Sand – Das neue Milliardengeschäft

Von 23. Juli 2015 Aktualisiert: 23. Juli 2015 17:32
Man sollte meinen Sand gibt es in der Welt genug. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Die wertvolle Ressource wird wie Öl gehandelt. Inzwischen gibt es eine Sand-Mafia...

Sommerzeit bedeutet für viele, die in den Urlaub fahren, Zeit am Strand zu verbringen. Es wird als selbstverständlich angesehen, dass der Strand uns zur Verfügung steht. Kein Badeurlaub ohne den weichen Sand am Meer, keine Sandburg ohne Sand. Wie viel Tonnen von Sand werden achtlos ins Hotel geschleppt, weggefegt und weggeschmissen, wie viele Tonnen Sand rieseln aus den Koffern heraus, wenn wir wieder zu hause sind? Die meisten von uns werden glauben, dass es doch Sand in Hülle und Fülle gibt. Doch dem ist nicht so. Diese wertvolle Ressource wird langsam Mangelware.

Wer hat sich einmal darüber Gedanken gemacht, wie viel Sand wir weltweit verbrauchen müssen, um unsere Zivilisation aufrecht zu erhalten? Denn alles was Mauern enthält, enthält eben auch Sand. Keine Zementverarbeitung ohne Sand. Um ein Familienhaus zu bauen braucht es ca. 200 Tonnen Sand. Bei einem Krankenhaus sind es schon 3.000 Tonnen und 12 Millionen Tonnen für ein Kraftwerk. Pro Jahr werden ca. 50 Billionen Tonnen Sand gebraucht und zu Zement verarbeitet.

Da stellt sich doch natürlich die Frage: Woher kommt denn dieser Sand? Ganz einfach denkt man sich, überall gibt es Sand umsonst. Aber Sand ist tatsächlich zu einem kostbaren Rohstoff geworden, und daran ist letztendlich der Mensch selbst Schuld.

Und es ist mittlerweile zu einem globalen Problem herangewachsen – beherrscht die Welt der Wirtschaft genauso wie Öl und andere Vorkommen, die so allmählich schwinden. Es gibt regelrechte Sand-Mafias, die von Baufirmen unterstützt werden. Und das weltweit. Zudem werden natürliche Strände komplett zerstört, das wiederum beeinflusst das globale Klima.

Wie viele natürliche Strände sind in den letzten Jahrzehnten zerstört worden, weil Städte, Hotels, Häuser und Wohnungen möglichst nah am Strand gebaut werden müssen? Durch diese Bauten werden die alltäglichen Prozesse und Abläufe des Meeres unterbunden, zerstört und mittlerweile – es ist kaum zu glauben – werden weltweit wirtschaftliche Kriege um das Naturprodukt Sand geführt.

Das grüne Filmfestival Green Me zeigte im vergangenen Jahr den Film „Sandkrieg“ von Denis Delastrac. Hier offenbarte sich, was Unternehmen veranstalten, um den wirtschaftlichen Krieg um dieses Naturprodukt zu gewinnen. Das beginnt bei dem kleinen Arbeiter, der die Order bekommt auf einem Esel so viel Sand vom Strand wegzutransportieren, wie er mitnehmen kann, bis hin zu großen milliarden-schweren Unternehmen, die sich schon längst den Sand aus dem Ozean mit gigantischen Baggern holen.

Wüstensand

Den größten Sandkrieg führt Dubai. Das mag einen erstaunen lassen, denn hier gibt es doch Sand in Hülle und Fülle. Warum nehmen sie nicht ihren eigenen Wüstensand, kann man sich zu Recht fragen. Beim Bearbeiten stellte man aber fest, Wüstensand ist nicht brauchbar für die Bauproduktion. Durch die permanente Erosion durch den Wind sind diese Sandkörner zu rund und glatt und eignen sich nicht dafür mit anderen Substanzen zusammen zu kleben. D.h. konkret: Man kann gar kein festes Zement mit Wüstensand herstellen. Also importiert Dubai Sand aus Australien. Ein Milliardengeschäft. Mitten im indischen Ozean lässt Dubai ganze Inseln entstehen, um das Milliardengeschäft mit reichen Touristen vorwärts zu treiben.

Vor allem Sand aus Küstennähe hat die benötigten baulichen Qualitäten. Und in Australien werden jetzt nach und nach die Strände verwüstet, zerstört, und diese Zerstörung durch den Menschen ist Teil der Klimakatastrophe geworden.

Verschärfung der Klimakatastrophe durch Sandabbau

Es hat sich zu einem globalen Problem entwickelt, denn das Abräumen des Sandes vom Meeresboden ist natürlich Teil der Umweltkatastrophen. Der natürliche Verlauf des Wassers wird verändert, das ergibt Überschwemmungen und natürlich ist das Abräumen des Ozeanbodens auch Teil der Zerstörung von Lebensraum und Ressourcen für Tiere und Pflanzen. Diese Beeinträchtigung der Natur löst verheerende Naturkatastrophen aus.

Besonders in den letzten Jahrzehnten baut der Mensch seine Häuser immer dichter an den Strand. Meeresbiologen stellten fest, dass hierdurch der natürliche Ablauf von Ebbe und Flut durcheinander gerät. Denn die Welle braucht eine gewisse Länge um wieder ins Meer sanft zurück fließen zu können.

Steht jedoch ein Haus zu nah am Wasser, wird die Welle zu früh gebrochen, und mit dem heftigen Zurückfließen untergräbt sie den Sand in zu tiefen Schichten. Dadurch wird immer mehr Sand abgeräumt und es ist nicht erstaunlich, dass es mittlerweile viele Strände gibt, die zum Teil bis zur Hälfte reduziert worden sind. Bei manchen Inseln sind die natürlichen Strände sogar komplett verschwunden. Hinzu kommt, dass die Häuser auf Dauer nicht mehr bewohnbar bleiben, weil sie vom Wasser unterspült wurden.

Glas – der neue Sand

Viele ökologische Verbände versuchen genau auf diese Problematik aufmerksam zu machen. Einigen ist es sogar gelungen, aus dem Rohstoff Glas wieder Sand herzustellen. Das Glas wird beim Recycling so verfeinert, dass es zum Schluss wie feiner Sand rieseln kann. Nun werden in manchen Gebieten die Strände mit dem recyceltem und zerstobenem Glas neu aufgebaut. Es ist aber noch ein langer Prozess, und es bedarf noch viele Tonnen von Glas um all die Strände die zerstört worden sind, wieder aufzubauen.

Mahatma Gandhi hat schon gesagt: "Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier."

Vielleicht denken wir einmal darüber nach, wenn wir am Strand liegen. Jedes Sandkorn, das wir respektvoll zurücklassen, erhält unsere Strände.

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