Börsen-Gurus warnen: Erholung bei den Aktien trügerisch – Corona-Spätfolgen noch nicht eingepreist

Von 12. Mai 2020 Aktualisiert: 12. Mai 2020 18:59
Im März hatte der Corona-bedingte Absturz an den Börsen zu Kursrückgängen von bis zu 40 Prozent gesorgt. Seither haben die Aktien-Indizes wieder erholt. Börsenexperten halten die Krise an den Märkten jedoch noch lange nicht für ausgestanden – und raten von Zukäufen ab.

Nach dem weltweiten jähen Absturz an den Börsen infolge der Corona-Krise, der Mitte Februar einsetzte und bis zum Mehrjahres-Tief vom 23. März Verluste der Leitindizes von bis zu 40 Prozent mit sich brachte, haben sich die Märkte deutlich erholt. Zwar sind die Einbußen nicht komplett egalisiert, es hat sich jedoch ein stetiger Aufwärtstrend stabilisiert.

Mehrere bekannte Anlegerpersönlichkeiten warnen nun vor einem verfrühten Aufatmen. Die Aufwärtsbewegungen seien Ausdruck der Erwartung, dass die allmähliche Lockerung von Lockdown-Maßnahmen eine Erholung der Weltwirtschaft nach sich ziehen werde.

Erholung an den Börsen von Hoffnung getragen

Allerdings seien noch nicht alle Faktoren, die sich als Folgen der Krise bemerkbar machen würden, bereits im Zuge des vergangenen Absturzes eingepreist gewesen, meint beispielsweise Gary Shilling. In seinem „Insight“-Newsletter, der auszugsweise auf „Forbes“ veröffentlicht wurde, beschwört er ein „neues 1929“, das sich vor unseren Augen abzeichne – und sieht die Erschütterungen von Februar bis März nur als Vorbeben für weitere Krisenfolgen, die sich erst zu einem späteren Zeitpunkt zeigen würden.

„Lassen Sie sich nicht von der jetzigen Erholung am Aktienmarkt in die Irre führen“, warnt Shilling. Er ist davon überzeugt, dass viele Anleger die Corona-Krise an den Börsen bereits für ausgestanden halten:

„Obwohl das Coronavirus das wirtschaftlich, finanziell und sozial am stärksten erschütternde Ereignis seit dem Zweiten Weltkrieg ist und ähnlich weitreichende Folgen hat, gehen viele davon aus, dass die Situation bald wieder unter Kontrolle sein wird und dass die massiven monetären und fiskalischen Stimuli die Wirtschaft stabilisieren und wieder beleben werden.“

Corona-Krise wird Deglobalisierung bringen

Die Gesamtsituation erinnere jedoch eher an 1929, das Jahr der Weltwirtschaftskrise. Auch der Ökonom Nouriel Roubini betrachtet die derzeitige Entwicklung als eine U-förmige Erholung, die jedoch nicht von Dauer sein werde. Die „Welt“ zitiert ihn mit der Einschätzung, dass Ähnlichkeiten zur Großen Depression der 1930er Jahre festzustellen seien und sich verfestigen würden.

Eine hohe Schuldenlast bei Staaten und Unternehmen würden sich künftig in destruktiver Weise bemerkbar machen und eine Rückkehr des Wachstums als unwahrscheinlich erscheinen lassen. Die Verschuldung hemme den Spielraum, um gegenzusteuern. Dazu würden „permanente negative Angebotsschocks“ kommen – als Konsequenz aus der sich abzeichnenden Deglobalisierung.

Die internationalen Lieferketten würden „balkanisiert“ werden, Firmen würden zum Teil wieder zurück in ihre Heimatländer verlegen, die günstigere Produktion in China werde infolge von Handelskriegen und dem politischen Ziel, Abhängigkeiten zu beseitigen, zunehmend seltener. Dies sorge für höhere Verbraucherpreise. Allerdings würde diese Rückkehr auch einen Automatisierungsdruck erzeugen, der Arbeitsplätze koste.

Buffett: „Wer jetzt Aktien kauft, braucht viel Zeit und starke Nerven“

Da diese Entwicklungen das Wachstum hemmen und die Inflation steigern könnten, könnte, so Shilling, „ein viel größerer Kurssturz um noch einmal 30 bis 40 Prozent folgen, wenn Investoren erkennen, dass sich die Rezession bis ins Jahr 2021 zieht.“

Eine Rückkehr der Inflation könnte auch die Zentralbanken zwingen, sich von ihrer Niedrigzinspolitik abzuwenden, von der derzeit noch die Aktienmärkte profitierten.

Auch Starinvestor Warren Buffett hat, wie die „Welt“ berichtet, die niedrigen Märzkurse nicht zu einem massiven Aktienzukauf genutzt. Stattdessen trennte er sich von Beständen im Wert von sechs Milliarden US-Dollar, vor allem im Luftfahrtbereich.

In der Hauptversammlung erklärte er mit Blick auf den Aktienmarkt: „Wer jetzt einsteigt, muss nicht nur einen sehr langen Anlagehorizont, sondern auch extrem starke Nerven mitbringen.“

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