Tausende Libanesen fordern „Sturz des Regimes“

Epoch Times18. Oktober 2019 Aktualisiert: 18. Oktober 2019 18:18
Demonstranten legten am zweiten Tag der Proteste das öffentliche Leben im Libanon mit Straßenblockaden und in Brand gesteckte Reifen lahm. Auslöser der Proteste waren am Donnerstag veröffentlichte Pläne der Regierung, eine neue Steuer auf Anrufe zu erheben, die über Onlinedienste wie WhatsApp getätigt werden.

Tausende Libanesen haben am Freitag erneut gegen Korruption und schlechte Lebensbedingungen protestiert. Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften wurden auf beiden Seiten Dutzende Menschen verletzt, wie die Polizei und das Rote Kreuz mitteilten. Im Rahmen der Proteste kamen nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur NNA auch zwei Unbeteiligte ums Leben.

Es war bereit der zweite Tag in Folge mit Protesten, die sich gegen die säkulare Einheitsregierung von Ministerpräsident Saad Hariri richten. Die Demonstranten legten das öffentliche Leben durch Straßenblockaden und in Brand gesteckte Reifen lahm. „Das Volk fordert den Sturz des Regimes“, riefen sie.

Laut NNA erstickten zwei ausländische Arbeiter in einem von Demonstranten in Brand gesetzt Gebäude. Bisher wurden nach Angaben des Roten Kreuzes mindestens 23 Demonstranten und nach Angaben der Polizei 60 Sicherheitskräfte verletzt. Banken, staatliche Institutionen, Schulen und Universitäten wurden geschlossen.

Auslöser der Proteste waren am Donnerstag veröffentlichte Pläne der Regierung, eine neue Steuer auf Anrufe zu erheben, die über Onlinedienste wie WhatsApp getätigt werden. Die Regierung zog die Idee kurz darauf wieder zurück, doch die Proteste gingen weiter. „Dieses Mal spielt Religion keine Rollen“, sagte die 23-jährige Demonstrantin Jara der Nachrichtenagentur AFP. „Es spielt nur eine Rolle, welcher politischen Partei man folgt.“

Samir Nader, Chef der Denkfabrik Levante Institute for Strategic Affairs, sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass die Demonstrationen gegen die gesamte politische Elite gerichtet seien. „Die Proteste sind das Ergebnis einer unter der Misswirtschaft der Regierung leidenden Bevölkerung“, sagte er.

Die derzeitige Einheitsregierung wird von Vertretern aus dem gesamten politischen Spektrum unterstützt, bekommt aber die Schuldenlast des Landes nicht in den Griff. Die Staatsverschuldung des Libanon liegt nach Angaben des Finanzministeriums bei rund 86 Milliarden Dollar – mehr als 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. (afp)

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