“Grüne Göttin” blüht im Londoner Wahlkampf auf

Von 21. März 2008 Aktualisiert: 21. März 2008 1:20
Beim Wahlkampf um das Londoner Bürgermeisteramt macht eine unkonventionelle Grünen-Politikerin von sich reden. Die acht-Millionen-Metropole soll durch ein kostenloses Hausisolierungsprogramm "grüner" werden und den Flughafen will sie schließen und in einen „grünen Industriepark“ verwandeln.

Die politische Karriere der Sian Berry begann vor vier Jahren, als sie falsche Strafzettel an Jeep-Fahrer in Nord London verteilte.

Im vergangenen Jahr überredete sie den Londoner Bürgermeister Ken Livingstone, eine besondere Steuer auf diese so genannten “Chelsea Traktoren” einzuführen.

Berry hat einige größere Ideen, wie London in eine ökologische Stadt verwandelt werden könnte. Jetzt kandidiert sie auf der Grünen Liste für den Bürgermeisterposten, damit sie dies gleich selbst in die Hand nehmen kann.

„Wenn man normalerweise an die Grünen denkt, denkt man daran, wie sie alle auf dem Land Bäume umarmen sollten.“, sagt sie. „Doch eigentlich müssten sie in den Städten sein. Dort gibt es viele Möglichkeiten, etwas zu verändern.“

Berry, ein Gründungsmitglied der Allianz gegen Allradantrieb in der Stadt (Alliance Against Urban 4×4), stieg in den vergangenen sieben Jahren schnell bei den Grünen auf, nicht zuletzt wegen ihrer spektakulären Aktionen.

Einmal stand sie auf dem Spielfeld des FC Chelsea, verkleidet als eine der Spielerfrauen mit dem Plakat: „Dein Range Rover ist over“.

Der „Grünen Göttin“, wie sie in den Medien genannt wird, wird auch zugeschrieben, sich mit zwei Bin-Laden-Doubles und einem Kanister falschen Nuklearabfalls in die Downing Street gestellt zu haben mit dem Schild: „Vielen Dank für die geschenkte Nuklearenergie“.

Jetzt will die fotogene 33-jährige politische Schwergewichte wie Boris Johnson und Ken Livingstone in den Londoner Bürgermeisterwahlen im Mai angehen. Und sie ist sich eindeutig der Bedeutung dieses Schrittes bewusst.

„Ein paar von den Grünen konnten in den vergangenen vier Jahren ganz gut mitreden,“ sagt sie. „Wir hatten zwei aktive Mitglieder in der Londoner Versammlung und sie hatten die entscheidenden Stimmen bei der Abstimmung über das Budget des Bürgermeisters.“

„Zur Zeit können wir Reformen nur durch lange Verhandlungen einführen. Wenn wir einen grünen Bürgermeister hätten, würden wir Sachen viel einfacher durchbekommen.“

Berry wurde in Cheltenham als Tochter eines Lehrerehepaars geboren. Sie verlor 2005 im Wahlkreis Hamstead und Highgate gegen Glenda Jackson und schaffte es ebenso nicht, 2002 und 2006 einen Sitz als Gemeinderat in Camden zu erhalten.

Jedoch hat Berry eindeutig ein attraktives Angebot an Reformen vorzuschlagen, was sie zu einem harten Gegner für den „Politik-freien“ konservativen Kandidaten Boris Johnson macht.

Sie fordert günstige Kredite für erneuerbare Technologien, kostenlose Isolierung für jedes Haus, das diese benötigt, sowie solarbetriebene elektrische Heizungen für 100.000 Haushalte innerhalb der nächsten sieben Jahre.

Um diese Veränderungen zu finanzieren, lehnt sie es allerdings ab, die Gemeindesteuer zu erhöhen. „Ich halte die Gemeindesteuer sowieso für unfair. Sie trifft ungerechterweise hauptsächlich die Armen; ich würde so etwas nicht erhöhen.“

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„Die London Development Agency (LDA) hat ein Budget von 400 Millionen Pfund und nur 29 Millionen davon werden für nachhaltige Entwicklung ausgegeben. Das ist verhältnismäßig wenig.“

„Ich will das Geld für die Unterstützung kleiner Unternehmen in London verwenden, damit wir unsere Wirtschaft nicht so von großen Ölkonzernen abhängig ist. Das restliche Geld würde ich für kostenlose Hausisolierung ausgeben.“

Sie sagt, sie würde auch vorschlagen, den Londoner Flughafen zu schließen und in einen „grünen Industriepark“ zu verwandeln, um kleine Unternehmen zu unterstützen.

Eines der Hauptprobleme mit dem aktuellen Bürgermeister Ken Livingstone, war seine „Obsession mit Hochhäusern.“ sagt sie.

Sie fügt hinzu: „Ken kann es besser, aber er hat einfach nicht die richtige Vision für die Zukunft der Londoner Wirtschaft. Sicherlich hat er grüne Ideen im Kopf, aber mit den konkreten Umsetzungen in der Praxis habe ich so meine Probleme.“

Es ist nicht überraschend, dass sie es auf Boris Johnson besonders abgesehen hat.

Sollte Boris gewinnen, hätten die Konservativen eine absolute Mehrheit im Londoner Parlament und der Bürgermeister müsste für die Verwirklichung seiner Pläne nicht mehr so hart um die Unterstützung der zwei grünen Abgeordneten kämpfen.

Dieses Druckmittel zu verlieren, würde das Ende grüner Reformen bedeuten, glaubt sie.

„Die Konservativen sind sehr gut darin, grüne Politik in ihre Schranken zu verweisen,“ sagt sie. „Das ist eine sehr erschreckende Vorstellung. Ich vertraue Boris überhaupt nicht. Er wirkt auf den ersten Blick recht sympathisch, doch dahinter verbirgt sich ein übler Konservativer.“

Aber während die Vorstellung eines grünen Londoner Bürgermeisters in weiter Ferne liegt, glaubt Berry, dass die Stadt bereits grüner ist als die meisten anderen. Mehr Menschen benutzen Busse und fahren Fahrrad als irgendwo anders in Endland.

Außerdem gibt es, sagt sie, acht grüne Bürgermeister in Amerika – „und das ist Amerika!“ fügt sie hinzu. Es gibt auch Grüne in diesem Amt in Paris und Brüssel.

Während sie meint, dass es „recht überraschend“ wäre, würde sie gewinnen, setzt sie hinzu: „Als man ursprünglich zum ersten Mal die Idee eines Bürgermeisteramtes hatte, dachte man an jemanden ohne jegliche Parteibindung. Warum sollten wir also nicht auch einen grünen Bürgermeister haben.“