Sebastian Kurz: Österreichs „Wunderwuzzi“ steuert ins Kanzleramt

Epoch Times15. Oktober 2017 Aktualisiert: 15. Oktober 2017 19:26
Nach der Parlamentswahl in Österreich ist die ÖVP der Sieger – und damit auch Parteichef Sebastian Kurz. Der 31-Jährige ist auf dem besten Weg, der nächste Bundeskanzler Österreichs zu werden – und damit der jüngste Regierungschef Europas.

Jetzt ist es in greifbarer Nähe: Nach seinem Wahltriumph bei der Parlamentswahl in Österreich steuert der erst 31-jährige ÖVP-Chef und Außenminister Sebastian Kurz auf das Kanzleramt zu. Kurz kann an der Spitze einer Regierungskoalition mit der weiter erstarkten FPÖ Bundeskanzler Österreichs werden – und damit der jüngste Regierungschef Europas.

Sein rasanter Aufstieg in der Politik Österreichs brachte ihm den Spitznamen „Wunderwuzzi“ ein – das österreichische Pendant zum Tausendsassa. Kurz gilt als eines der größten Politik-Talente Österreichs. Geboren am 27. August 1986 als Sohn einer Lehrerin und eines Ingenieurs in Wien, schließt er sich schon als Schüler der Jungen ÖVP an, 2008 wird er deren Landesvorsitzender in der Hauptstadt und 2009 sogar ihr Bundesvorsitzender.

Spott und Häme verwandeln sich in Respekt

Landesweit bekannt wird der Jung-Politiker bei der Wiener Landtagswahl 2010, bei der er mit dem „Geil-o-Mobil“, einem schwarzen Geländewagen, durch die Hauptstadt kurvt. Für die Kampagne handelt sich Kurz zwar viel Spott und Häme ein – er sichert sich aber sein erstes Abgeordnetenmandat im Wiener Gemeinderat.

Auch seine Ernennung zum Staatssekretär für Integration im Innenministerium im April 2011 sorgt zunächst für Skepsis und Kritik. Für den Karrieresprung bricht der 24-Jährige sein Jura-Studium ab, Kritiker bemängeln seine mangelnde Erfahrung und sein mal schnöseliges, mal draufgängerisches Auftreten.

Doch der zur Nachwuchshoffnung der ÖVP avancierte Wiener überrascht seine Kritiker durch auffallend gutes Benehmen – und einige vorweisbare Erfolge wie den Ausbau der Sprachförderung in Kindergärten.

Im März 2014 übernimmt der Studienabbrecher, der über keinerlei diplomatische Erfahrung verfügt, das Außenministerium. Der 27-Jährige ist damit der jüngste Außenminister in der EU. Wieder gibt es viele Zweifel und Vorbehalte, doch Kurz erarbeitet sich als Chefdiplomat schnell einen guten Ruf: Er gilt als pragmatisch, freundlich und immer gut vorbereitet.

Gleichzeitig geht er forsch an seine neue Aufgabe heran: In der Flüchtlingskrise gibt sich Kurz als Hardliner. Er kritisiert die deutsche Willkommenskultur, setzt in Österreich eine Obergrenze für Migranten und schließlich die Schließung der Balkanroute durch.

Im Sommer 2016 schlägt er sogar vor, Migranten im Mittelmeer abzufangen und sie direkt in ihre Heimat zurückzuschicken oder auf Inseln zu internieren – nach dem Vorbild der umstrittenen australischen Asylpolitik.

Auch in der Türkei-Politik bevorzugt Kurz scharfe Töne: Er spricht sich gegen das Flüchtlingsabkommen der EU mit Ankara aus und fordert wiederholt einen Abbruch der EU-Beitrittsverhandlung mit der Türkei.

Populär bei den Wählern

Seine Forderungen bringen dem Jungpolitiker viel Aufmerksamkeit ein, bei den österreichischen Wählern ist er populär. Als der bisherige ÖVP-Chef und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner im Mai zurücktritt, wittert Kurz seine Chance und wird neuer Parteichef.

Zugleich führt er den Bruch der großen Koalition mit der SPÖ herbei, und schlägt weiter dezidiert rechtsgerichtete Töne an – beides beschert seiner Partei in der Wählergunst einen Höhenflug, der die lange führende FPÖ auf Platz zwei verdrängt. Der Weg ins Kanzleramt ist nun frei – vermutlich unter Beteiligung der FPÖ.

(afp)

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