Die „Weihrauchstraße“

Von 19. Februar 2007 Aktualisiert: 19. Februar 2007 10:20
Auf den Spuren der Karawanenroute nach Sanaa und Petra

Das aromatische Harz des „Boswellia sacra“-Baumes zählte zu den begehrtesten Handelsgütern der antiken Welt. In Ägypten wurde Weihrauch ebenso verbrannt wie an den Höfen indischer Maharadschas. In Rom wurde er in Gold aufgewogen. Über Tausende von Kilometern wurde er gehandelt; es entstand die „Weihrauchstraße“.

Die Weihrauchstraße begann in Dhofar, einer Region im Westen des heutigen Sultanats Oman und führte dann von Jemen aus an der Westküste Arabiens entlang und teilte sich bei Petra in einen nordwestlichen Zweig, der nach Gaza führte, und in einen nordöstlichen in Richtung Damaskus. Außer dem Weihrauch gelangten über den Karawanenweg auch Gewürze, Edelsteine und Seide aus Indien und Südostasien, Elfenbein aus Afrika, Perlen aus dem Roten Meer zum Mittelmeer. Nach Berichten antiker Autoren benötigten Kamelkarawanen 100 Tagesmärsche für die 3.400 Kilometer lange Strecke zwischen Dhofar und Gaza.

„Arabia felix“

Der große Bedarf an Weihrauch bei kultischen Handlungen im Mittelmeerraum führte seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. zu einer Blüte der Route sowie der Städte und Reiche, die sie verband. Um die Zeitenwende soll allein das Römische Reich 1.500 Tonnen von der geschätzten Jahresproduktion von 2.500 bis 3.000 Tonnen Weihrauch verbraucht haben. Die Römer bezeichneten das Herkunftsgebiet des kostbaren Rohstoffs daher als Arabia felix – glückliches Arabien.

Sanaa ist eine bezaubernde Stadt zwischen orientalischem Märchen und dem 21. Jahrhundert. (Sanaa ist eine bezaubernde Stadt zwischen orientalischem Märchen und dem 21. Jahrhundert. (Foto: PATRICK BAZ/AFP/Getty Images)

Einzigartige Architektur in Jemen

Inmitten des jemenitischen Hochlandes auf 2.200 Meter Höhe schmiegt sich die Hauptstadt Jemens, Sanaa in die Senke, die im Osten vom Jabal Nuqum, im Westen vom mehr als 3.000 Meter hohen Jabal Ayban begrenzt wird. Sanaa ist eine bezaubernde Stadt zwischen orientalischem Märchen und dem 21. Jahrhundert.

Sie ist weltberühmt für ihre einzigartige Architektur und zählt heute zum „Erbe der Menschheit“ und wird von der UNESCO geschützt. Im ehemaligen Palast des Imams (Herrschers) ist heute das Nationalmuseum untergebracht.

Die Altstadt ist von einer Stadtmauer umgeben, die von sieben Toren unterbrochen wird und besteht aus Tausenden von Turmhäusern (bis zu acht Stockwerken) als Lehmbau, welche vor mehreren hundert Jahren erbaut wurden.

In der Altstadt gibt es verschiedene Museen und einen Basar, auf dem unter anderem mit Schmuck, Silber, Seide, Lederwaren und Teppichen gehandelt wird.

Das wohl berühmteste Bauwerk Petras, das fast 40 Meter hohe Khazne al-Firaun, das „Schatzhaus des Pharao“. (Das wohl berühmteste Bauwerk Petras, das fast 40 Meter hohe Khazne al-Firaun, das „Schatzhaus des Pharao“. (Foto: Chris Hondros/Getty Images)

Das Mosestal und die Felsenstadt Petra

Auf halbem Weg zwischen dem Golf von Akaba und dem Toten Meer liegt Petra in einem weiten Talkessel im Bergland von Edom, östlich der Aravasenke. Dank ihrer strategisch günstigen Lage, die Ägypten mit Syrien und Südarabien mit dem Mittelmeer5. Jahrhundert vor bis zum 3. Jahrhundert nach Christus ein bedeutender Handelsplatz und kontrollierte einen wichtigen Knotenpunkt der Weihrauchstraße. verbanden, war die Stadt vom

In dem eingeschlossenen Tal sind in den wunderschön marmorierten Sandstein Hunderte von Fassaden fein säuberlich eingemeißelt. Die nabatäische Kultur war in voller Blüte, als einhundertfünfzig Kilometer weiter nördlich das Christentum in Palästina entstand. Über 800 Felsengräber und Monumente erstrecken sich über ein gewaltiges Gebiet. Tempel, Gräber, Häuser, Wasserkanäle, Wasserbecken, auf steinige Höhen hinaufführende Treppen und ein römisches Theater (welches 3.000 Menschen Platz bot), wurden in unendlicher Mühe in den Fels eingemeißelt.

Petra gehört zum UNESCO-Welt-Kulturerbe und kann für sich beanspruchen, neben den Pyramiden das größte erhaltene Wunder der Antike zu sein.

Zur günstigen Geographie kam neben der versteckten Lage Petras zwischen schroffen Felswänden eine sichere Wasserversorgung. Der Ort ist nur über einen schmalen Gebirgspfad von Nordwesten zugänglich oder von Osten her durch eine etwa 1,5 Kilometer lange und bis zu 200 Meter tiefe Felsschlucht, den Siq (dt.: „Schacht“), der an seiner engsten Stelle nur zwei Meter breit ist, erreichbar. Über eine in die Felswände des Siq gemeißelte Rinne, die unter Steinplatten verdeckt war, leiteten die Nabatäer einen Gebirgsbach in die Stadt.

Die Verbindung von Fels und Wasser ließ die Legende entstehen, Petra sei der Ort gewesen, an dem Moses beim Exodus des Volkes Israel aus Ägypten mit dem Schlag seines Stabes eine Quelle aus dem Stein habe sprudeln lassen. Die Umgebung der Stadt heißt daher bis heute Wadi Musa, Mosestal.

Seit der Zeit der Kreuzzüge hatte kein Europäer Petra mehr betreten. Um 1800 wussten nur noch wenige Gelehrte gerüchteweise von einer legendären aus dem Fels herausgeschlagenen Stadt im Nahen Osten. Für Europa wurde Petra erst 1812 von dem Schweizer Arabienreisenden Jean Louis Burckhardt neu entdeckt. Mehr als 100 Jahre später schrieb der britische Offizier Thomas Edward Lawrence (Lawrence von Arabien) in seinem Werk Die sieben Säulen der Weisheit: „Petra ist der herrlichste Ort der Welt.“ Er war aber der Meinung, jede Beschreibung müsse vor dem eigenen Erleben der Stadt verblassen.

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