4. Juni 1989: Tausende Tote beim Tiananmen Massaker in Peking – Gibt es Hoffnung für ein demokratisches China?

Epoch Times4. June 2018 Aktualisiert: 5. Juni 2018 15:32
Das Tiananmen Massaker von Peking jährt sich heute zum 29. Mal. Die Opferzahlen variieren von 200 (laut chinesischer Regierung) bis 10.000 (laut einem britischen Diplomaten). Heute ist China nach wie vor weit von einer Demokratie entfernt, ganz im Gegenteil, Unterdrückung der Menschenrechte und staatliche Überwachung nehmen rasant zu.

Heute am 4. Juni jährt sich zum 29. Mal das Vorgehen der Regierung gegen prodemokratische Demonstranten auf dem Tiananmen-Platz in Peking.

Die Regierung hat nie die Zahl der Todesopfer durch die Niederschlagung am 4. Juni 1989 veröffentlicht, aber Schätzungen von Menschenrechtsgruppen und Zeugen reichen von mehreren Hundert bis zu mehreren Tausend. Nach Einschätzung des damaligen britischen Botschafters sind jedoch deutlich mehr Menschen getötet worden als bislang angenommen.

„Mindestschätzung von 10.000 toten Zivilisten“, schrieb der Diplomat Alan Donald am Tag nach dem Blutbad in der chinesischen Hauptstadt in einem Telegramm an seine Regierung. Die Nachrichtenagentur AFP konnte das bislang geheim gehaltene Dokument im britischen Nationalarchiv einsehen.

60 „Analphabeten“ haben das Verbrechen für die Regierung ausgeführt

Die chinesische Armee war in der Nacht zum 4. Juni 1989 mit Panzern gegen Studenten vorgegangen, die auf dem Pekinger Tiananmen-Platz wochenlang für mehr Demokratie demonstriert hatten.

Für die Gräueltaten seien Soldaten der 27. Armee verantwortlich gewesen, die „zu 60 Prozent Analphabeten sind und als Primitive gelten“, schrieb Donald. Als die Soldaten aufmarschierten, sei den Studenten zu Verstehen gegeben worden, dass sie eine Stunde zum Verlassen des Tiananmen-Platzes hätten, „doch nach fünf Minuten griffen die Panzer an“.

Die Schilderungen des damaligen britischen Botschafters zeugen von der brutalen Gewalt, mit der die Proteste niedergeschlagen wurden. Demonstranten und auch Soldaten seien von Panzern „niedergemäht“ worden. Die Panzerwagen seien immer wieder über sie gerollt und hätten sich regelrecht zermalmt. „Die sterblichen Überreste wurden angezündet und dann mit Wasser in Gullys gespült“, schrieb Donald. Krankenwagen, die den Verletzen zur Hilfe kommen wollten, seien beschossen worden.

Die chinesische Regierung hat das Massaker immer verharmlost und erklärte Ende Juni 1989, bei der Unterdrückung der „konterrevolutionären Aufstände“ seien 200 Zivilisten und mehrere Dutzend Sicherheitskräfte getötet worden. Die Führung in Peking lässt bis heute keine echte Aufarbeitung der Vorfälle zu, jeglicher Bericht über das Blutbad wird zensiert. Nur in dem halbautonomen Hongkong wird regelmäßig an das Blutbad erinnert.

Enorme Unzufriedenheit und Wut über Korruption, wirtschaftliche Misswirtschaft und Vetternwirtschaft

China rutschte 1988 in ein wirtschaftliches Chaos, wobei Panikkäufe durch eine steigende Inflation von mehr als 30 Prozent in den Städten ausgelöst wurden. Die öffentliche Unzufriedenheit, verbunden mit dem Tod des reformgesinnten kommunistischen Parteiführers Hu Yaobang am 15. April 1989, bildete den Rahmen für die Demonstrationen.

Mehr als eine Million Menschen strömten ins Zentrum von Peking, um ihre Wut gegen Korruption, wirtschaftliche Misswirtschaft, Vetternwirtschaft und schlechte Karriereaussichten für Studenten zu zerstreuen. Auf dem Platz des Himmlischen Friedens errichteten die Studenten ihre eigene Statue „Göttin der Demokratie“ gegenüber dem offiziellen Porträt des kommunistischen Revolutionsführers Mao Zedong.

Nach wochenlangen Protesten auf dem Platz zerschmetterten die von Panzern unterstützten Truppen die Demonstrationen und führten zu einer weltweiten Verurteilung. Das Filmmaterial eines einsamen Demonstranten, der vor einer Reihe von Panzern steht, ist zu einem der mächtigsten Symbole des 20. Jahrhunderts geworden.

Im Jahr 2009 brach der reformistische chinesische Führer Zhao Ziyang das offizielle Schweigen über die Niederschlagung der Tiananmen im Jahr 1989 und verurteilte die Ermordung von Demonstranten als „Tragödie“ in Aufzeichnungen, die vier Jahre nach seinem Tod veröffentlicht wurden. Doch als der 28. Jahrestag näher rückt, hat Chinas Präsident Xi Jinping keine Anzeichen dafür gezeigt, dass seine Führung ihre Haltung zu dem Vorfall ändern wird.

Gibt es Hoffnung für ein demokratisches China?

Drei Jahre nach dem Massaker in Peking ging ein Mann an die Öffentlichkeit, der Chinas größte und einzige Hoffnung war, das Land zu Moral und Werten in Gesellschaft und Wirtschaft zurückzuführen.

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1992 stellte Li Hongzhi den Chinesen Falun Gong vor – ein Kultivierungsweg für Körper und Geist. Diese Praktik sollte den Menschen nicht nur mehr Gesundheit und Vitalität bringen, sondern sollte ihnen den Weg zurück zu einem selbstlosen Leben zeigen – frei von Egoismus, Gier, Lug und Betrug.

Spätesten seit dem Massaker von 1989 hatten die Chinesen erkannt, dass friedliche Proteste keinen Ausweg aus der Misere lieferten. Falun Gong half den Menschen, sich auf sich selbst zu besinnen und alle Formen des Egoismus zuerst bei sich selbst zu beseitigen. Nur so konnte eine Wende gelingen, die Reformen mussten von innen heraus geschehen.

Falun Gong fand in den ersten Jahren nach seiner Veröffentlichung enorm großen Anklang bei den Menschen in China. Es verbreitete sich wie ein Lauffeuer und innerhalb weniger Jahre gab es rund 100 Millionen Praktizierende – bis hinauf in die höchsten Kader der Regierung.

Doch allmählich schien der damalige Staatspräsident Jiang Zemin kalte Füße zu bekommen, denn schon nach fünf bis sechs Jahren begann man auch Falun Gong und die Praktizierenden schrittweise zu unterdrücken. Diese Unterdrückung erreichte ihren Höhepunkt am 25. April 1999, als man den friedlichen Appell von rund 10.000 Praktizierenden an die Regierung in Peking auflöste mit dem Versprechen, man werde die bereits inhaftierten Praktizierenden freilassen.

Dieses Versprechen war eine einzige Hinterlist, um die Situation zu beruhigen und sich Zeit zu verschaffen, die Voraussetzungen für eine flächendeckende, landesweite Verfolgung zu schaffen. Drei Monate später, am 20. Juli 1999, wurden in einer Nacht- und Nebelaktion hunderttausende Praktizierende aus ihren Häusern gerissen und ins Gefängnis gebracht. Dort wurden sie misshandelt und gefoltert, um die Namen anderer Praktizierender preiszugeben und selbst eine Verzichtserklärung zu unterschreiben.

Damit begann eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte des modernen Chinas. Bis heute wird Falun Gong mit aller Brutalität verfolgt, Praktizierende sitzen unschuldig zu hunderttausenden in den Gefängnissen und werden dort als lebende Organbank gehalten. Gefangen, weil sie einen Weg gehen, der sie zu Wahrhaftigkeit, Barmherzigkeit und Nachsicht anleitet, Tugenden, von denen das korrupte und mörderische Regime in China nichts wissen will.

(reuters/afp/mcd)

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