Die Finanz-Casino-Welt kennt am Ende nur einen Verlierer: uns, die Kunden von Banken und Fonds, die Riester-Renten-Sparer und Lebensversicherungs-Einzahler. Denn wir sind alle nur Plankton, Futter im Haifischbecken der Hochfinanz.Foto: Cover Westened Verlag

Die Psycho-Trader – Ein Insider packt aus über dreisten Etikettenschwindel der Hochfinanz

Von 9. Mai 2015 Aktualisiert: 9. Mai 2015 20:53

„Geld mit Geld zu verdienen, ist krank,“ sagt Volker Handon in seinem Buch „Die Psycho-Trader“ ebenso wie: „Das Geldsystem ist eine der besten Erfindungen der Menschheit, doch es ist zu einer gigantischen Umverteilungsmaschine von Vermögen degeneriert.“

Volker Handon führt uns die schmutzigen Tricks und Fehler eines verrückt gewordenen  Finanzsystems vor Augen, das seit Jahren auf der Intensivstation liegt und mit immer drastischeren Nullzins-Geldspritzen der Zentralbanken künstlich am Leben erhalten wird. Wann setzt die Politik diesem korrupten Treiben ein Ende?

Der 1959 in Bonn geborene Volker Handon, glücklicher Familienvater von drei Kindern, bewegt sich seit seinem Studium mehr als 25 Jahre an  vorderster Front durch die globale Finanzwirtschaft. Zunächst als  Wertpapierhändler für Banken und Fondsgesellschaften und bis heute als Day-Trader: mit eigenem Geld, auf eigene Rechnung. Er ist niemandem verpflichtet und kann deshalb offen und authentisch berichten.

Handon erzählt aus seinem Händlerleben und nimmt uns mit in seine Finanz-Casino-Welt, in der mit harten Bandagen und vielen unlauteren Methoden um den maximalen Profit gezockt wird. Ein Spiel, bei dem man zur Not auch über Leichen geht und das am Ende nur einen Verlierer kennt: uns, die Kunden von Banken und Fonds, die Riester-Renten-Sparer und Lebensversicherungs-Einzahler. Denn wir sind alle nur Plankton, Futter im Haifischbecken der Hochfinanz.

„Wenn ich heute noch einmal entscheiden müsste, ob ich den damals gewählten Weg mit meinen jetzigen Erfahrungen wieder einschlagen würde, müsste ich laut und kopfschüttelnd schreien: Nein, um Gotteswillen, nicht noch einmal! Auch ich habe es in jüngeren Jahren in diesem Kampfspiel mächtig übertrieben und eine Menge Federn gelassen. Und ich hatte unsägliches Glück, dabei gesund geblieben zu sein.“

„Der Rat, den ich meinen Kindern ungefragt seit Jahren regelmäßig gebe: Finger weg vom Handel mit Geld! Es besitzt ein viel zu großes Potenzial, Menschen unglücklich zu machen. Die einzige Belohnung, die man für diese völlig sinnfreie Tätigkeit erwarten kann, ist Schmerzensgeld; alles andere ist reine Illusion…“

Das Schulsystem versagt

Nach nachvollziehbarer Ansicht des Buchautors und Finanzprofis wird an unseren Schulen die Aufklärung über Geld fast noch sträflicher vernachlässigt als die Aufklärung über Drogen. Hochkarätige Leistungskurse in diversen Schulfächern, aber das Basiswissen über die wirtschaftlichen Zusammenhänge wird offenbar vorenthalten.

„Das simple Fakten-ABC darüber, in welchem Wirtschaftssystem wir uns bewegen, wie der Wirtschafts- und Geldkreislauf funktioniert oder wie man zum Beispiel die Zinsen für einen Kredit berechnet. Es fehlt genau an dieser elementaren Grundausbildung, die jungen Menschen später den verantwortungsvollen Umgang mit wichtigen finanziellen Entscheidungen erleichtern könnte.“

„Und die fangen nicht erst beim Kauf eines Hauses an, wenn es um Summen geht, die für die Betroffenen große Folgen für den Rest ihres Lebens haben können, sondern bereits beim ersten Handykauf, mit dem Tausende Jugendliche in die erste Schuldenfalle tappen, weil ihnen jedes Verständnis für Geld und Kreditfolgen fehlt. Wenn man jedoch Alphabet und Grammatik einer Sprache nicht gelernt hat, wie soll man sich in dieser Sprache verständigen oder gar weiterbilden? Den meisten Menschen fehlen in Finanzdingen im wahrsten Sinne die Worte…“

Im Tal der Ahnungslosen

Foto: Cover Westened Verlag

In seinem ersten Buchkapitel „Im Tal der Ahnungslosen“ bekennt sich Volker Handon zu seinem starken Spieltrieb. Ein Spiel, bei dem es keine Gewinner und Verlierer gab, empfand er als ziemlich langweilig, als wertlose Zeitverschwendung. „Spieler“ oder „Zocker“ erscheint ihm als ehrliche Bezeichnung für die Spezies der Börsenhändler und Investmentbanker.

„Als ich Ende der achtziger Jahre das Parkett betrat, wurden Börsenhändler noch ganz selbstverständlich als Spekulanten bezeichnet – was Kern und Wesen unserer Arbeit ziemlich präzise beschreibt. Aber würden Sie einem Spekulanten, Spieler oder Zocker wirklich Ihr Erspartes zur weiteren Vermögensvermehrung anvertrauen? Natürlich nicht!“ „Begriffe wie Investor oder Anleger klingen da heute doch deutlich seriöser, aber sie meinen exakt dasselbe… Mir wurde von vielen meiner Gesprächspartner für meine Tätigkeit, das Spielen an der Börse, eine skurrile Bewunderung zuteil. Wer nichts weiß, muss eben viel glauben – und dieser Glaube scheint schwer zu erschüttern. Unabhängige Händler wie ich scheinen für Otto Normalverbraucher Aliens zu sein, die auf ihrem eigenen Planeten arbeiten und von dort ihr vieles Geld zur Erde mitbringen…“

Politik spielt Schäferhund

Das Vertrauen einer ahnungslosen Bevölkerung in eine völlig undurchsichtige Finanzbranche ist grenzenlos und hat allmählich pathologische Züge angenommen im Rahmen der grassierenden Verdummung. Trotz immer wiederkehrender Krisen reißen die Geldströme nicht ab.

„Die Politik spielt dabei gerne den Schäferhund, der die Herde in die Arme ihrer Schlächter treibt – mit Schauermärchen wie der Altersarmut, die nur erfunden wurden, um neue Geschäfte fürs globale Finanzkasino zu generieren. Reines Politikmarketing!“

„Würde die Politik Altersarmut wirklich als Bedrohung für einen großen Teil der Bevölkerung ernst nehmen, müsste sie über eine intelligente Reform der Rentenversicherung nachdenken, anstatt die Finanzwirtschaft dabei zu unterstützen, neue Zockerprodukte auf den Markt zu werfen. Wer heute noch eine Lebensversicherung abschließt, muss wirklich irre sein. Sie ist der Klassiker, das Allerheiligste der Gläubigen…“

Gefahr eines Flashmobs

Volker Handon kritisiert zu Recht die Handlungsweise der EZB, wo ihr Präsident Mario Draghi Wirtschaftspolitik in Reinkultur betreibt, und zwar als Chef einer Institution, die noch nicht einmal demokratisch gewählt ist. Im März 2015 hat die EZB ihren ökonomisch wie rechtlich äußerst fragwürdigen Massenankauf an Anleihen gestartet, wobei die Banken glücklich sind, die bei diesem Geschäft als Zwischenhändler fungieren und ihre Geldspeicher für die frischen Euros weit geöffnet haben. Das wurde so arrangiert, denn der europäischen Zentralbank ist eine direkte Staatsfinanzierung verboten.

„Würde die EZB diese Anleihen direkt vom Finanzministerium erwerben, wäre es eine offizielle Staatsfinanzierung, kauft sie die gleichen Anleihen aber von einer Bank, die diese vielleicht nur eine Millisekunde zuvor einem Staat abgekauft hat, ist alles koscher. Einen dreisteren Etikettenschwindel kann man sich kaum vorstellen…“

„Die wenigsten wissen, dass nur das Geld real ist, das wir in Form von Münzen oder Scheinen in unserem Portemonnaie bei uns tragen – das Giralgeld auf ihrem Konto ist lediglich eine Forderung gegen die Bank. Deshalb können Banken aus dem Nichts Geld schöpfen. In der Sekunde, in der wir einen Euro bei der Bank einzahlen, kann diese zusätzliche 99 Euros aus dem Nichts schaffen.“

„Würden sich unzufriedene Bankkunden zu einem Flashmob verabreden, um am gleichen Tag zur gleichen Zeit Geld in Cash abzuheben, würde das die betroffene Bank und womöglich das ganze Banksystem ins Chaos stürzen. Angesichts zunehmender Ungerechtigkeit, wachsender Verteilungskämpfe und tatenloser Politiker, die sich nicht ihrem Volk verpflichtet fühlen, sollte sich niemand wundern, wenn es irgendwann zu einer solchen Radikalisierung käme…“

Ein aufrüttelndes Buch. Mutig. Einzigartig. Großer Dank gebührt dem Autor.

Foto: Cover Westened Verlag

Volker Handon

Die Psycho-Trader: Aus dem Innenleben unseres kranken Finanzsystems.

Ein Insider erzählt

256 Seiten

Verlag: Westend (11. Mai 2015)

ISBN-10: 3864890829 / Euro 19,99



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