Starker Ölpreis-Anstieg nach Anschlag – Mineralölverband warnt vor höheren Benzinpreisen

Epoch Times16. September 2019 Aktualisiert: 16. September 2019 16:30
Am Handelsplatz London legte der Ölpreis am Vormittag nach den Drohnenangriffen auf zwei Öl-Fabriken in Saudiarabien um fast neun Prozent zu - auch die Benzinpreise könnten nun steigen.

Nach den Drohnenangriffen auf zwei Öl-Anlagen in Saudi-Arabien ist der Ölpreis am Montag stark gestiegen. Am Handelsplatz London legte der Preis am Vormittag um fast neun Prozent zu – auch die Benzinpreise könnten nun steigen. Die Börsen in Europa reagierten verunsichert. In den USA gab Präsident Donald Trump Öl aus den Reserven frei, um den Preis zu stabilisieren.

Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent sprang bei Handelsbeginn in London um zwölf Dollar. Das war ein Plus von fast 20 Prozent. Am Vormittag lag der Preis knapp neun Prozent über dem vom Freitag bei 65,41 Dollar.

Auch der Preis für die US-Sorte WTI stieg um mehr als acht Dollar, das waren 15 Prozent mehr als am Freitag. Am Vormittag lag der Preis für ein Barrel WTI in New York rund acht Prozent im Plus bei 59,24 Dollar.

Am Samstag waren zwei Öl-Anlagen des saudiarabischen Staatskonzerns Aramco in Abkaik und Churais im Osten des Landes angegriffen worden. Zu den Attacken bekannten sich die jemenitischen Huthi-Rebellen. Die USA machten den Iran verantwortlich. Die Angriffe führten zu einem Einbruch der Ölproduktion in Saudi-Arabien um die Hälfte. Das seien rund fünf Prozent der weltweiten Produktion, erklärte Craig Erlam vom Handelshaus Oanda.

Trump schrieb am Sonntag auf Twitter, er habe erlaubt, bei Bedarf auf die strategische Reserve zurückzugreifen. In welchem Umfang dies geschehen soll, müsse noch festgelegt werden. Zur Begründung schrieb Trump, der Angriff wirke sich möglicherweise auf die Ölpreise aus.

Der Energiedienst Energy Intelligence zitierte am Montag Branchenkreise, wonach der saudiarabische Ölkonzern Aramco „nah dran“ sei, bis zu 40 Prozent der Förderung, die seit Samstag zusammengebrochen war, zu ersetzen. Es werde aber Wochen dauern, die zerstörten Anlagen zu reparieren, berichtete das „Wall Street Journal“.

Saudi-Arabien fördert 9,9 Millionen Barrel am Tag, fast zehn Prozent der weltweiten Förderung. Sieben Millionen Barrel gehen in den Export. Die Reservekapazität beträgt zwei Millionen Barrel. Die Internationale Energieagentur (IEA) in Wien erklärte, aktuellen seien die Märkte „gut versorgt“, es gebe viele Reserven.

In Frankreich warnte der Mineralölverband dennoch, die Preise an der Zapfsäule würden steigen. Verbandspräsident Francis Duseux sagte der Nachrichtenagentur AFP, er rechne mit einem Anstieg „um die fünf Cent“ pro Liter.

An der Börse in Frankfurt am Main verlor der Deutsche Aktienindex (Dax) zum Handelsstart 0,44 Prozent. In Paris gaben die Kurse zum Auftakt um 0,51 Prozent nach. In London betrug der Rückgang 0,1 Prozent.

Hier legten die Kurse von BP mit 3,8 Prozent und von Royal Dutch Shell mit 3,3 Prozent kräftig zu. In Paris kletterte der Kurs der Total-Aktie um 2,89 Prozent; auch die Erdölunternehmen CGC, Maurel et Prom und TechnipFMC konnten zulegen.

Deutlich nach gab in Frankfurt mit einem Minus von mehr als drei Prozent der Kurs der Lufthansa. Der steigende Kerosinpreis hatte die Fluggesellschaft zuletzt bereits belastet.

Ölpreisschock nur vorübergehend?

Der starke Anstieg des Ölpreises nach den Drohnenangriffen auf Ölanlagen in Saudi-Arabien wird nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) nur vorübergehend sein. Der „Ölpreisschock“ dürfte damit nur kurzfristige konjunkturelle Schwankungen nach sich ziehen, erklärte das IW am Montag in Köln. Zum Vergleich verwiesen die Forscher auf den zweiten Golfkrieg zwischen August 1990 und März 1991: Binnen weniger Wochen verdoppelte sich der Ölpreis damals und sorgte für viel Unruhe an den Märkten. Spätestens ab Januar 1991 sei er allerdings zu seinem Niveau von vor dem Krieg zurückgekehrt.

Simulationsrechnungen des IW zeigen demzufolge, dass die Weltwirtschaft selbst bei einem Ölpreisanstieg um 20 Prozent einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,1 Prozent im Jahr 2020 und um 0,2 Prozent im Jahr 2021 im Vergleich zu einem Szenario einbüßen würde, bei dem der Ölpreis bei etwa 60 Dollar für ein Barrel der Sorte Brent bleibt. China wäre laut IW aufgrund der hohen Ölimporte besonders stark betroffen: Das preisbereinigte BIP würde bei einem Preisanstieg von 20 Prozent um 0,3 Prozent 2020 und 0,6 Prozent 2021 geringer ausfallen.

Für Deutschland wäre laut IW ein „moderates Minus“ in Höhe von 0,1 Prozent 2021 zu erwarten. Der deutschen Wirtschaft droht nach Einschätzung zahlreicher Forschungsinstitute die Rezession. Nach dem Rückgang der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal rechnen sie auch mit einem Minus im dritten Quartal – dann wäre die Definition einer technischen Rezession erfüllt. Die Forscher rechnen aber auch mit einer Erholung 2020. (afp/sua)

Mögen Sie unsere Artikel?
Unterstützen Sie EPOCH TIMES
HIER SPENDEN