So spekulieren Experten über Trump-Kim-Gipfel: Was uns erwartet

Von 26. Februar 2019 Aktualisiert: 27. Februar 2019 8:35
US-Präsident Donald Trump trifft sich mit dem nordkoreanischen Führer Kim Yong Un zum zweiten Gipfel. Ziel der USA ist die Entnuklearisierung Nordkoreas. Experten äußern sich bereits im Vorfeld zu den Gesprächen, was uns erwarten wird. Was China angeht, sind sich die Experten einig: China will keinen Frieden.

Anlässlich des kommenden Treffens zwischen US-Präsident Donald Trump und Staatschef Kim Jong Un spekulieren Experten bereits über mögliche Ergebnisse des Trump-Kim-Gipfels in Vietnam.

Am 24. Februar veröffentlichte Trump kurz vor seiner Abreise drei Tweets über Nordkorea. Im ersten Tweet heißt es: „Ich werde morgen früh nach Hanoi, Vietnam, zu einem Gipfel mit Kim Jong Un aus Nordkorea aufbrechen. Wir beide erwarten weitere Fortschritte, die am ersten Gipfel in Singapur anknüpfen. Entnuklearisierung?“

In seinem zweiten Tweet am 22. Februar schrieb Trump: „Präsident Xi von China war sehr hilfreich bei der Unterstützung meines Treffens mit Kim Jong Un. Das Letzte, was China will, sind groß angelegte Atomwaffen direkt nebenan. Die Sanktionen an der Grenze durch China und Russland waren sehr hilfreich.“

Im dritten Tweet schreibt Trump: „Der Vorsitzende Kim weiß vielleicht besser als jeder andere, dass sein Land ohne Atomwaffen schnell zu einer der großen Wirtschaftsmächte der Welt werden kann. Wegen der Lage und der Bevölkerung (sowie seiner Person) hat es mehr Potenzial für ein schnelles Wachstum als jede andere Nation!“

Friedenserklärung wahrscheinlich

Harry Kazianis, Direktor für koreanische Studien am Zentrum für Nationale Interessen schätzt den Ausgang der Gespräch wie folgt ein: „Es besteht eine große Wahrscheinlichkeit für eine Friedenserklärung, die den Koreakrieg beendet. Davon würden beide Seiten klar profitieren.“

„Zudem wurde viel über die Yongbyon Atomanlage gesprochen – die Schließung der Yongbyon Atomanlage im Gegenzug für  eine Sanktionsunterstützung“, so Kazianis weiter. „Die Vereinigten Staaten werden es nicht als Sanktionserleichterung bezeichnen können, weil es die politische Wirklichkeit hier in Washington nicht zulässt. Aber ich denke, sie werden etwas tun, um den Druck auf Nordkorea zu verringern.“

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„Abschließend finde ich die politischen Verbindungsbüros in Pjöngjang und Washington sehr wichtig, weil sie gegenseitige Kommunikation ermöglichen“, so der Experte. „Wenn man in einer Krise nicht miteinander reden kann, ist das wirklich schlimm.“

Entnuklearisierung schwieriges Unterfangen

Richard Johnson, Leitender Direktor für Brennstoffverfahren bei der Nuclear Threat Initiative und ehemaliges Mitglied des National Security Council der USA sagte, „die USA verfolgt ein klares Ziel nämlich ein Nordkorea ohne Atomwaffen wegen der Bedrohung für die Vereinigten Staaten und für ihre regionalen Nachbarn. Schwierig sei jedoch die Umsetzung.

Johnson glaubt, dass die Stilllegung der Kernkraftwerke in Yongbyon ein guter Anfang sein könnten, da es dort viele verschiedene Anlagen gebe, darunter einen Reaktor sowie eine Anreicherungsanlage.

„Es ist gut die Produktion von Uran und Plutonium einzustellen, denn das könnte eine Bombe füllen“, so Johnson. „Aber sobald das erledigt ist, müssen die Waffen selbst, die Raketen und andere Teile von Atomprogrammen, die eine Bedrohung für die USA und die Region darstellen, einschließlich chemischer Waffen und vielleicht sogar biologischer Waffen angegangen werden.“

Korea zu konkreten Schritten drängen

Dr. Victor Cha, langjähriger Berater und Korea-Vorsitzender des Center for Strategic and International Studies (CSIS) ist der Meinung, dass die Vereinigten Staaten auf konkrete Schritte drängen sollten.

„Das bestmögliche Ergebnis wären konkrete Schritte Nordkoreas, wie die Gewährung des Zugang zu neuen Einrichtungen im Zusammenhang mit ihren Atom- und Raketenprogrammen“, so Cha in einem Interview nach der CSIS-Veranstaltung „Prospects for the Trump-Kim Vietnam Summit“ am 22. Februar.

„Das ganze sollte eingebettet sein in eine Verpflichtungserklärung und einem genauen Zeitplan folgen, um so die Demontage zu erleichtern“, so Cha weiter.

Trump verdient Anerkennung

Doug Bandow, Senior Fellow am Cato Institute, steht einem Friedensvertrag optimistisch gegenüber. Er ist der Meinung, dass Präsident Trump dafür Anerkennung verdient habe.

„Präsident Trump glaubt sehr an die persönliche Diplomatie. Dafür ist er bereit, mit den amerikanischen Traditionen zu brechen. Präsident Obama hätte unter diesen Bedingungen nie einen Gipfel in Betracht gezogen“, so Bandow.

„Präsident Trump hat gezeigt, dass er bereit ist, etwas Neues auszuprobieren. So hat Kim Jong Un die Chance, sich um ein echtes Friedensabkommen zu bemühen. Dafür verdient Präsident Trump Anerkennung.“

China kein Interesse am Frieden

Was die Rolle Chinas allerdings angeht, sehen die Experten diese in der Tat kritisch.

Laut Kazianis sind Wirschaftssanktionen gegen Nordkorea nicht möglich ohne, dass China davon betroffen ist, da 90 Prozent der Exporte Nordkoreas über China laufen. „Wenn China also den wirtschaftlichen Druck an einem Nachmittag beenden will, kann es das leider durch eine Öffnung der Grenze tun,“ so Kazianis.

Wenn China wirklich ernsthaft daran interessiert wäre, Nordkorea zur Entnuklearisierung zu zwingen, gäbe es laut Dr. Victor Cha zwei Möglichkeiten: „Entweder sie unterbrechen die gesamte wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Nordkorea oder sie bieten Nordkorea eine Sicherheitsgarantie, einen Atomschirm.“

„China könnte beides tun, bleibt aber nach wie vor untätig“, so Cha weiter. „China bezieht keine Stellung und überlässt die schwere Aufgabe der USA. Doch die USA haben nicht die gleichen Möglichkeiten, wie China sie hat. China sitzt am längeren Hebel.“

„Jeder normale Mensch verstehe, dass die Entnuklearisierung und wirtschaftliche Entwicklung Nordkoreas China nicht nur Frieden bringen würde, sondern auch die stark rückläufige Wirtschaft im Nordosten Chinas retten könnte“, so der chinesische Politik- und Wirtschaftsanalytiker Qin Peng.

Dennoch sei es laut Peng kein Wunder, dass sich die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) nicht in den Friedensprozess einmische. Für die KPCh stehe der eigene Machterhalt an erster Stelle und nicht die Interessen der chinesischen und koreanischen Bevölkerung.

Ein wirtschaftlich dynamisches Nordkorea würde vielmehr für die Stabilität der KPCh zum Problem werden als ein verarmtes Nordkorea, so Peng weiter. Das sei auch der Grund, warum die KP Chinas das totalitäre Kim-Regime bewahren wolle.

Das Original erschien in The Epoch Times USA (deutsche Bearbeitung von nh)
Originalartikel: Speculation mounts about trump kim summit