Naren Shaam gründete 2012 in Berlin die Reiseplattform Omio.Foto: Omio/dpa/dpa

Gut ausgebildet und risikobereit: Gründer mit Migrationsgeschichte krempeln Start-up-Szene um

Epoch Times3. Mai 2021 Aktualisiert: 3. Mai 2021 8:08
Die Geschichte des Start-ups Biontech rückt Gründer mit Einwanderungsgeschichte in den Fokus. Was treibt diese Gründerszene an - und was steht ihr im Weg?

Was haben der Impfstoffhersteller Biontech, der Lebensmittellieferdienst Gorillas und die Reiseplattform Omio gemeinsam? Sie alle kommen aus der Start-up-Szene und wurden von Menschen aus Einwandererfamilien gegründet.

Die neue migrantische Gründerszene ist gut ausgebildet, risikobereit und stärkt den Standort Deutschland, wie eine Studie zeigt. Doch der bürokratische Dschungel, Sprachbarrieren und mangelnde Finanzierung machen es Gründerinnen und Gründern mit ausländischen Wurzeln nach wie vor schwer. Branchenvertreter fordern deshalb Erleichterungen.

Rund jedes fünfte Start-up in Deutschland wurde zuletzt von Migranten der ersten oder zweiten Generation gegründet, wie aus einer Sonderauswertung des Deutschen Start-up-Monitors hervorgeht. Der „Migrant Founders Monitor“ des Bundesverbands Deutscher Start-ups und der Friedrich-Naumann-Stiftung analysiert die Lage von 354 Start-ups, die von Menschen aus Familien mit Einwanderungsgeschichte gegründet wurden.

Demnach bringen vor allem im Ausland geborene Gründer öfter einen Uni-Abschluss mit als der Durchschnitt. Fast jeder Dritte strebt den Verkauf des Start-ups für mindestens 100 Millionen Euro an – im Schnitt planen das nur rund 20 Prozent. Und der hohe Anteil an Gründern mit Migrationserfahrung in der Frühphase des Unternehmensaufbaus spreche für eine aktuell hohe Dynamik, heißt es.

„Menschen mit Migrationshintergrund haben eine überdurchschnittliche Bedeutung für die deutsche Start-up-Szene, nicht nur als Gründerinnen und Gründer, sondern auch als Schlüsselbeschäftigte beispielsweise in IT-Start-ups“, sagt die Chefökonomin der staatlichen Förderbank KfW, Fritzi Köhler-Geib. Der Co-Vorsitzende des Start-up-Verbands, Christian Vollmann, betont: „Gerade die Bereitschaft, Risiken einzugehen und groß zu denken, sind Dinge, die in Deutschland oft noch fehlen und die wir als Standort im internationalen Wettbewerb brauchen.“

Naren Shaam kommt aus Indien und gründete 2012 in Berlin die Reiseplattform Omio. Den Befund der Studie, dass migrantische Gründer eher risikobereit seien als jene aus Familien ohne Einwanderungsgeschichte, erklärt er mit dem sozialen Sicherheitsnetz in Deutschland. Das sei andernorts, wie etwa in Indien, nicht selbstverständlich und nur den Reichen vorbehalten. „Risiken einzugehen ist also Teil der Kultur“, sagt er. Im vergangenen Sommer sammelte das Unternehmen nach eigenen Angaben 100 Millionen Dollar (83 Millionen Euro) frisches Kapital ein.

Als er nach Deutschland kam, habe er kein Wort Deutsch gesprochen und niemanden gekannt, erzählt Shaam. Grundlegende Dinge, wie ein Bankkonto zu eröffnen, hätten sich angefühlt „wie ein Berg, den du besteigen musst“. Auch die Start-up-Studie nennt bürokratische und sprachliche Hürden als große Herausforderung für Gründer mit ausländischen Wurzeln. Bei vielen Formularen, etwa bei der Unternehmensgründung oder bei Steuerunterlagen, sei Deutsch die einzige Option, sagt Vollmann. Da müsse die Politik ran. „Es muss einfach alles auch auf Englisch zur Verfügung stehen!“

Viele Jungunternehmen haben obendrein Probleme mit der Finanzierung: Mit 1,1 Millionen Euro konnten Gründer aus dem Ausland im Mittel weniger als halb so viel Fremdkapital aufnehmen als im Bundesdurchschnitt (2,6 Millionen). Und die durchschnittliche Mitarbeiterzahl liegt mit 10,2 unter dem Durchschnitt von 14,3. Vielen fehle hierzulande das nötige Netzwerk, sagt Vollmann, der als sogenannter Business Angel selbst in Start-ups investiert. „Da müssen wir als Szene gegensteuern.“

Hinzu kommen mangelnde Kontakte über die Start-up-Szene hinaus. So haben Start-ups laut Studie durchschnittlich sieben Kooperationen mit etablierten Unternehmen – migrantische Gründer der ersten Generation jedoch nur zwei. „Gerade was die Vernetzung von „Migrant Founders“ mit potenziellen Kunden im deutschen Mittelstand angeht, gibt es noch Verbesserungspotenzial“, sagt KfW-Ökonomin Köhler-Geib. Lösungen könnten etwa Netzwerkveranstaltungen oder professionelle Gründerberatungen sein. (dpa)


Unterstützen Sie unabhängigen und freien Journalismus

Danke, dass Sie Epoch Times lesen. Ein Abonnement würde Sie nicht nur mit verlässlichen Nachrichten und interessanten Beiträgen versorgen, sondern auch bei der Wiederbelebung des unabhängigen Journalismus helfen und dazu beitragen, unsere Freiheiten und Demokratie zu sichern.

Angesichts der aktuell schwierigen Zeit, in der große Tech-Firmen und weitere Player aus dem digitalen Werbemarkt die Monetarisierung unserer Inhalte und deren Verbreitung einschränken, setzt uns das als werbefinanziertes Nachrichten-Portal unter großen Druck. Ihre Unterstützung kann helfen, die wichtige Arbeit, die wir leisten, weiterzuführen. Unterstützen Sie jetzt Epoch Times indem Sie ein Abo abschließen – es dauert nur eine Minute und ist jederzeit kündbar. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Monatsabo ab 7,90 Euro Jahresabo ab 79,- Euro

Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Unsere Buchempfehlung

Wirtschaftskrisen können geschaffen und genutzt werden, um Aufstände und Revolutionen zu fördern. Sozialistische Bewegungen werden in Krisenzeiten leicht als „Retter“ angesehen.

Die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre war der kritische Augenblick, in dem Europa und die Vereinigten Staaten den Weg zu „Big Government“ (ein übermäßig großer Verwaltungsapparat) und dem heutzutage weit verbreiteten Interventionismus einschlugen. Die Finanzkrise im Jahr 2008 wirkte sich ebenfalls günstig für die Ausweitung einer linksgerichteten Politik aus.

Sozialistische Ideen gelten leicht als „Rettungsweg“ aus der Krise, wenn Politiker verzweifelt nach Lösungen suchen. Doch dies bedeutet, einen Pakt mit dem Teufel zu schließen.

Genau darum geht es im 9. Kapitel des Buches „Wie der Teufel die Welt beherrscht“, es trägt den Titel: „Die kommunistische Wohlstandsfalle“. Hier mehr zum Buch.

Jetzt bestellen - Das dreibändige Buch ist sofort erhältlich zum Sonderpreis von 50,50 Euro im Epoch Times Online Shop

Das dreibändige Buch „Wie der Teufel die Welt beherrscht“ untersucht auf insgesamt 1008 Seiten historische Trends und die Entwicklung von Jahrhunderten aus einer neuen Perspektive. Es analysiert, wie der Teufel unsere Welt in verschiedenen Masken und mit raffinierten Mitteln besetzt und manipuliert hat.

Gebundenes Buch: Alle 3 Bände für 50,50 Euro (kostenloser Versand innerhalb Deutschlands); Hörbuch und E-Book: 43,- Euro.

Weitere Bestellmöglichkeiten: Bei Amazon oder direkt beim Verlag der Epoch Times – Tel.: +49 (0)30 26395312, E-Mail: [email protected]

Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion