Tschechiens Senatspräsident Kubera stand vor seinem Tod unter starkem chinesischen Druck – Witwe findet zwei Drohbriefe

Von 29. April 2020 Aktualisiert: 29. April 2020 15:33
Der ehemalige tschechische Senatspräsident Kubera, der Taiwan im Februar besuchen sollte, verstarb kurz vor seiner Abreise. Seine Witwe hat sich nun an die Medien gewandt: Sie fand „Drohbriefe“ bei seinen Habseligkeiten, welche ihn von der Reise abhalten wollten. Die Briefe kamen von der chinesischen Botschaft und vom Büro der tschechischen Präsidentschaft.

Tschechiens Senatspräsident ist am 20. Januar dieses Jahres gestorben. Sein Tod hat die politische Welt in Tschechien erschüttert. Er war laut „Reuters“ 72 Jahre alt und litt nicht an Krankheiten. Kubera war ein konservativer Politiker, der für seine Politik des „gesunden Menschenverstandes“ bekannt war.

Jaroslav Kuberas Frau Věra Kuberová und seine Tochter Vendula Vinšová haben sich nun den Medien zugewandt – denn es gibt Unstimmigkeiten um seinen Tod. Beide haben am 27. April beim tschechischen Fernsehsender „168 hodin“ ein Interview gegeben.

Věra Kuberová sagte, dass ihr Mann drei Tage vor seinem Tod vom chinesischen Botschafter Zhang Jianmin zu einem „sehr unangenehmen Geheimtreffen“ eingeladen worden war. Zhang bat den tschechischen Senatspräsidenten, Taiwan nicht mehr zu besuchen. Nach Angaben seiner Frau wurde Kubera – getrennt von seinem Mitarbeiter – in einen Raum gebeten, wo er sich alleine mit dem chinesischen Botschafter und einem Übersetzer aufhielt.

Drohbriefe wollten Kubera von der Reise abhalten

Als die Familie der Witwe eine Bestandsaufnahme der Habseligkeiten des Verstorbenen vornahm, fand sie jeweils einen „Drohbrief“ der tschechischen Präsidentschaft und der chinesischen Botschaft – beide wollten den Besuch in Taiwan verhindern und machten Andeutungen auf „die Sicherheit der Familie“. Věra sagte im Interview mit „168 hodin“, dass sie und ihre Tochter nach der Lektüre der Briefe entsetzt waren und dachten, der Inhalt der beiden Briefe habe Kubera umgebracht.

Ihnen zufolge änderte sich das Verhalten von Kubera nach einem Neujahrsessen mit Präsident Miloš Zeman am 14. Januar (sechs Tage vor seinem Tod), wie das tschechische Staatsfernsehen „ct24“ schreibt. Dort wurde Kuberas geplante Reise nach Taiwan besprochen, und dort erhielt Kubera das umstrittene Dokument.

„Tschechische Unternehmen werden für den Besuch bezahlen“

Tschechische Unternehmen werden für Kuberas Reise bezahlen, heißt es in dem Brief, der Kubera beim Neujahrsessen gegeben wurde. Die Unterschrift des Autors fehlt auf dem Papier, doch der Stempel ist von der chinesischen Botschaft. In neun Punkten erklärt die Botschaft, warum die Reise des zweithöchsten Verfassungsbeamten der Tschechischen Republik nach Taiwan für China nicht akzeptabel ist.

„Der Besuch vom Senatspräsidenten Kubera in Taiwan wird niemandem helfen. Wir hoffen, dass die tschechische Seite an der ‚Ein China Politik‘ festhält und diesen Besuch absagt, um so die Verletzung der chinesisch-tschechischen Beziehungen zu verhindern“, heißt es in dem Brief.

Das Dokument beschreibt auch, wie China auf Kuberas Reise reagieren würde: „Tschechische Unternehmen, deren Vertreter mit Senatspräsident Kubera Taiwan besuchen werden, werden vom chinesischen Volk in China nicht begrüßt.“ Weiter heißt es im Brief:

Tschechische Unternehmen mit wirtschaftlichen Interessen in China müssen für den Besuch von Kubera in Taiwan bezahlen.“

Kubera ließ sich nicht von der Reise abbringen

Vendula Vinšová sagte im Interview, sie sei so stolz auf ihren Vater, der seine Haltung nie geändert habe, und „wir glauben, dass er sein Leben dafür gegeben hat“. Sie sagte, Kubera habe nach einem Festmahl zum Neujahr im Präsidentenpalast am 14. Januar verändert gewirkt und wollte nicht über den Abend sprechen. Frau Kuberová sagte, dass ihr Mann sieben Tage vor seinem Tod immer weniger gesprochen hätte und immer depressiver wurde – das wäre noch nicht so vorgekommen, sagte sie dem Fernsehsender.

„Er hat mir immer alles erzählt, aber diesmal hat er mir nichts gesagt, nur dass alles ok ist. Er ging nachts durch den Garten und er war nervös. Das hat mich überrascht, denn sowas habe ich zum ersten Mal seit zweiundfünfzig Jahren Ehe bei ihm erlebt“, erklärte Věra Kuberová.

Frau Kuberová betonte im Interview, dass Kubera darauf bestand, Taiwan zu besuchen. Einmal sagte er zu seiner Familie: „In den Tagen der kommunistischen Diktatur konnte niemand Kubera aufhalten! Wie kann es jetzt, da die Tschechoslowakei eine Demokratie ist, gerechtfertigt sein, einem solchen Druck nachzugeben?“

Nachfolger des Senatspräsidenten drängt auf Antworten

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Kuberas Nachfolger Miloš Vystrčil sagte, er habe als Antwort auf den großen Skandal der „Zwei Drohbriefe“ drei aufeinander folgende Briefe an Präsident Miloš Zeman geschickt und um Erklärungen gebeten, doch Präsident Zeman lehnte die Einladung zur Befragung und Untersuchung durch den Kongress ab. Vystrčil versicherte, dass die Drohbriefe untersucht würden, damit die Familie von Kubera die Wahrheit erfährt und „um die tschechische Souveränität und Freiheit zu verteidigen“.

Zuvor berichtete „Reuters“, dass ein Brief, der am 10. Januar von der chinesischen Botschaft in Prag an die tschechische Präsidentschaft geschickt und anschließend an Kubera weitergeleitet wurde, darauf hindeutete, dass tschechische Unternehmen wie der Autohändler Skoda, die tschechische Verbraucherfinanzierungsfirma Home Credit Group und der Musikinstrumentenhersteller Petrof Pianos leiden würden, wenn Kubera im Februar mit einer Delegation nach Taiwan fahren würde.

Der taiwanesische Politiker Wang Ting-yu sagte, dass Kubera, der in diesem Jahr Taiwan besuchen wollte, im Januar verstorben sei und dies nicht tun konnte – aber ausländische Medien berichteten, dass die Kommunistische Partei Chinas die Tschechische Republik davor gewarnt habe, dass hohe Beamte Vergeltungsmaßnahmen gegen große tschechische Unternehmen ergreifen würden, wenn sie Taiwan besuchen würden. Kubera rief seine Nation dazu auf, das Übel des chinesischen kommunistischen Regimes klar zu sehen.