Deutsche Börse erwägt Vergrößerung des Dax auf 40 Unternehmen

An den Regeln zur Dax-Zusammensetzung hatte es in letzter Zeit häufiger Kritik gegegeben. Nun reagiert die Deutsche Börse und erwägt im Rahmen einer möglichen Reform der Dax-Familie unter anderem die Erweiterung des Leitindex von 30 auf 40 gelistete Unternehmen.
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Dax.Foto: picture alliance / dpa/dpa
Epoch Times5. Oktober 2020

Der deutsche Leitindex Dax soll nach dem Willen der Deutschen Börse künftig 40 statt 30 Werte enthalten. Eine entsprechende Befragung unter den Marktteilnehmern zur Reform des Index sei am Montag gestartet, teilte der Börsenbetreiber in Frankfurt mit.

Außerdem sollten Unternehmen in Zukunft nachweislich profitabel sein, um in den Dax aufgenommen werden zu dürfen. Die Konsultation der Mitglieder dauere bis zum 4. November. Das Ergebnis soll voraussichtlich am 23. November präsentiert werden.

Mit den Neuerungen reagiert die Deutsche Börse auf die zuletzt laut gewordene Kritik an den bisherigen Dax-Regularien. Hintergrund ist der Rauswurf des inzwischen insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard, keine zwei Jahre nach dessen Aufnahme. Ersetzt wurde Wirecard im Dax durch das verlustreiche Unternehmen Delivery Hero. Die Deutsche Börse hatte deswegen angekündigt, die Regeln noch in diesem Jahr ändern zu wollen.

Dax größer = MDax kleiner; SDax konstant

Eine Vergrößerung des Dax würde zugleich den MDax verkleinern. Der Vorschlag sieht vor, dass der Index künftig nur noch 50 statt wie bislang 60 Unternehmen umfassen soll. Im SDax sollen weiter 70 Aktien gelistet sein. Hier hatte es zuletzt wegen der häufigen Wechsel Kritik gegeben.

Sollten die Änderungen kommen, würde sich die Branchengewichtung im Leitindex teils verschieben. Vor allem der Chemie-Sektor würde darin zulegen können, wie aus einer Präsentation zum Reformvorschlag hervorgeht. Auch in den Bereichen Medien sowie Pharmaindustrie würden Unternehmen den Sprung in den Dax machen. Die Bedeutung der Autokonzerne sowie Produzenten von Konsumgütern für die Indexberechnung würde dagegen sinken.

Von der Reform verspreche man sich „erweiterte Qualitätskriterien“ sowie eine „Angleichung dieser Kriterien an internationale Indexstandards“, hieß es in einer Mitteilung vom Montag. Damit ist etwa gemeint, dass der Börsenumsatz als Kriterium wie international üblich auch beim Dax wegfallen soll. „Hohe Kapitalmarktrelevanz und Objektivität sollen erhalten bleiben und gleichzeitig Transparenz und Berechenbarkeit weiter gestärkt werden.“

Geplanter Prüfungsausschuss im Aufsichtsrat

Bei den Qualitätsstandards ist geplant, dass alle Mitglieder des Dax einen Prüfungsausschuss im Aufsichtsrat nachweisen müssen. Unternehmen, die mehr als zehn Prozent ihres Umsatzes mit „kontroversen Waffen“ machen, solle der Eintritt verwehrt bleiben.

Um den Dax weiter an die internationalen Indexstandards anzupassen, soll die Zusammensetzung des Index fortan alle sechs Monate statt einmal im Jahr überprüft werden. Davon verspreche man sich, Veränderungen schneller umsetzen zu können. Zudem reicht es künftig aus, wenn die Unternehmen im regulierten Markt und nicht auch noch im sogenannten Premiumsegment Prime Standard notiert sind.

Bereits 2018 hatte sich der Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer für eine Erweiterung des Dax ausgesprochen. „Von der Größenordnung der deutschen Wirtschaft her wäre es durchaus gerechtfertigt, dass man mal perspektivisch darüber nachdenkt, den Dax auch etwas breiter aufzustellen“, sagte Weimer zum 30. Jubiläum des Dax im Juli 2018. Er halte es für denkbar, dass der Dax auch mehr als 30 Werte abbilde, hatte er damals gesagt. (dpa)



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