Brutale Computerspiele im Visier der EU

Von 23. Januar 2007 Aktualisiert: 23. Januar 2007 11:16

Der Schritt von der Spielhalle ins wirkliche Leben ist oft nicht weit. (Der Schritt von der Spielhalle ins wirkliche Leben ist oft nicht weit. (Foto: Joe Raedle/Getty Images)

„Wir müssen unsere Kinder schützen“, lautete die Forderung des EU-Justizkommissars Franco Frattini beim informellen Treffen der EU-Justizminister in Dresden. Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass die EU ihren Kampf gegen Killerspiele und Gewaltvideos jetzt verstärken will. Spiele wie Quake, Counterstrike oder Soldier of Fortune waren Inspirationen von Amok-laufenden Jugendlichen.

Europarechtlich ist es nicht vorgesehen, auf EU-Ebene eine Regelung über ein derartiges Verbot von Gewaltcomputerspielen zu erlassen. Vielmehr müssten die einzelnen EU- Mitgliedstaaten jeweils dieses Problem für sich lösen. Zahlreiche Experten vertreten die Meinung, dass Gewalttaten a la Erfurt vom exzessiven Konsum von Gewaltspielen ausgingen. „Eine Gesellschaft, die solche Spiele zulässt, ist krank“, meint zum Beispiel der Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, Christian Pfeiffer.

Heftige Diskussionen in der EU

Die Diskussion über ein Verbot von Gewaltspielen, wird tatsächlich quer durch ganz Europa geführt. Wie umstritten dieses Thema überall ist, zeigt exemplarisch die Situation in Deutschland. „Killerspiele gehören in Deutschland verboten“, sagt etwa Edmund Stoiber, so wie viele bekennende Katholiken. Die Bundesjustizministerin Zypries hingegen ist skeptisch. Psychologen und Pädagogen seien sich längst nicht einig, ob durch Spiele oder brutale Filme die Schwelle zur eigenen Gewaltbereitschaft gesenkt wird. Jedenfalls, kündigte sie an, soll während der deutschen EU- Ratpräsidentschaft bis zum Sommer in allen 27 Mitgliedsstaaten die Lage erkundet werden.

{R:2}Verschiedene Lösungsansätze

Dieser Initiative kann Frattini einiges abgewinnen. Er schlägt zudem vor, dass die EU- Staaten jeweils ihre verbotenen Spiele an eine zentrale Stelle in Brüssel melden sollen. Auf diese Art könne eine Art „schwarze Liste“ entstehen, die Verbote auch in anderen Mitgliedstaaten nach sich ziehen könnte. Er wolle zudem 14 Millionen Euro für die Vernetzung der Justizbehörden in Europa bereitstellen.

Österreichs Justizministerin Maria Berger dagegen sprach sich gegen strafrechtliches Vorgehen aus, zumal die meisten Konsumenten noch gar nicht im strafmündigen Alter seien. Es seien deshalb „präventive Maßnahmen über den ganzen Bildungsbereich zu favorisieren.“

Frattini will auch mit Herstellerverbänden und Jugendschützern über freiwillige Selbstverpflichtungen reden. Die Chancen der freiwilligen Selbstkontrolle werden angesichts der Umsatzzahlen aber eher als gering eingeschätzt. Allein in Deutschland wird mit derartigen Computerspielen jährlich 1,2 Milliarden Euro Umsatz gemacht.

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