Stiller Protest der Pädagogen – Schwab: „Die Pädagogen sind in einer ganz gefährlichen Zwickmühle“

Von und 16. Juni 2021 Aktualisiert: 16. Juni 2021 17:58
Menschenwürde, Freiheit, Demokratie und vor allem Bildung. In einer einzigartigen Aktion erhoben Pädagogen aus Nordrhein-Westfalen ihre Stimme vor dem Landtag Düsseldorf am 5. Juni – mit einem stillen Protest. „Je länger ich dort stand und geschwiegen habe, desto stärker schienen die Botschaften gewesen zu sein“, erzählt Sascha Frick, Gymnasiallehrer aus Nordrhein-Westfalen und Choreograf der Aktion.

Ich bin Pädagoge und stehe für Herzensbildung, Verhältnismäßigkeit, Fürsorge, Kindeswohl, Menschlichkeit, Mut, Begegnung, Versöhnung, Rückgrat, Wärme, Wahrheitssinn, Diskurs – das sind nur einige Botschaften auf den Schildern, die 110 Pädagogen aus Nordrhein-Westfalen am 5. Juni auf der Wiese vor dem Düsseldorfer Landtag zeigen. Es sind Überzeugungen und Werte, für die diese Frauen und Männer aus dem Bildungs- und Sozialsystem stehen.

Mit ihren Botschaften machen sie auf die derzeitige Schieflage in den Schulen aufmerksam. „Es handelt sich hier um Menschen, die für Menschen und mit Menschen arbeiten“, sagte Frick. Gemeinsam mit seinen Kollegen entstand die Idee, im Rahmen eines „Schweigenden Protestes“ auf das „stille Leid“ von Schülern, Eltern und Pädagogen aufmerksam zu machen, die durch die Corona-Maßnahmen extreme psychische Belastungen im Alltag erfahren.

Unter den Teilnehmern war auch der Rechtsexperte Martin Schwab. „Ich bin Pädagoge und stehe für VERTRAUEN!“, lautete die Botschaft auf dem Schild des Universitätsprofessors.

Die Pädagogen sind in einer ganz gefährlichen Zwickmühle“, schilderte Schwab.

Einerseits stehen die Lehrer Eltern mit unterschiedlichen Weltanschauungen zum Thema Corona gegenüber, andererseits haben sie Schulämter, Regierung und die ganze „Kultusbürokratie im Nacken“. Die Lehrkräfte, die ihn anschreiben – und das seien in den vergangenen Monaten sehr viele gewesen – haben sehr viel Empathie gegenüber ihren Kindern. Sie haben den Blick für das Leiden der Kinder noch nicht verloren.

Der Rechtswissenschaftler zeigt sich besorgt darüber, wie sich wohl die nächste Generation von Studenten an der Uni schlagen wird, auch in Bezug auf die immer stärker werdende Polarisierung.

„Respektvoll zu streiten, das ist ja im Zeitalter der Cancel-Culture völlig verloren gegangen”, betont der Rechtswissenschaftler. „An der Universität haben wir die Aufgabe, diese Tugenden wiederzubeleben, genauso wie es die Pädagogen an den allgemeinbildenden Schulen haben. Und nie war es so schwer, diese Kultur aufrechtzuerhalten wie heute.”

Eine neue Generation steht vor einem Scherbenhaufen

Auch der Pädagoge und Philosoph Matthias Burchardt war bei der Protest-Aktion dabei. Er war von der Kraft des Schweigens ergriffen.

Ich glaube, die nächste Generation wird einiges zu stemmen haben, denn wir hinterlassen ihnen nicht nur die Probleme eines maroden Bildungswesens […] Wir haben ihnen auch einen riesigen Scherbenhaufen gesellschaftlicher Art hinterlassen“, sagte er.

Eine gespaltene Gesellschaft, eine ruinierte Wirtschaft. Die Aufgaben der nächsten Generation seien klar. „Deshalb haben sie das Beste verdient, was wir ihnen zu geben in der Lage sind, das ist nämlich die beste Bildung“, so Burchardt weiter.

 

Pädagogen sehen Kindeswohl gefährdet und senden Hilferuf

Grund des stillen Protests ist die Gefährdung des Kindeswohls und die in den Augen der Pädagogen fehlende Verhältnismäßigkeit in der Umsetzung der Maßnahmen. Pädagogen haben eine Fürsorgepflicht gegenüber allen ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen.

Es sei in den gegenwärtigen Rahmenbedingungen jedoch kaum möglich, dieser Fürsorgepflicht vollumfänglich nachzukommen, kritisierte Frick. Noch schlimmer: Das Kindeswohl sei durch die Schulschließungen und Corona-Maßnahmen in vielen Fällen nicht nur gefährdet, sondern werde konkret verletzt. Da sind sich die Pädagogen einig.

Für ihre Aktion mussten die Lehrkräfte ganz viel Mut aufbringen, erklärte der Choreograf der Schilderaktion. Für viele Kollegen sind die Fotos und Videos, auf denen sie ihr Gesicht zeigen, ein ganz, ganz großer Schritt. „Das ist nicht selbstverständlich, weil sie Angst haben vor sozialen, aber auch beruflichen Konsequenzen.“

Ordnungsamt pocht auf Maskenbefreiung mit Diagnose

Nach einem kurzen Probelauf, vor dem eigentlichen Start gab es Diskussionen mit dem Ordnungsamt Düsseldorf. Grund waren die Maskenatteste einiger Teilnehmer, auf denen keine ärztliche Diagnose stand. Die ganze Aktion stand auf dem Spiel.

Die Leiterin der Versammlungsbehörde hatte den Organisatoren gegenüber im Vorfeld gesagt, dass die Formulierung „aus gesundheitlichen Gründen“ auf Attesten zur Maskenbefreiung ausreiche.

Vor Ort wollten sich die Ordnungshüter damit nicht zufriedengeben. „Wir haben definitiv die Information seitens der Stadtverwaltung so bekommen, dass 100-prozentig eine Diagnose mit draufstehen muss!“, stellte ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes klar.

Auch ein Grund wie eine chronische Erkrankung reiche nicht aus.

Eine Anwältin schaltet sich ein

Die Anwältin Gisa Tangermann, die die Aktion der Pädagogen begleitete, schaltete sich an dieser Stelle ein. Sie wies darauf hin, dass die Atteste individuell ausgestellt wurden und von unterschiedlichen Ärzten stammen.

Sie können nicht aufgrund irgendeiner Weisung, die ich jetzt überhaupt nicht nachvollziehen kann, die Verordnungslage verengt auslegen, die noch stärker in die Freiheitsrechte der Menschen eingreift, als es der Verordnungsgeber schon abgewogen hat“, so die Juristin.

Mit ihrem Vorgehen würde die Stadtverwaltung Düsseldorf die Verordnung des Landes Nordrhein-Westfalen missachten. Dort sei ganz klar geregelt, dass in Maskenattesten keine Diagnose aufgeführt werden muss.

„Ich kann nur das machen, was mir gesagt worden ist“, antwortete der Ordnungsbeamte. Daraufhin schaltet sich Frick, als Choreograf ein und bat die Einsatzkräfte darum, die Teilnehmer in ihrer Entscheidungsfindung sensibel mit einzubeziehen. Würden die Masken-Atteste nicht anerkannt, würde die Veranstaltung ausfallen müssen, da jeder Teilnehmer für das Gelingen der Choreografie unabdingbar sei.

Er bat die Beamten darum, die Verhältnismäßigkeit der Anweisung zu hinterfragen und sagte, dass seine Kollegen sich alle Mühe geben würden, die Versammlungsauflagen umzusetzen. Kurze Zeit später wurde mit der Polizei ein Kompromiss gefunden, sodass die Veranstaltung zeitverzögert starten konnte.

Die Frage nach der Alternative

Ein Passant, der an der Aktion vorüberging, fragte sich, ob es bei der Veranstaltung um mehr Bildungsgerechtigkeit geht oder ob es sich um „so ’ne Anti-Corona-Demo“ handelt. Auf die Frage, ob die Schulschließungen und Corona-Maßnahmen Auswirkungen auf die Kinder gehabt hätten, sagte er: „Klar hat das Auswirkungen.“

Wenn man jetzt in die Schule schaut, seien die Lehrer mit den ganzen Corona-Auflagen überlastet. „Das ist unglaublich, was da an Mehrarbeit entsteht!“ Die Hälfte der Klasse wurde frontal unterrichtet, die andere Hälfte digital. Das verlangt den Lehrern viel ab, so der Passant weiter und fragt: Was hätten also die Lehrer noch machen sollen?

Dieses Gefühl der Hilflosigkeit und der für sie immer deutlicher spürbare Widerspruch zwischen den pädagogischen Werten, die ihrer Arbeit zugrunde liegen, und dem schulischen Alltag unter Corona-Bedingungen hat nicht wenige Pädagogen derart belastet, dass sie nun krankheitsbedingt ausfallen, was zu einer zusätzlichen Arbeitsbelastung im System führt, erklärt Frick.

Die Aktion möchte daher diese Nöte, Sorgen und Bedenken der Pädagogen zum Ausdruck bringen und dazu einladen, die derzeitigen Rahmenbedingungen der Arbeit an Schulen und Bildungseinrichtungen (Maskenpflicht, Abstand, Selbsttests) kritisch in den Blick zu nehmen.

Das Team konzentriert sich jetzt auf die Fragen: Wie soll Lernen und Lehren in Zukunft gestaltet werden, und wie kann man die Spaltung in der Gesellschaft überwinden? Klar für die Pädagogen ist: Sie werden nicht aufgeben und stehen auch anderen Kollegen, die Hilfe suchen und die Verhältnismäßigkeit vieler Corona-Maßnahmen infrage stellen, im Rahmen eines kollegialen Zusammenschlusses als „Lehrer für Aufklärung“ zur Verfügung.



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