Wut in griechischer Region über Umbenennung Mazedoniens

Epoch Times23. Januar 2019 Aktualisiert: 23. Januar 2019 16:01
In der nordgriechischen Region Makedonien, der Heimat Alexander des Großen, sind die Menschen nach wie vor erbost. Sie wollen in dem Namensstreit so schnell nicht aufgeben.

Angesichts der bevorstehenden Abstimmung des griechischen Parlaments, das die Umbenennung des Nachbarlandes Mazedonien voraussichtlich billigen wird, atmen viele europäische Hauptstädte auf. Ein seit 27 Jahren schwelender Konflikt könnte damit zu Ende gehen. In der nordgriechischen Region Makedonien hingegen – der Heimat Alexander des Großen – sind die Menschen nach wie vor erbost. Sie wollen in dem Namensstreit so schnell nicht aufgeben.

„Wie kann ein anderes Land Mazedoniens Namen tragen? Was sind wir dann?“, fragt die 39-jährige Eleni, die einen Andenkenladen in Vergina knapp 500 Kilometer nördlich von Athen betreibt. „Das ist, als nähme man uns unsere Seele, unsere Geschichte und unsere Kultur weg.“

Elenis Laden liegt nur wenige Meter von den Grabmälern der antiken mazedonischen Könige entfernt – einer der wichtigsten archäologischen Stätten in Griechenland. Unter den dort Begrabenen ist auch König Philipp der II., der Vater von Alexander dem Großen.

Die Vereinbarung, die am Donnerstagabend vom Parlament in Athen beschlossen werden dürfte, sieht vor, dass Griechenlands Nachbar mit dem derzeitigen Namen Ehemalige Jugoslawische Republik Mazedonien (FYROM) künftig Republik Nordmazedonien heißen soll. Athen zufolge sollen davon beide Länder – etwa beim Handel – profitieren.

Kritiker in der griechischen Region Makedonien dagegen argumentieren, dass der zwischen dem griechischen Regierungschef Alexis Tsipras und seinem mazedonischen Kollegen Zoran Zaev ausgehandelte Deal nur Verwirrung und neue Probleme schaffen wird. Besonders kritisch sehen sie die Anerkennung einer mazedonischen Sprache und Identität nördlich der Grenze.

Viele Häuser im kleinen Dorf Vergina sind mit der blauen Flagge mit der gelben Vergina-Sonne geschmückt – einem historischen mazedonischen Symbol, das der Königsfamilie von Philipp II. zugerechnet wird. Souvenir-Verkäuferin Eleni zufolge sind ausländische Besucher aber eher mit der rot-gelben Flagge Skopjes vertraut, die auch eine Sonne zeigt.

„Die Touristen kommen aus allen möglichen europäischen Ländern und wollen die Flagge von Mazedonien kaufen“, sagt Eleni. „Wenn ich ihnen die blaue Flagge zeige, sagen sie mir, dass ich falsch liege und sie rot und gelb sein sollte“, erzählt sie wütend. „Das ist es, was unsere Politiker erreicht haben: dass die Leute glauben, Mazedonien ist nicht in Griechenland!“

Auch nördlich der Grenze gibt es Vorbehalte gegen die Namensänderung. Einige sind unwillig, den Namen ihres Landes zu ändern, um Griechenland zu beschwichtigen. Proteste gegen die Vereinbarung gab es beiderseits der Grenze.

Der Namensstreit belastet die Beziehungen zwischen Griechenland und seinem nördlichen Nachbarn seit fast drei Jahrzehnten. Der Konflikt reicht ins Jahr 1991 zurück, als die ehemalige jugoslawische Teilrepublik ihre Unabhängigkeit erklärte und den Namen Mazedonien wählte. Aus Sicht Griechenlands ist der Name Mazedonien jedoch Teil des griechischen Nationalerbes. Athen blockierte mit seiner Haltung die Beitrittsgespräche Skopjes mit der EU und der Nato.

Tsipras linksgerichtete Regierung wirft rechtsgerichteten Hardlinern vor, zu den Protesten gegen die Namensänderung angestachelt zu haben. Mehrere Abgeordnete haben nach eigenen Angaben bereits Morddrohungen bekommen.

„Hängt die Verräter“, riefen Demonstranten bei einer Kundgebung gegen die Namensänderung vor wenigen Tagen im nordgriechischen Veria. Ein Bürgermeister sagte vor den rund tausend Protestteilnehmern, Griechenland sei von den „sogenannten Verbündeten“ Deutschland und USA zu der Vereinbarung mit Skopje „gedrängt“ worden.

„Es muss ein Referendum geben“, forderte der Demonstrant Nikos Kalaitzidis. „Die meisten Griechen wollen diese Vereinbarung nicht.“ Bald würden die Mazedonier Anspruch auf antike mazedonische Städte erheben. Einer jüngeren Umfrage zufolge lehnen knapp 70 Prozent der Griechen die Vereinbarung ab.

„Wir können das nicht akzeptieren. Wir werden unseren Kampf fortsetzen, auch wenn die Vereinbarung gebilligt wird“, sagt der Bewohner von Vergina, Vangelis Mavridis.

jep/ck

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