Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat war 2017 in der EU nach monatelangem Streit für weitere fünf Jahre zugelassen worden.Foto: Patrick Pleul/dpa

Bayer will „mehr Transparenz“ schaffen – erschafft Glyphosat-Alternativen

Epoch Times14. Juni 2019 Aktualisiert: 14. Juni 2019 16:01
Der nach der Übernahme des Glyphosatherstellers Monsanto verstärkt unter Druck geratene Bayer-Konzern hat eine Offensive für mehr Transparenz und Nachhaltigkeit angekündigt. Er will aber an dem umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat festhalten.

Mehr Transparenz, eine bessere Umweltbilanz und Milliarden für die Suche nach Glyphosat-Alternativen: Der Chemieriese Bayer will angesichts des massiven Gegenwinds nach der Übernahme des US-Agrarkonzerns Monsanto in die Offensive gehen. Das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat soll aber auch künftig eine „wichtige Rolle“ in der Produktpalette von Bayer spielen.

In den kommenden zehn Jahren will der Leverkusener Konzern rund fünf Milliarden Euro in „zusätzliche Methoden zur Unkrautbekämpfung“ investieren, wie Bayer am Freitag ankündigte. Die Investitionen zielen demnach unter anderem darauf ab, neue Wirkungsweisen zu entwickeln und dank der Digitalisierung der Landwirtschaft „präzisere Empfehlungen“ abgeben zu können.

Vertiefte Partnerschaften „mit Unkrautforschern weltweit“

Außerdem strebt das Unternehmen vertiefte Partnerschaften „mit Unkrautforschern weltweit“ an, um spezifische Lösungen für Landwirte auf lokaler Ebene zu entwickeln. Verbessert werden soll auch die Umweltbilanz: Bis 2030 sollen die Auswirkungen der landwirtschaftlichen Produkte des Konzerns auf die Umwelt um 30 Prozent verringert werden.

In Entwicklungsländern will Bayer Pflanzenschutzmittel künftig nur noch auf den Markt bringen, wenn sie nicht nur die lokalen Sicherheitsstandards erfüllen, sondern auch die Anforderungen „einer Mehrheit der führenden Zulassungsbehörden“, wie der Konzern erklärte.

Mit den Maßnahmen will Bayer nach eigenen Angaben seiner „gestiegenen Verantwortung als führendes Unternehmen der Landwirtschaft“ gerecht werden und auf „Bedenken“ nach der Übernahme von Monsanto im vergangenen Jahr eingehen.

Die Bayer-Aktien haben seitdem erheblich an Wert verloren – vor allem weil Monsanto im Zentrum zahlreicher Gerichtsverfahren in den USA steht, in denen die Kläger glyphosathaltige Mittel für ihre Krebserkrankungen verantwortlich machen.

Bei der Hauptversammlung Ende April hatte die Unternehmensspitze nicht zuletzt deshalb heftige Kritik einstecken müssen, die Aktionäre verweigerten dem Vorstand um Konzernchef Werner Baumann die Entlastung. Für Wirbel sorgten zuletzt auch von Monsanto erstellte geheime Listen mit Kritikern, für die Bayer bereits im Mai um Entschuldigung gebeten hatte.

Künftig höhere Maßstäbe beim „Umgang mit allen Interessengruppen“

Künftig sollten nun höhere Maßstäbe beim „Umgang mit allen Interessengruppen“ gesetzt werden, erklärte das Unternehmen am Freitag. Die US-Tochter Monsanto steht insbesondere bei Umweltschützern seit langem in der Kritik – vor allem wegen genveränderten Saatguts und Glyphosat.

Bayer verweist dabei stets darauf, dass Produkte auf Glyphosatbasis bei sachgerechter Anwendung sicher seien. Glyphosat werde auch „weiterhin eine wichtige Rolle in der Landwirtschaft und in der Produktpalette von Bayer spielen“, bekräftigte der Konzern nun.

Zugleich appellierte Bayer ausdrücklich an „Wissenschaftler, Journalisten und Nichtregierungsorganisationen, die wissenschaftliche Vorbereitung zum Wiederzulassungsverfahren von Glyphosat in der Europäischen Union aktiv zu begleiten“.

In der Forschung ist die Frage, ob Glyphosat eine krebsauslösende Wirkung hat, umstritten. Die US-Umweltbehörde EPA und auch die Aufsichtsbehörden in der EU und Deutschland gelangten zu dem Schluss, dass von Glyphosat keine Krebsgefahr ausgeht. Dagegen konstatierte die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) 2015, dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend bei Menschen“ sei. (afp)


Unterstützen Sie unabhängigen und freien Journalismus

Danke, dass Sie Epoch Times lesen. Ein Abonnement würde Sie nicht nur mit verlässlichen Nachrichten und interessanten Beiträgen versorgen, sondern auch bei der Wiederbelebung des unabhängigen Journalismus helfen und dazu beitragen, unsere Freiheiten und Demokratie zu sichern.

Angesichts der aktuell schwierigen Zeit, in der große Tech-Firmen und weitere Player aus dem digitalen Werbemarkt die Monetarisierung unserer Inhalte und deren Verbreitung einschränken, setzt uns das als werbefinanziertes Nachrichten-Portal unter großen Druck. Ihre Unterstützung kann helfen, die wichtige Arbeit, die wir leisten, weiterzuführen. Unterstützen Sie jetzt Epoch Times indem Sie ein Abo abschließen – es dauert nur eine Minute und ist jederzeit kündbar. Vielen Dank für Ihre Unterstützung!

Monatsabo ab 7,90 Euro Jahresabo ab 79,- Euro

Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion