Die Weltwirtschaft im Ungleichgewicht

Von 13. Dezember 2006 Aktualisiert: 13. Dezember 2006 18:45
Woher rühren die gegenwärtigen Verwerfungen der Weltwirtschaft?

Im Grunde genommen ist Wirtschaft die richtige Verteilung von Ressourcen. Entscheidungen über die Verteilung der Ressourcen werden getroffen, indem man den Bedarf und die Preise auf dem Markt beachtet. Jede Intervention in den Preismechanismus verändert diese Verteilung.

Die gegenwärtige Situation ist von einer massiven Intervention bei einem der wichtigsten Preise der Weltwirtschaft gekennzeichnet: Dem Verhältnis zwischen dem Dollar und den asiatischen Währungen einerseits und den Zinsen in den USA.

Wie es funktioniert

China setzt den Wechselkurs seiner Währung dem Dollar gegenüber auf einem sehr niedrigen Niveau fest, indem es bei Bedarf mehr Yuan erschafft. Da andere asiatische Länder, um ihre wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit nicht zu gefährden, keine andere Wahl haben, machen sie das gleiche mit ihren Währungen. Japan war auch bis vor kurzem in diesem Boot

Diese Länder investieren dann ihre durch diese Manipulation der Währung eingenommenen Dollar in US-Regierungsanleihen, was zu einer künstlichen Reduzierung des Zinsniveaus in den vergangenen Jahren in den USA geführt hat, da sich die USA nicht mehr um Geld bemühen müssen, sondern auf den unaufhörlichen Strom von Dollars aus Asien vertrauen konnten.

Unvorstellbare weltweite Geldmengenausweitung

Zwischen 2003 und 2005 druckten vor allem asiatische Notenbanken und die amerikanische FED jedes Jahr etwa 500 Mrd. US-$ pro Jahr, wodurch die weltweite Geldmenge um 65 Prozent anstieg.

Das ist ohne Beispiel. Der niedrige Wechselkurs der asiatischen Währungen gegenüber dem Dollar führte zu einer hohen Nachfrage nach Gütern aus China und zu Überinvestitionen in asiatische Fabriken: Folgendes trat in China und einigen anderen asiatischen Staaten auf:

· Der Handelsüberschuss der asiatischen Länder mit den USA und anderen Ländern stieg im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt (BSP) auf einen Rekordwert.

· Die Industrieproduktion stieg stark an.

· Das Verhältnis von Investitionen zum BSP ist das höchste in der Geschichte.

In den USA hingegen verursachte die Kombination aus Niedrigzinsen und einer überbewerteten Währung eine Import- und eine Immobilienblase, was zu folgenden Entwicklungen führte:

· Die Sparrate ist die niedrigste in der Geschichte und mittlerweile sogar negativ.

· Die Verschuldung der Privathaushalte stieg stark an und erreichte mittlerweile einen Rekordwert.

· Der Anteil des Konsums liegt mittlerweile bei 71 Prozent des BSP, der höchste Anteil der Geschichte der Statistik.

· Das Handelsdefizit liegt im Verhältnis zum BSP bei 7 Prozent und ist somit ebenfalls auf historischem Höchststand.

Mit anderen Worten gesagt, produzieren die Asiaten zu viel und die USA konsumieren zu viel. Nur das exzessive Drucken von Geld zur Erhaltung des Wettbewerbsvorteils der eigenen Währungen konnte zu dieser Situation führen.

Kann die Lawine aufgehalten werden?

Ein Ballon kann entweder weiter anschwellen und platzen oder man kann die Luft herauslassen. Asiens Führer stehen vor den Alternativen: Weiterhin Geld drucken und das künstliche Währungssystem aufrechterhalten oder sie unterlassen die Währungsmanipulationen und folgen den Kräften des freien Marktes, der dann den richtigen Wechselkurs festsetzt.

Ein „Weiter so wie bisher“ würde folgende Probleme nach sich ziehen:

1. Das Geldmengenwachstum würde vor allem in den Dollarländern zu einer noch höheren Inflationsrate führen, wie es bei den Öl- und Rohstoff- und Immobilienpreisen schon jetzt der Fall ist. Die wahre Inflationsrate in den USA wird auf etwa sieben bis zehn Prozent geschätzt, selbst die amtliche gibt etwa drei bis vier Prozent zu.

2. Die weltwirtschaftlichen Verwerfungen nehmen in einem immer schnelleren Ausmaß zu.

3. Das Eigentum an Sachwerten in den USA und Ländern des Dollarraumes geht in ausländische, besonders asiatische Hände über (das ist das natürliche Ergebnis des Handelsbilanzdefizits).

Wenn das überschäumende Gelddrucken der asiatischen Notenbanken aufhören würde, wäre ein starker Anstieg der asiatischen Währungen gegenüber dem Dollar die Folge. Dies würde den amerikanischen Kaufrausch à la WalMart und ebenfalls den asiatischen Produktionsboom (WalMart allein ist Chinas siebtgrößter Außenhandelspartner, wäre es ein Land und keine Firma) schlagartig beenden, mit anderen Worten, eine Weltwirtschaftskrise müsste folgen.

Das erste Signal in dieser Richtung gab die Bank of Japan im April dieses Jahres, als sie Yen im Wert von 300 Mrd. US-$ vom Markt nahm. Daraufhin stiegen weltweit die Zinsen der Anleihen um einen Prozentpunkt und der aufgeblähte amerikanische Immobilienmarkt schwächte sich deutlich ab. Auch Chinas Zentralbank zeigt Anzeichen eines Anziehens der Schraube. Man unternahm erste zaghafte Maßnahmen in Richtung einer reduzierten Geldmengenexpansion.

Für manche mag es noch nicht sichtbar sein, aber die Weltwirtschaft befindet sich in einer heiklen Lage. Ihre Zukunft hängt von den Aktionen der Zentralbanken ab, besonders von denen in den USA, Japan und China. Die Zentralbanken stehen unter ungeheuerem Druck und ihre Handlungsweise ist schwer vorhersehbar. Eines ist sicher: Man muss sich gut anschnallen, die Reise der Weltwirtschaft wird unangenehm werden.

(Itai Slonim ist Fondsmanager und Besitzer einer Asset Management-Firma)



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