Menschen in einem Gebiet mit Shiringa (Ruber)-Bäumen auf der Farm El Paraiso in Maynas, Region Loreto, im nördlichen peruanischen Amazonas-Regenwald, am 24. November 2018. Einem spanischen Forscher gelang es, drei bedrohte Baumarten massiv zum Keimen zu bringen.Foto: ERNESTO BENAVIDES/AFP via Getty Images

Stirbt eine Sprache, stirbt auch einmaliges medizinisches Wissen

Epoch Times17. Juni 2021 Aktualisiert: 17. Juni 2021 2:52
Das Wissen über Heilpflanzen schwindet schneller als die biologische Vielfalt. Das ergab eine Studie der Universität Zürich. Ursache dafür ist der Verlust der indigenen Sprachen, die mündlich weitergegeben werden und die dieses spezielle Wissen bisher hüteten.

Linguisten schätzen, dass etwa jede dritte der heutigen 7.400 Sprachen weltweit bis zum Ende des 21. Jahrhunderts aussterben wird. Die meisten dieser Sprachen sind nicht schriftlich festgehalten und viele davon werden nicht mehr an die nächste Generation weitergegeben.

Für spezielles Wissen indigener Völker wie das über Heilpflanzen ist das Risiko hoch, mit dem Verlust der Sprache verloren zu gehen.

Bedrohte Sprachen in Nordamerika und Amazonien

Forscher der Universität Zürich haben untersucht, inwieweit das indigene Wissen über Heilpflanzen an einzelne Sprachen gebunden ist. Rodrigo Cámara-Leret (Leitender Forscher) und Jordi Bascompte, Professor für Ökologie, analysierten 3.597 Heilpflanzenarten und 12.495 medizinische Anwendungen, die mit 236 indigenen Sprachen in Nordamerika, dem nordwestlichen Amazonasgebiet und Neuguinea verbunden sind.

„Wir fanden heraus, dass mehr als 75 Prozent aller Anwendungen von Heilpflanzen sprachlich einzigartig sind und daher nur in einer Sprache bekannt sind“, so Cámara-Leret zu ihrer Studie.

Um zu quantifizieren, wie viel von diesem sprachlich einzigartigen Wissen verschwinden könnte, wenn Sprachen oder Pflanzen aussterben, wandten sich die Forscher an den Glottolog-Katalog der Weltsprachen und die Rote Liste der bedrohten Arten der IUCN (Internationale Union zur Bewahrung der Natur), um Informationen über die Bedrohung von Sprachen beziehungsweise Heilpflanzenarten zu erhalten.

Sie fanden heraus, dass bedrohte Sprachen über 86 Prozent des gesamten einzigartigen Wissens in Nordamerika und Amazonien und 31 Prozent des einzigartigen Wissens in Neuguinea beinhalten.

Im Gegensatz dazu waren weniger als 5 Prozent der Heilpflanzenarten bedroht.

Internationale Dekade der indigenen Sprachen

Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass jede indigene Sprache einzigartige Erkenntnisse über die medizinischen Anwendungen im Zusammenhang mit der biologischen Vielfalt liefert.

Zudem zeigt die Studie, dass der Verlust von Sprachen sogar noch kritischer für das Aussterben von medizinischem Wissen sein wird als der Verlust der biologischen Vielfalt.

Die Studie fällt mit der Ausrufung der nächsten 10 Jahre durch die Vereinten Nationen als Internationale Dekade der indigenen Sprachen zusammen. Das Projekt soll das weltweite Bewusstsein für die kritische Situation vieler indigener Sprachen schärfen.

Prof. Jordi Bascompte kommt zu dem Fazit, dass die Mobilisierung von Ressourcen für die Erhaltung, Wiederbelebung und Förderung dieser bedrohten Sprachen notwendig ist. Um gefährdetes medizinisches Wissen zu dokumentieren, werde es entscheidend sein, zeitnah mit groß angelegten gemeinschaftsbasierten Bemühungen zu beginnen. (ks)



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion