Sind Phantomschmerzen auf den Körper der Seele zurückzuführen?

Von 8. Februar 2016 Aktualisiert: 8. Juli 2016 1:50
„Plötzlich fühlte ich einen starken Schmerz in meinem linken Bein. Ich versuchte es zu erreichen ... mit meinem einzigen Arm, merkte aber, dass ich zu schwach war und rief den Krankenpfleger: ‚Bitte, könnten Sie mich an der linken Wade kratzen‘? Er sagte: ‚Die Wade? Wir mussten doch Ihren Unterschenkel amputieren!’"

Die Unterschenkel des amerikanischen Veteranen Geor­ge Dodlow waren amputiert, aber er konnte sie immer noch spüren. Die Wahrnehmung von Empfindungen nicht mehr vorhandener Glieder des Körpers ist unserem gegenwärtigen wissenschaftlichen Verständnis nach unmöglich. Doch Dodlow, der während des Bürgerkrieges einen Arm und beide Unterschenkel verloren hatte, ist einer von tausenden Menschen, die an Phantomschmerzen leiden.

Diese Symptome erforschte Weir Mitchel, ein Neurologe des 19. Jahrhunderts, während seiner langen wissenschaftlichen Tätigkeit. Nach aktuellen Schätzungen erleben weltweit 80 Prozent aller Patienten mit Amputationen dieses seltsame Phänomen. Personen die Gliedmaßen, ein Auge oder einen Zahn verloren haben, können nach wie vor Berührungen, Hitze, Kälte und Schmerzen in ihren physisch nicht mehr vorhandenen Organen spüren.

Die Person mit Phantomschmerzen erlebt den Verlust seines Gliedmaßes so, als ob es auf sensorischer Ebene weiterhin existiert, obwohl es nicht mehr anfassbar und sichtbar ist.

Aus dem Blickwinkel der Existenz von Nahtoderfahrung, die ebenfalls als real von Patienten ohne Hirnaktivität und unter Herzstillstand erlebt werden, würde die Frage der Existenz eines Körpers im Körper, oder Geist des Menschen einen metaphysischen Erklärungsansatz bieten, auf den auch in modernen Hypothesen (siehe „Der immaterielle Körper“) bereits hingewiesen wird.

Ein solcher Ansatz böte auch für ein anderes faszinierendes medizinisches Phänomen zumindest eine Interpretationsmöglichkeit. Nämlich für eine spezielle Form von Lähmungen. Bei dieser Form können trotz intensivster medizinischer Untersuchungen keine körperlichen Probleme festgestellt werden. Die Muskeln zeigen zwar den gleichen Zustand, den man auch im Falle einer normalen Lähmung erwarten würde, aber die Nerven, die das entsprechende Glied versorgen, sind unverletzt. Sollte es sich hier etwa um eine Verletzung jenes hypothetischen Körpers, etwa unseres Geistes, handeln?

Erklärungsansätze aus der Neurologie

Was steckt wirklich hinter dieser seltsamen Erscheinung? Viele Neurologen glauben, dass mit dem Entfernen eines Gliedes die für dieses Glied zuständige Gehirnregion in eine Art Schlafzustand versetzt wird. Dies würde die Körpersensoren benachbarter Gehirnteile dazu veranlassen, Rückmeldungen wie Schmerz oder Taubheit hervorzurufen. Studien, die im Jahr 1998 von den Professoren Neeraj Jain, Sherre L. Florence und Jon H. Kaas an der Universität Vanderbilt durchgeführt wurden, zeigten, dass Phantomschmerzen ein Produkt des Gehirns sein können, das sich nach einer Verletzung wieder zu organisieren versucht.

„Bis heute sind die meisten Neurologen der Überzeugung, dass das Gehirn eines Erwachsenen fest verdrahtet und in der Regel zu keiner Reorganisation fähig ist. Die einzige Ausnahme bilden Gehirnareale, die mit Lernfähigkeit und der Aneignung von Fertigkeiten zu tun haben. Während der vergangenen zwei Jahrzehnte ist jedoch die Erkenntnis entstanden, dass auch primäre sensorische Areale fähig sind, auf Verletzungen oder veränderte Muster peripherer Stimulierung zu reagieren“, schreiben die Vanderbilt-Professoren.

Selbst wenn das Gehirn zu dieser teilweisen Reorganisation nach einem Trauma fähig ist, wie kann erklärt werden, dass Kinder, die bereits ohne Gliedmaßen geboren werden, die gleichen Symptome aufweisen wie Erwachsene nach Amputationen?

Der immaterielle Körper

Eine der kontroversesten Hypothesen zur Erklärung, wie das Gehirn eine vollständige sensorische räumliche Repräsentation fehlender Gliedmaßen aufrechterhalten kann, geht von einen immateriellen oder „mikrokosmischen“ Körper aus. Die Theorie besagt: ein unsichtbarer Körper, bestehend aus subatomaren Teilchen, aber passgenau auf den physischen Organismus in dieser Dimension abgestimmt, könnte erklären, warum Körperteile, die auf dieser zellulären Ebene entfernt wurden, in anderen Dimensionen weiterhin intakt blieben.

Ist die Existenz eines anderen Körpers, der aus extrem mikroskopischen Partikeln zusammengesetzt ist, aus wissenschaftlicher Sicht möglich? Kann bewiesen werden, dass ein bestimmter Bereich des Körpers in einer anderen Dimension existiert?

Phantomschmerzen lindern durch eine geniale Therapie

In seinem Buch „Phantoms in the Brain“ (Gehirn-Phantome) schreibt Dr. V.S. Ramachandran über einen kuriosen Fall von Phantomschmerz. Einer seiner Patienten hatte nach einem Autounfall einen Unterarm amputiert bekommen und litt danach jahrelang unter starken Schmerzen im verlorenen Arm. Die meiste Zeit hatte er akute Schmerzen, die von der Hand bis zum Stumpf am Ellenbogen reichten. Laut dem Patienten lag die Ursache für die Schmerzen in der Entfernung des Armes: Vor der Entfernung hatte er mit aller Kraft eine Faust gemacht, sodass sich seine Fingernägel schon den Handteller verletzten; seitdem blieb das Gefühl einer geschlossenen, wie festgefrorenen Faust.

Auf der Suche nach einer Methode, wie er seinen Patienten von den mysteriösen Schmerzen befreien konnte, entwickelte Dr. Ramachandran ein Spiegel-Gestell, das ihm half, auf das Phantomglied zuzugreifen: eine rechteckige Box mit Löchern für die Arme und einem Spiegel, der das Gerät in zwei Hälften teilte. Der Patient steckte beide Arme in die Box und konnte sich mit Hilfe des Spiegelbildes der gesunden Hand vorstellen, seine amputierte Hand auf der anderen Seite wäre noch da. Auf diese Weise, indem er seine sichtbare Hand sehr langsam öffnete, konnte der Patient fühlen, wie sich seine Fingernägel langsam aus der Handfläche des amputierten Gliedes lösten.

Diese Form der Therapie wird in den USA auch für Invaliden aus den Kriegen gegen Afghanistan und Irak angeboten:

Phantomglieder in Mystik und chinesischer Medizin

In der Theorie vom „nicht greifbaren Körper“ wird davon ausgegangen, dass durch die Entfernung von Körperteilen tiefere Dimensionen nicht beeinflusst werden. Die Energie und die nicht körperlichen Teilchen des Organismus bleiben mit der Person und deren Gehirn in Verbindung, auch wenn sie sich entsprechend den Anforderungen des Physischen anpassen und verändern.

Obwohl es zunächst sicher mystisch klingt, gibt es zu jeder Theorie immer die Frage der Sichtweise. Wo die westliche Medizin zum Beispiel eine Entzündung oder ein Geschwür beobachtet, sieht die traditionelle chinesische Medizin zuerst eine Blockade der Lebensenergie, des Qi. Jedes der Systeme favorisiert eine andere Form der Behandlung des Patienten, aber in beiden Fällen verschwinden die Symptome, wenn der Patient geheilt ist. Obwohl das Meridian-System der chinesischen Medizin mit menschlichen Augen nicht gesehen werden kann, wird seit Tausenden von Jahren damit gearbeitet und eine Vielzahl von Gesundheitsproblemen damit behandelt.

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„Nach der chinesischen Medizin bleiben die Energie des Gewebes und die zugehörigen Meridiane und Akupunkturpunkte bestehen, wenn ein Patient ein Organ, ein Glied oder einen anderen Teil seines Körpers verliert“, sagt Mary Helen Lee, eine Fachärztin für östliche Medizin in Chicago. „Eine Akupunkturbehandlung kann sowohl am Meridian, der für das verlorene Glied zuständig ist, als auch am gegenüberliegenden Glied durchgeführt werden, um Phantomschmerzen zu heilen.“

Das Phänomen des Phantomgliedes weckt Interesse, mehr über die wahre Natur unseres Körpers herauszufinden und seine Interaktion mit der geistigen Ebene. Leiden diese Patienten lediglich unter einem Defekt des Gehirns oder handelt es sich um tiefergehende Prozesse? Und weiter: sterben unsere Atomkerne beim Zerfall einer Zelle ebenfalls ab oder existieren sie weiter in einem anderen Zustand, den wir mit menschlichen Augen nur nicht wahrnehmen können? (lv/dk)