Venezuela: Junger Musiker stirbt bei Straßenschlacht – Stardirigent Dudamel klagt erstmals Regime an

Von 7. Mai 2017 Aktualisiert: 7. Mai 2017 16:33
"Zeit auf das Volk zu hören. Es reicht." – Erstmals hat sich der venezolanische Stardirigent Gustavo Dudamel regiergungskritisch geäußert. Im Zuge der Unruhen in Venezuela wurde am Mittwoch ein 17-jähriger Musiker erschossen.

„Ich fordere dringend den Präsidenten der Republik und die nationale Regierung auf, ihre Haltung zu berichtigen und die Stimme des venezolanischen Volkes zu hören. Diese Zeiten dürfen nicht geprägt werden vom Blut unseres Volkes“, schreibt Gustavo Dudamel auf seinem Facebook. „Es ist Zeit, auf das Volk zu hören. Es reicht.“

Dieses Statement ist das allererste seiner Art. Dudamel stieg in den vergangenen Jahren in die Riege der Stardirigenten auf – eine Bilderbuch-Karriere. Dieses Jahr dirigierte er erstmals das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Zur politischen Lage in seinem Heimatland hatte sich Dudamel niemals klar geäußert. Er war ein Günstling des sozialistischen Systems, der bisher Stillschweigen bewahrte, weshalb ihn viele seiner Landsleute einen Feigling nannten, denn schließlich war er ein Star, dessen Stimme Gewicht hat. Doch nun starb ein 17-jähriger Musiker.

Der 37. Tote seit April

Am Mittwoch war bei Straßenprotesten der 17-jährige Armando Cañizales erschossen worden. Er hatte bei einer Straßenschlacht Steine auf Sicherheitskräfte geworfen ( Siehe Video unten). Er war ein Bratscher im Jugendsinfonieorchester José Francisco del Castillo in Caracas gewesen. Der junge Musiker ist der 37. Tote, den die Unruhen in Venezuela seit April gefordert haben. Das Land leidet unter Hyperinflation und akuten Versorgungsengpässen.

Dudamels Statement:

Am Donnerstag reagierte Gustavo Dudamel mit seinem Statement: Sein Twitter-Account (über 760 000 Follower) und sein Facebook (930.000 Follower) sind komplett schwarz. Der Dirigent veröffentlichte folgenden Text auf Spanisch und Englisch:

„Mein ganzes Leben war der Musik und der Kunst gewidmet, als ein Mittel zur Verwandlung von Gesellschaften. Ich erhebe meine Stimme gegen Gewalt. Ich erhebe meine Stimme gegen jede Form von Repression. Nichts rechtfertigt Blutvergießen. Wir müssen aufhören, den gerechten Schrei des Volkes zu ignorieren, das von einer unerträglichen Krise erstickt wird. Extreme Konfrontation und Polarisierung können kein gemeinsames Gewissen und Frieden erschaffen, sie stellen Grenzen und Barrieren für gegenseitiges Verständnis und eine friedliche und demokratische Koexistenz dar. Historisch gesehen waren die Venezolaner ein kämpferisches Volk, aber niemals ein gewalttätiges.

Damit Demokratie gesund sein kann, muss es wahren Respekt und Verständigung geben. Demokratie kann nicht errichtet werden, um den Bedürfnissen einer bestimmten Regierung zu entsprechen, sonst wäre sie keine Demokratie mehr. Um Demokratie auszuüben, muss man auf die Stimme der Mehrheit als das ultimative Bollwerk der sozialen Wahrheit hören. Keine Ideologie kann über dem Gemeinwohl stehen. Politik muss dem Gewissen und dem größtem Respekt vor der Verfassung entspringen und sich an eine junge Gesellschaft anpassen, die wie die venezolanische, das Recht hat, sich durch die gesunden und unanfechtbaren demokratischen Kontrollen und Gleichgewichte neu zu erfinden.

Die Venezolaner bestehen verzweifelt auf ihr unveräußerliches Recht auf Wohlergehen und Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse. Die einzigen Waffen, die Menschen gegeben werden können, sind die notwendigen Werkzeuge, um ihre Zukunft zu formen: Bücher, Pinsel, Musikinstrumente; kurz das, was die höchsten Werte des menschlichen Geistes verkörpert: das Gute, die Wahrheit und die Schönheit.

Ich fordere dringend den Präsidenten der Republik und die nationale Regierung auf, ihre Haltung zu berichtigen und die Stimme des venezolanischen Volkes zu hören. Diese Zeiten dürfen nicht geprägt werden vom Blut unseres Volkes. Wir schulden unserer Jugend eine hoffnungsvolle Welt – ein Land, in dem wir in Freiheit leben können in unterschiedlicher Meinung, Respekt, Toleranz und im Dialog und in welchem Träume Raum haben, das Venezuela zu erschaffen, nachdem wir und alle sehnen.

Es ist Zeit, auf das Volk zu hören. Es reicht.“

Tausende bei Beerdigung

Auf Youtube gibt es zahlreiche Videos von der Trauerfeier für den Erschossenen. Auch das Fernsehen zeigte die Menschenmassen, die zum Begräbnis des 17-jährigen Musikers in Venezuelas Hauptstadt Caracas kamen. Die Stimmung ist emotional aufgeheizt. Sein Sarg wurde unter Applaus begraben. Ein Orchester aus hunderten Jugendlichen spielte die venezolanische Nationalhymne.

Video der Straßenschlacht:

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