind 16 Prozent dafür, einen solchen „Grünen Pass“ nach dem Vorbild Israels sofort einzuführen. Weitere 44 Prozent meinen, man sollte damit warten, bis alle Menschen in Deutschland ein Impfangebot bekommen haben. Nach derzeitiger Planung soll das bis zum 21. September der Fall sein.

35 Prozent lehnen die Einführung eines Passes, der Geimpften Vorteile gegenüber nicht Geimpften ermöglicht, grundsätzlich ab. Israel hatte am vergangenen Sonntag einen sogenannten Grünen Pass eingeführt, der Genesenen und Geimpften in der Corona-Krise zahlreiche Erleichterungen gewährt. Auch für Nicht-Geimpfte wurden zwar Einschränkungen gelockert, sie erhielten aber deutlich weniger Freiheiten zurück.

Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union haben sich zwar am Donnerstag (25 Februar) darauf verständigt, dass innerhalb der nächsten drei Monate ein europäischer Impfpass entwickelt werden soll. Unklar ist aber noch, welche Erleichterungen damit verbunden sein werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich grundsätzlich offen dafür gezeigt, Geimpften Vorteile zu gewähren – aber erst zu einem späteren Zeitpunkt.

„Wenn wir genügend Menschen ein Impfangebot gemacht haben werden und sich einige partout nicht impfen lassen wollen, wird man überlegen müssen, ob es in bestimmten Bereichen Öffnungen und Zugänge nur für Geimpfte geben soll“, sagte Merkel in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview er „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Kritiker halten ein solches Vorgehen für eine Impfpflicht durch die Hintertür.

Politiker warnen vor überzogenen Erwartungen an EU-Impfpass

CDU-Chef Armin Laschet wertete die Pläne für einen solchen Impfpass vor allem als Signal für gemeinsames Handeln in Europa. Er mahnte aber in der „Rhein-Zeitung“ (Samstag): „Auf Dauer dürfen wir die Menschen aber nicht einteilen in Geimpfte und Nicht-Geimpfte. Wir müssen insgesamt Grundrechtseingriffe zurücknehmen und Leben wieder möglich machen, für alle – und nicht nur für die, die geimpft sind.“

Die SPD-Gesundheitsexpertin Sabine Dittmar sagte der „Welt“ (Samstag): „Ein europäisches Impfzertifikat ist kein Freifahrtschein mit Privilegien für Einzelne.“ Der Linke-Gesundheitsexperte Achim Kessler warnte in der Zeitung, das „Spaltungspotenzial eines Impfausweises“ sei enorm.

Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Kordula Schulz-Asche mahnte in der „Welt“: „Die Frage eines europäischen Impfpasses für die Covid-19-Impfung und eine damit einhergehende Andersbehandlung Geimpfter stellt sich so lange nicht abschließend, bis die Daten verlässlich zeigen, inwieweit die Immunität anhält und ob eine Transmission des Virus durch die Impfung verhindert werden kann.“

Die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, Ingrid Hartges, betonte im „Focus“, sobald ausreichend Impfstoff vorhanden sei, müsse man „Geimpften ihre Freiheiten zurückgeben.“

„Kleine, vorsichtige Schritte“

Zahlreiche Politiker mahnten unterdessen vor dem nächsten Bund-Länder-Treffen am Mittwoch zur Vorsicht bei möglichen Lockerungen der Corona-Beschränkungen. Es gehe darum, in „kleinen, vorsichtigen Schritten“ etwas zu ermöglichen, sagte Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) am Freitagabend beim digitalen Jahresempfang der Mittelstands- und Wirtschaftsunion Wiesbaden.

Das Schlimmste wäre: „Wir machen auf, stellen fest, es klappt nicht und dann sind die Zahlen wieder hoch und machen wieder relativ streng zu.“ Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) mahnte im „Reutlinger General-Anzeiger“ (Samstag): „Es wäre niemand damit geholfen, wenn wir überhastet öffnen und wir müssten in wenigen Wochen wieder zumachen.“

„Schnelltests – reines Wunschdenken“

Kretschmann verteidigte zugleich seinen Vorstoß für eine stärkere Lockerung des Corona-Lockdowns mit Hilfe von Schnelltests. Der Vorsitzende der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, bezeichnete es dagegen als „reines Wunschdenken“, weitere Öffnungsschritte mit Schnelltests abzusichern.

„Selbst für hunderttausende geimpfte Pflegeheimbewohner gibt es keine Freiheitsrechte, weil die täglichen Schnelltests für Besucher und Altenpflegekräfte fehlen“, sagte Brysch den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstag).

„Wie soll es dann in Einkaufszentren, Schulen, Universitäten, Kneipen oder Kinos funktionieren?“ fragte er. Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) erwartet, dass Bund und Länder einen „Perspektivplan“ beschließen. Nach Schulen und Kitas sowie Friseuren gehe es nun zuerst um Perspektiven für den Einzelhandel und für die Kultur, sagte Dreyer der „Saarbrücker Zeitung“ (Samstag).

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte dem „Tagesspiegel“ (Samstag), nach der schrittweisen Öffnung von Schulen und Friseuren wären „verbunden mit der 35er-Inzidenz und sinkenden Werten oder verstärktem Testeinsatz, Einzelhandel und Kultur dran“. Man müsse aber vorsichtig sein bei möglichen Öffnungsschritten. Müller betonte zugleich: „Wir können nicht dauerhaft im Lockdown leben.“

In den vergangenen Tagen war die Zahl der (Neu-)infektionen bzw. positiven PCR-Tests in Deutschland nicht mehr gesunken oder sogar gestiegen. Der Gründer des Mainzer Unternehmens Biontech, Ugur Sahin, geht davon aus, dass die Infektionsrate in Deutschland erst „ab Ende Mai oder Anfang Juni einen deutlichen impfstoffbedingten Rückgang verzeichnen“ könnte. (dpa/aa)


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