Österreich: 80 Prozent halten Ausgangssperre ein – Schule und Betriebe mit Onlinemodus zufrieden

Von 18. März 2020 Aktualisiert: 18. März 2020 7:38
In einem Interview zeigt sich Österreichs Gesundheitsminister Rudolf Anschober zufrieden mit der disziplinierten Reaktion der Bürger auf die jüngst verfügte Ausgangssperre. Positiv verlief auch der Start des breiten Umstiegs auf Heimunterricht und Homeoffice.

In Österreich liegt die Zahl der festgestellten Fälle von Infektionen mit dem Coronavirus mit Stand vom gestrigen Montag (16.3.) bei 1332. Zuletzt sind Worldometer zufolge 314 neue Fälle dazugekommen. Bei 1320 der festgestellten Infektionen handelt es sich demnach um aktive Fälle. Davon befinden sich 12 in kritischem Zustand. Vier Personen sind bislang an den Folgen der Erkrankung verstorben, acht genesen. Am Sonntag wurde eine weitreichende Ausgangssperre für die gesamte Bevölkerung angeordnet.

In einem Interview mit den „Oberösterreichischen Nachrichten“ bestätigt Gesundheitsminister Rudolf Anschober, dass die Zahl der Neuinfektionen in Österreich derzeit täglich im Schnitt um 36 Prozent steige.

Werden sich 60 Prozent der Menschen in Österreich infizieren?

Eine Verschärfung der am Sonntag verkündeten Maßnahmen zur Drosselung der Sozialkontakte sei derzeit nicht angedacht. Man wolle aus der derzeit hohen Steigerungskurve eine längere, flachere Kurve der Zahl der Erkrankten machen. Im derzeitigen frühen Stadium mit einer noch verhältnismäßig geringen Anzahl an Betroffenen sei das jetzt noch einfacher als es das bei einer noch stärkeren Verbreitung wäre.

Expertenmeinungen, wonach fast 60 Prozent der Bevölkerung erkranken würden, wollte Anschober nicht bestätigen:

Andere Experten gehen von geringeren Zahlen aus. Aber die nächsten vier Wochen sind entscheidend. Wenn wir gut durch diese Zeit kommen und die Spitalsressourcen nicht überlasten, haben wir einen wichtigen Schritt geschafft.“

Gesundheits-Infrastruktur weiter funktionstüchtig

Bislang habe Österreich Glück im Unglück, weil die meisten Infizierten jünger seien und in über 85 Prozent der Fälle die Erkrankung mild verlaufe, sodass man sie zu Hause kurieren könne. Nur 12 Personen bräuchten derzeit eine Intensivbehandlung, etwa 100 weitere eine stationäre im Krankenhaus. Dafür sei Österreichs Gesundheitssystem gerüstet – und Ziel der Maßnahmen der Regierung sei es, diesen Zustand auch im Fall einer Steigerung der Zahl der Infizierten beibehalten zu können.

„Es geht darum, die Ansteckungswahrscheinlichkeit zu verringern“, erläutert der Minister. „Aus Modellen wissen wir, dass sich diese Wahrscheinlichkeit halbiert, wenn man die Sozialkontakte um 25 Prozent reduziert. Auf dieses erklärte Ziel arbeiten wir hin. Und wir müssen die Spitäler so vorbereiten, dass wir für den Fall einer massiven Steigerung von schweren Fällen gerüstet sind.“

Ausgangssperre, weil „zehn bis 15 Prozent der Menschen […] das ziemlich gleichgültig war“

Anschober geht davon aus, dass die zuletzt angeordneten Maßnahme von 80 Prozent der Menschen im Land verinnerlicht und in solidarischer Weise befolgt wurden.

„Aber es gab auch zehn bis 15 Prozent der Menschen, denen das ziemlich gleichgültig war“, führt der Minister weiter aus. „Deswegen haben wir am Wochenende entschieden, noch einmal nachzuschärfen. Es ist nicht okay, wenn sich so viele nicht an Regeln halten, die für jeden lebensentscheidend sein können. Ich sehe die Verkehrsbeschränkung recht gespalten, in einer aufgeklärten Demokratie ist das eine sehr schwierige Entscheidung. Es ist ein Abwägungsprozess, der klar ausgefallen ist: Wir retten damit Leben.“

Keine weiteren Quarantänegebiete in Sicht

Die Anordnungen zur Einschränkung sozialer Kontakte sind vorerst bis Ende der Woche befristet. Bis dahin wolle man es geschafft haben, vom derzeitigen Steigerungsgrad der Neuinfektionen auf 20 Prozent herunterzukommen. Dann könne man entscheiden, welche Maßnahmen sich als erfolgreich erwiesen hätten und was noch veranlasst werden müsse.

In einer Pressekonferenz am Dienstagnachmittag erklärte Anschober zudem, es seien derzeit keine weiteren Quarantäne-Regionen geplant. Solche würden erst dann in Erwägung gezogen, wenn in einer Gegend eine Häufung der Fallzahlen in einer Größenordnung aufträte, wie dies im Paznauntal der Fall gewesen sei. Mit ersten nachhaltigen Effekten der Maßnahmen rechne man acht bis zehn Tage nach deren Inkrafttreten.

Sein Regierungskollege Innenminister Karl Nehammer bedankte sich für das Verständnis in der Bevölkerung und deren Mitwirken bei der Umsetzung des Anti-Corona-Pakets. Der Schulbetrieb im Land sei um 95 Prozent zurückgegangen, etwa 70 Prozent weniger Menschen nützten den öffentlichen Verkehr.

Probleme beim Zugriff auf Seiten waren serverbedingt

Sorgen bereite die Situation am Grenzübergang Suben in Richtung Deutschland, wo es aktuell zu 20 bis 25 Kilometer langen Rückstaus komme.

Zufrieden mit der Bewältigung der Corona-bedingten Umstellungsmaßnahmen zeigen sich unterdessen auch Österreichs größte Internetanbieter A1, Magenta und Drei. In der „Presse“ erklärte der Chef der österreichischen Regulierungsbehörde RTR, Klaus Steinmaurer, die österreichischen Netze „halten das im europäischen Vergleich am besten aus“, dass Schulen und Betriebe ihre Arbeitsweise auf Homeoffice und Heimunterricht umgestellt hätten.

Zwar seien die ersten Konferenz-Plattformen und Kommunikationstools wie die Lernplattformen Eduthek.at, LMS und Moodle zwar schon am ersten Tag der Ausgangsbeschränkungen an ihre Grenzen gestoßen. Grund dafür sei aber nicht die Internetverbindung gewesen, sondern die beschränkten Serverkapazitäten.

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