Über 80 Unwettertote in Deutschland: Hauseinstürze in Erftstadt – Lage dramatisch

Epoch Times16. Juli 2021 Aktualisiert: 16. Juli 2021 12:00
Bei einer der größten Unwetterkatastrophen der vergangenen Jahre in Deutschland sind in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mindestens 59 Menschen gestorben. Dazu galten dutzende Menschen als vermisst. Die Lage blieb unübersichtlich.

Nach dem Unwetter im Südwesten ist die Zahl der Todesopfer auf mindestens 82 gestiegen. Allein im Kreis Bad Neuenahr-Ahrweiler wurden über 50 Tote gezählt, 1.300 Menschen werden dort vermisst. Die hohe Zahl an Vermissten hänge aber aber mit einem zusammengebrochenen Mobilfunknetz zusammen, viele Menschen seien nicht erreichbar, sagte eine Sprecherin des Kreises.

Rund 3.500 Menschen seien nach dem Unwetter in mehreren Betreuungseinrichtungen untergebracht worden, teilte der Landkreis weiter mit. Aus NRW wurden mindestens 31 Todesopfer gemeldet, davon mindestens 15 im Landkreis Euskirchen. Auch weiter im Norden hatten die Einsatzkräfte alle Hände voll zu tun, die Feuerwehr Ratingen nördlich von Düsseldorf sprach von einem „Marathon für die Einsatzkräfte“. Vollgelaufene Keller könnten nur nacheinander ausgepumpt werden, da sonst die Kanalisation überlastet werde. Die Rurtalsperre lief infolge der hohen Regenmenge über.

Die Folgen der Hochwasserkatastrophe blieben im Verlauf des Donnerstags in vielen Orten unübersichtlich, weil Strom- und Telefonleitungen ausgefallen waren.

Mehrere Kreise in der Eifel riefen Katastrophenalarm aus. Die wirtschaftlichen Schäden ließen sich noch nicht beziffern. Auch an Rhein und Mosel steigen nun die Pegel. Teilweise wird mit einer Erhöhung des Wasserstandes um 2 Meter gerechnet.

1.300 vermisste Personen

Die Kreisverwaltung von Ahrweiler, die besonders von der Katastrophe betroffen ist, meldet am 15.7., 22:15 Uhr, dass sie derzeit von 1.300 Vermissten ausgehen:

„Aufgrund der Unwetterkatastrophe sind im Kreis weitere Todesopfer zu beklagen. Darüber hinaus wird derzeit von rund 1.300 Vermissten ausgegangen. Alleine im Gebiet der Kreisstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler gab es am heutigen Morgen über 1000 offene Einsätze – aktuell laufen noch immer Rettungseinsätze. Aufgrund der komplexen Schadenslage ist eine abschließende Beurteilung der Situation derzeit noch nicht möglich.“

Aktuell sind 3.500 Menschen in verschiedenen Notunterkünften im Kreisgebiet untergebracht. Das Polizeipräsidium Koblenz hat eine Hotline eingerichtet, an die sich besorgte Angehörige wenden können, wenn sie jemanden vermissen. Sie ist unter 0800 / 656565-1 zu erreichen. Es wird darum gebeten, nur in dringenden Fällen anzurufen, wenn Menschen in Gefahr sind. Der Schwerpunkt der Einsätze liegt in der Rettung von Menschenleben.

Eine Sprecherin erklärte, das Mobilfunknetz sei lahmgelegt – und daher gebe es keinen Handy-Empfang und viele Menschen seien nicht erreichbar. „Wir hoffen, dass sich das klärt“, sagte sie zu der hohen Zahl. Zugleich teilte der Kreis mit, dass es weitere Todesopfer gebe. Zahlen wollte die Sprecherin dazu noch nicht nennen.

Nach wie vor seien über 1000 Angehörige von Feuerwehr, Polizei, Bundeswehr, THW, DRK und weiterer Katastrophenschutzeinheiten aus weiten Teilen von Rheinland-Pfalz, dem südlichen NRW sowie dem angrenzenden Baden-Württemberg im Einsatz. „Weitere Einsatzkräfte, unter anderem Sanitäts- und Transporteinheiten sowie Kräfte der Bundeswehr, wurden nachgefordert“.

Es werde intensiv an der Wiederherstellung der Strom-, Gas- und Wasserversorgung gearbeitet. Das THW beispielsweise bereite den Aufbau von Trinkwasseraufbereitungsanlagen vor.

Zudem weist die Verwaltung nach Rücksprache mit dem Kreis Euskirchen darauf hin, dass die Steinbachtalsperre nicht gebrochen ist.

Polizeihubschrauber im Einsatz

Die Polizei schickte Hubschrauber in die besonders betroffenen Regionen, um die Menschen an Seilwinden von den Dächern zu retten. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums waren 15.000 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Hilfsorganisationen und Bundeswehr im Rettungseinsatz.

Im besonders stark betroffenen Ort Schuld im Landkreis Ahrweiler in der Eifel wurden einem Polizeisprecher zufolge vier Häuser komplett von den Fluten weggespült. Zwei weitere Häuser seien zur Hälfte weggespült worden, andere Gebäude in dem kleinen Ort „erheblich“ beschädigt worden. Wie viele Menschen in den weggespülten Häusern lebten, konnte die Polizei nicht sagen.

Mehrere Menschen starben in überfluteten Kellern. In Köln fand die Feuerwehr die Leichen einer 72-jährigen Frau und eines 54-Jährigen in mit Wasser vollgelaufenen Kellern. In Solingen stürzte nach Polizeiangaben ein 82-Jähriger und geriet mit dem Kopf unter Wasser. Der Rentner sei später im Krankenhaus gestorben. Im Kreis Unna starb ein 77-Jähriger ebenfalls im unter Wasser stehenden Keller seines Wohnhauses.

Zwei Feuerwehrmänner unter den Opfern

In Nordrhein-Westfalen kamen zwei Feuerwehrmänner im Einsatz in Altena und Werdohl ums Leben. In Altena war die Feuerwehr am Mittwochabend im Einsatz, um einen ins Wasser geratenen Mann zu retten. Dabei fiel ein 46-jähriger Feuerwehrmann selbst ins Wasser und wurde abgetrieben, er sei kurze Zeit später tot geborgen worden.

Rund 500 Bundeswehrsoldaten leisteten Amtshilfe in sechs Landkreisen der beiden Bundesländer, wie ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums den Funke-Zeitungen sagte. Zum Einsatz kamen demnach zwei Hubschrauber, 25 Lastwagen, zwölf Krankenwagen, zehn Radlader und zwei Bergepanzer.

Die Polizei bat in allen betroffenen Landkreisen um Hinweise der Bevölkerung auf Vermisste. Gleichzeitig rief sie aber auch dazu auf, die betroffenen Orte zu meiden. Wiederholt behinderten Schaulustige die Rettungseinsätze, außerdem musste die Polizei Plünderer fernhalten.

Wuppertaler Talsperre übergelaufen

Besonders angespannt war die Lage in Nordrhein-Westfalen unter anderem in Hagen sowie in Wuppertal, wo eine Talsperre überlief. Nahe der Steinbachtalsperre in Euskirchen sollten mehrere Ortschaften evakuiert werden.

In der Stadt Trier und im Landkreis Trier-Saarburg mussten mehrere hundert Menschen ihre Wohnungen verlassen. In Leverkusen und Trier wurden Krankenhäuser evakuiert.

Der wirtschaftliche Schaden des Unwetters ließ sich noch nicht beziffern. Da eine ganze Reihe von Straßen und Brücken und auch Bahnlinien betroffen waren, dazu zahlreiche Häuser zerstört wurden und auch Handwerksbetriebe zerstört wurden, dürften auch die wirtschaftlichen Auswirkungen massiv sein.

Merkel. Wo der Bund helfen könne, werde er das tun

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Hilfen des Bundes für die Unwettergebiete im Westen Deutschlands angekündigt. Wo der Bund helfen könne, „werden wir das tun“, sagte Merkel am Donnerstag am Rande eines Besuchs in Washington. Derzeit stehe noch die „akute Situation im Fokus“ – die Bundesregierung werde aber bald darüber beraten, wie sie die „Aufbauarbeiten“ unterstützen könne.

Merkel zeigte sich erschüttert über die vielen Toten der Katastrophe. „Noch wissen wir die Zahl nicht, aber es werden viele sein“, sagte sie. „Es sind so viele, um die wir noch bangen müssen.“

„Friedliche Orte durchleben in diesen Stunden eine Katastrophe, man kann sagen eine Tragödie“, sagte Merkel weiter. „Ich bin erschüttert von den Berichten aus den Orten, die jetzt ganz unter Wasser stehen.“ Sie wolle aus Washington ein „Zeichen der Anteilnahme und Solidarität“ nach Deutschland schicken.

Merkel hielt sich am Donnerstag zu politischen Gesprächen in der US-Hautstadt auf. Von dort aus telefonierte sie nach eigenen Angaben mit den Bundesministern für Finanzen und Inneres, Olaf Scholz (SPD) und Horst Seehofer (CSU), sowie mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und der rheinland-pfälzischen Regierungschefin Malu Dreyer (SPD).

Seehofer bietet jegliche Unterstützung an

Horst Seehofer (CSU) hat die Unwetter im Westen Deutschlands als „Tragödie“ bezeichnet, deren Ausmaß „längst noch nicht absehbar“ sei, und umfassende Hilfen des Bundes zugesagt.

Mehr als 2.000 Kräfte des Technischen Hilfswerks (THW) und die Bundespolizei seien im Einsatz – „und ich biete den Ländern jegliche Unterstützung an“, sagte Seehofer am Donnerstag der „Bild“-Zeitung. Jetzt sei die Stunde der Einsatzkräfte und der Solidarität. „Sie wachsen derzeit über sich hinaus, und ich danke Ihnen dafür.“

SPD-Kanzlerkandidat und Vizekanzler Olaf Scholz unterbricht seinen Urlaub im Allgäu und ist auf dem Weg nach Rheinland-Pfalz, um sich dort ein Bild von der Hochwasser-Lage zu machen. Das bestätigte eine SPD-Sprecherin der „Welt“. Der Bundesfinanzminister wolle vor Ort sein und einen Eindruck von der Situation der betroffenen Menschen gewinnen, hieß es.

Folgen von Flutkatastrophe waren laut NRW-Umweltministerin nicht zu verhindern

Die schweren Folgen der Umweltkatastrophe in Nordrhein-Westfalen sind laut Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) nicht zu verhindern gewesen. „In ihrer Intensität und örtlichen Ausprägung sind derartige Extremwetter schwer vorherzusagen“, sagte die Ministerin dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ laut Vorabmeldung vom Donnerstag.

In einigen Regionen seien „Wassermassen niedergegangen, die in vielen Fällen alles bisher Gemessene überschritten“ hätten. Darauf kurzfristig schadensvermeidend zu reagieren, sei in der akuten Situation „praktisch unmöglich“ gewesen.

Wegen der Trockenheit der vergangenen Jahre habe der Boden kaum noch Wasser aufnehmen können, weshalb der Starkregen vielerorts direkt in die Gewässer abgeflossen sei. „Wir müssen diesen Katastrophenfall jetzt grundlegend aufarbeiten, wie wir uns gemeinschaftlich besser schützen und vorbereiten können“, sagte Heinen-Esser der Zeitung.

Strom- und Telefonleitungen ausgefallen

Die Folgen der Hochwasserkatastrophe blieben im Verlauf des Donnerstags in vielen Orten unübersichtlich, weil Strom- und Telefonleitungen ausgefallen waren.

Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sind nach den Unwettern besonders von Hochwasser und Überschwemmungen betroffen. In mehreren Regionen wurde der Katastrophenfall ausgerufen. (dts/afp)



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