USA interessiert an deutschem Erfolgsmodell

Von 16. August 2012 Aktualisiert: 16. August 2012 8:04

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) gab am 13. August bekannt, dass Deutschland 2012 voraussichtlich einen Leistungsbilanzüberschuss von 200 Mrd. US-Dollar erwirtschaften wird. Das Institut für Wirtschaftsforschung IFO sagt in der Financial Times Deutschland (FTD) einen Betrag von 210 Mrd. US-Dollar voraus. Laut OECD wird dies mehr als in jedem anderen Land sein und seit 1988 das erste Mal auch wieder einen Überschuss gegenüber China bedeuten.

China ist der größte Absatzmarkt

Laut FTD sind die Exporte nach China im Mai um 5,8 Prozent im Jahresvergleich gestiegen und stellen den größten Absatzmarkt dar. Gregor Eder, ein Allianz-Asienexperte, teilte der FTD mit, dass Deutschland von dem Investitionswachstum in China und Asien profitiere.

Exporte im Autosektor stellen einen Großteil des Gesamtvolumens dar. Hierbei stellen die deutschen Autobauer zwar zumeist die Autos in China her, allerdings werden viele Teile von Deutschland nach China geschickt. Die Schwerindustrie ist außerdem mit einen Drittel an den Exporten beteiligt.

Um eine positive Handelsbilanz zu erwirtschaften, müssen allerdings die Importe unter den Exporten bleiben. Deutschland importiert auch weniger von China, was zum großen Teil durch den schwachen Euro zu erklären ist. Dieser verlor in den letzten Monaten 17 Prozent gegenüber dem Renmimbi und macht somit deutsche Exporte künstlich billiger.

Des Weiteren verliere China seinen Status als Billiglohnland, berichtet Christina Otte der FTD: „Steigende Löhne und neue Umweltauflagen in China bewirken, dass die Volksrepublik ihren Status als Billiglohnland zunehmend einbüßt“, führt die China Expertin von der Außenhandelsagentur GTAI weiter aus.

Amerikaner wollen das deutsche Erfolgsgeheimnis kennenlernen

Die starken Zahlen der Industrie Deutschlands sind den Amerikanern nicht entgangen, die selbst ein chronisches Leistungsbilanzdefizit vorweisen. Peter Ross Range, ein US-Journalist, schreibt im Handelsblatt, dass sogar Präsident Obama daran interessiert war „wie es Deutschland schaffe, so erfolgreich in der Industrie zu sein bei so hohen Löhnen“. Dieses Thema sprach er bei einem Meeting zur Wirtschaftsplanung an.

Andere Persönlichkeiten der US-Wirtschaft pflichten dem Präsidenten bei: „Die USA müssen Deutschland ähnlicher werden“, sagt der Vorsitzende von General Electric Jeffrey Immelt; Wall Street Banker Steven Raffner unterstreicht sogar, dass „die USA vom deutschen Modell lernen sollen“.

Ross Range führt in seiner Reportage im Handelsblatt das klassische deutsche Ausbildungssystem als einen der Gründe für die hohe Wettbewerbsfähigkeit an. Laut Ross Range gibt dieses System den Arbeitern Job-Sicherheit und die Unternehmen bekommen gut ausgebildete Arbeitskräfte. Das wäre mit ein Grund, dass die deutsche Jugendarbeitslosigkeit nur 7,9 Prozent beträgt. Deutsche Firmen wie Volkswagen, Siemens und BMW haben dieses System schon in die US exportiert und setzten es dort erfolgreich ein.

Exportlastigkeit birgt Risiko in schlechten Zeiten

Eine sehr wettbewerbsfähige Wirtschaft schützt allerdings nicht vor schlechten Zeiten. Hedgefondsmanager Hugh Henry sprach bei der Milken Konferenz im Mai davon, dass ein großer Export- und Industrieanteil ein gewisses Risiko birgt: Der Manager des Eclectica Fonds sagt, dass „Deutschland einen hohen operationellen Hebel habe“ und dass zum Beispiel Firmen wie Siemens, die schwere Maschinen herstellen, in schlechten Zeiten mehr leiden würden als Konsumentengüter-Hersteller wie Procter & Gamble.

Investitionen in Kapitalgüter würden zuerst gestrichen, genau wie es im Jahr 2008 geschah. Am Beispiel Siemens erklärt er, dass Industriefirmen Kosten viel später reduzieren können, da die Produktion sehr hohe Fixkosten enthält. Procter & Gamble auf der anderen Seite müsse weniger Umsatzeinbußen hinnehmen, da die Nachfrage relativ kontinuierlich sei, erwähnt Henry.

 

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