FPÖ steht auch ohne Strache vor dem Machtkampf: Möglicher Showdown zwischen Hofer und Kickl

Von 10. Oktober 2019 Aktualisiert: 10. Oktober 2019 19:30
Die FPÖ kommt auch drei Wochen nach ihrer Wahlniederlage nicht zur Ruhe. Erst scheiterte der Versuch, Philippa Strache ihr Parlamentsmandat vorzuenthalten, nun mehren sich die Rufe, Norbert Hofer an der Parteispitze durch Herbert Kickl zu ersetzen.

Die Rechnung der FPÖ-Führung, durch einen möglichst scharfen Trennungsstrich gegenüber dem langjährigen früheren Parteivorsitzenden Heinz-Christian Strache nach der Schlappe bei der Nationalratswahl möglichst schnell wieder Tritt fassen zu können, scheint weiterhin nicht aufzugehen.

Nicht nur, dass – wie eine jüngst veröffentlichte „Unique Research“-Umfrage zeigte – der Ex-Parteichef ungeachtet der gegen ihn erhobenen Vorwürfe nach wie vor über einen nicht unerheblichen Rückhalt an der Parteibasis und in der Bevölkerung verfügt. Neben einer Konkurrenz in Form eines Strache-Projekts droht der FPÖ auch ein innerparteilicher Showdown.

Strache verstand zu versöhnen – seine jetzigen Gegner nicht

Wie „Österreich“ berichtet, soll Strache mit früheren BZÖ-Veteranen und potenziellen Geldgebern zwanglos über einen möglichen Testballon-Antritt einer eigenen Liste bei der Wiener Gemeinderatswahl verhandeln. Sollte diese zumindest einen Achtungserfolg erzielen, wäre eine mögliche Strache-Partei auch auf Bundesebene definitiv nicht mehr auszuschließen.

Strache könnte dabei zugutekommen, woran die FPÖ nach seinem Rücktritt bislang gescheitert ist: Neben seinem nach wie vor vorhandenen Charisma ist dies die Fähigkeit, die Hand zur Versöhnung zu reichen. Fast auf den Tag genau vor elf Jahren starb der Urvater einer massentauglichen FPÖ, der frühere Parteichef und Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider, bei einem Autounfall in der Nähe von Klagenfurt. 

Der Rücktritt Haiders als Parteichef hatte die FPÖ bereits in der Zeit der schwarz-blauen Koalition in Bedrängnis gebracht. Sein Austritt und die Gründung des BZÖ 2005 hätten beinahe das politische Aus bewirkt, hätte sich Strache nicht ein Herz gefasst und die Freiheitlichen als schlagkräftige Oppositionskraft wiederaufgebaut.

Über Jahre hinweg vollzogen sich hässliche und giftige Anfeindungen zwischen den beiden Rechtsparteien. Nach Haiders Tod war Strache jedoch einer der Ersten, der dessen langjährige Verdienste würdigte und früheren Freiheitlichen, die Haider aus persönlicher Loyalität heraus ins BZÖ gefolgt waren, eine Rückkehr in die FPÖ in Aussicht stellte. Außerdem verstand es Strache, prominente politische Größen der Partei wie Ex-Vizekanzler Norbert Steger, die sich im Groll zurückgezogen hatten, zurück in die aktive Parteiarbeit zu holen.

Deutliches Kickl-Plus bei den Vorzugsstimmen

Fast ein halbes Jahr nach Straches Rücktritt als Parteichef zeigt sich die neue FPÖ-Spitze um Nachfolger Norbert Hofer demgegenüber immer noch im Modus des Nachtretens. Nachdem die Partei mit ihren Bemühungen gescheitert war, Philippa Strache, die Ehefrau des Ex-Chefs, am Einzug in den Nationalrat zu hindern, will sie diese nicht in den Parlamentsklub aufnehmen.

Aber auch nach der Opferung der Straches als Sündenböcke für das schlechte Abschneiden bei der Nationalratswahl kommt die FPÖ nicht zur Ruhe. Wie „Österreich“ berichtet, könnte der frühere Innenminister und langjährige Generalsekretär der Strache-FPÖ, Herbert Kickl, bald die Machtfrage stellen.

Dass er bei den Vorzugsstimmen zur Nationalratswahl den amtierenden Parteichef Norbert Hofer deutlich hinter sich gelassen hat, werten auch innerhalb der Partei Mitglieder und Funktionsträger als Indiz dafür, dass es um die Begeisterungsfähigkeit gegenüber dem Wähler aufseiten Kickls deutlich besser bestellt sein könnte.

Eine Übernahme des Bundesvorsitzes durch Kickl wäre aber aus Sicht seiner Anhänger nicht nur mit einer personellen, sondern auch einer strategischen Neuausrichtung der Partei verbunden. Während Hofer sich zur Opposition bekennt, aber eine Hintertüre zu einem möglichen Regierungseintritt offenhalten will, stünde Kickl für einen harten und prononcierten Oppositionskurs, wie ihn ab 2005 auch Strache über 12 Jahre hinweg betrieben hatte.

Wollen die Wähler eine „nette“ FPÖ?

Eine solche Option würden vor allem die ostösterreichischen Landesverbände Wien, Niederösterreich und Burgenland befürworten, während die auf Landesebene regierungserfahrenen Verbände im Westen und Süden Österreichs eher auf Hofer und dessen konzilianteren Kurs setzen.

Dieser Weg würde der FPÖ zweifellos eine schnellere Rückkehr in Regierungsbündnisse in Bund und Ländern ebnen – offen bleibt aber, ob sich die Wähler tatsächlich eine „nette“ FPÖ wünschen und wo es dieser gelingen könnte, diese von einem Mehrwert gegenüber einer ÖVP zu überzeugen. Immerhin ist diese unter Sebastian Kurz wieder in der Lage, konservative Wählerschichten zu binden, die der Partei zuvor lange den Rücken gekehrt hatten. Zudem könnte auch ein Strache-Projekt eine solche „FPÖ der leisen Töne“ leichter in den Schatten stellen.

Ein Kickl-Kurs würde hingegen dem Umstand Rechnung tragen, dass die FPÖ als Opposition stets erfolgreicher war denn als Regierungspartei – auch wenn die 16 Prozent vom jüngsten Wahlabend nach dem Ende der 2017 eingegangenen Koalition unter Strache immer noch ein deutlich besseres Ergebnis darstellen als die Umfrageergebnisse von jeweils drei Prozent in den Regierungsjahren 1986 und 2005.

Im erstgenannten Fall setzte sich der „junge Wilde aus Kärnten“, Jörg Haider, in einer Kampfabstimmung am Innsbrucker Parteitag gegen den glücklosen Norbert Steger durch, im zweiten Fall begann nach der Parteispaltung in BZÖ und FPÖ der Wiederaufstieg der Partei unter HC Strache. Ein Parteichef Kickl hätte es auch leichter, einem Konkurrenzprojekt Straches durch eine früher oder später erfolgende Rehabilitierung die Grundlage zu entziehen.

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